Die Nürnberger Versicherung will 75 Millionen Euro bis 2026 einsparen. Diesen bereits im April bekannt gewordenen Plan hat der Konzern nun final bestätigt. Erreicht werden soll dieses Ziel unter anderen durch den Wegfall von 600 Vollzeitarbeitsplätzen im Innendienst. Auf Nachfrage von DAS INVESTMENT bezeichnete eine Unternehmenssprecherin diese Zahl als eine Art Richtwert. Vor einigen Monaten war noch die Information über den Abbau von 500 Stellen durchgestochen worden, offenbar aus Mitarbeiterkreisen.
Am Kostensenkungsprogramm wird bereit seit einem Jahr gearbeitet
„Fit für die Zukunft“ nennt die Nürnberger unter Konzernchef Harald Rosenberger ihr Programm, bei dem es nach eigenen Angaben darum geht, Aktivitäten zu fokussieren und zu reduzieren, sowie Prozesse zu optimieren, um so die Kostenlücke zum Wettbewerb zu schließen. „Unsere Verwaltungs- und Abschlusskosten sind höher als bei anderen Versicherern“, sagte die Sprecherin gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. An dem Programm werde intern bereits seit einem Jahr gearbeitet. Man wolle schneller, schlanker und digitaler werden.
Verluste in der Schaden-Sparte sind stark gestiegen
Der Handlungsdruck ist unübersehbar: In der Schadenversicherung hatte die Nürnberger im vergangenen Jahr einen Verlust von 24 Millionen Euro eingefahren. Wie bei so vielen Konkurrenten ist in Folge von Sturm- und Flutereignissen und der im Zuge der Inflation drastisch gestiegenen Reparatur- und Ersatzteilpreise die Kfz-Sparte das Sorgenkind der Franken. Auch die langfristige Versorgung von Unfallopfern kostet sehr viel mehr. In der Autoversicherung standen 2023 Einnahmen von 138 Millionen Euro, Ausgaben von 178 Millionen Euro gegenüber.
Über alle Sparten verdiente der Versicherer nur noch 43 Millionen Euro, im Jahr 2022 waren es noch 70 Millionen Euro gewesen. Für das laufende Jahr peilt Rosenberger einen Gewinn von 40 Millionen bis 50 Millionen Euro an. 2026 oder 2027 soll der Gewinn nach dem Willen des Vorstandschefs auf 100 Millionen Euro steigen. Dies zuvor veröffentlichten Zahlen bestätigte die Sprecherin gegenüber unserer Redaktion.
Weniger Personalbindung dank weniger Tarifen
Das neue Zauberwort heißt Kosteneffizienz. Wenig wertschaffende Tätigkeiten sollen abgebaut werden. Als Beispiel nannte die Sprecherin Prozesse in der Produktentwicklung. Hier habe die Nürnberger sehr viele Tarife für viele kleine Zielgruppen auf den Markt gebracht. Das hätte zu erhöhtem Arbeitsaufwand im Bereich Operations geführt. Deshalb sollen jetzt bestimmte Tarife wegfallen oder zusammengelegt werden.
Auch sollen Schnittstellenpositionen abgebaut und in weiten Teilen des Unternehmens der Lean-Management-Gedanke eingeführt werden, um überflüssige Tätigkeiten zu vermeiden. Beschäftigten erhielten so mehr Verantwortung. Dafür habe das Unternehmen für jede Position sogenannte Funktionsanforderungsprofile erstellt, wie Sprecherin erklärt.
Personalabbau so zielgerichtet wie möglich
Stark nachgefragte Jobs wie Aktuare oder Underwriter dürften von dem Programm nicht betroffen sein. Hier ist die Nürnberger wie die Konkurrenz vom Fachkräftemangel betroffen. Der zielgerichtete Personalabbau soll über die interne Qualifizierung von Mitarbeitern und die Reduzierung in bestimmten Segmenten gelingen. Betroffen dürften dabei auch Bereiche wie Human Resources und IT sein. Ein wichtiges Instrument, um die Zahl der Mitarbeiter mit Blick auf anstehende Renteneintritte bis 2030 auszubalancieren, sollen auch neue, von der Nürnberger zusätzlich geförderte Teilzeitlösungen spielen. Auch verschiedene andere flexible Arbeitszeitmodelle sollen dazu beitragen, die Anzahl der Vollzeitarbeitsplätze zu reduzieren und dadurch Kosten zu sparen.
Das Motto beim Thema Personal lautet „Umbau vor Abbau“. Frei werdende Stellen sollen nur wiederbesetzt werden, wenn es nötig ist. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat seien „intensiv und produktiv“ gewesen, sagt Rosenberger, der sich seit seinem Einstieg bei der Nürnberger 2017 bis zum Vorstandschef im vergangenen Jahr hocharbeitete. Bis Ende 2026 soll es keine betriebsbedingten Kündigungen geben.
Neues Leitbild „Präventionsversicherer“
Spannend dürfte die Frage werden, ob andere Versicherer mit ähnlichen Problemen anstehende Kostensenkungsprogramme derart offensiv ankündigen werden. Rosenberger verknüpft die Transformation seines Unternehmens mit der Vorstellung, die Nürnberger zu einem „Präventionsversicherer“ zu machen. Mit den ergriffenen Maßnahmen soll auch den zunehmenden Risiken durch Klimawandel und den steigenden Gesundheitskosten begegnet und dafür gesorgt werden, dass Versicherungsschutz für die Kunden bezahlbar bleibt. Doch ähnliche Strategien hörte man auch schon aus anderen Häusern.
Sponsoring wird zurückgefahren
Derweil stehen auch die Sponsoring-Aktivitäten der Franken auf dem Prüfstand. „Hier prüfen wir, ob die Vereinbarungen zu unserem neuen Geschäftsmodell, dem Präventionsversicherer, passen“, sagte die Sprecherin. Bislang gehört auch der 1. FC Nürnberg zu den Empfängern der Versicherer-Millionen, damit könnte 2025 Schluss sein, wenn der Vertrag ausläuft. Bisher erhielt der Zweitligaclub von seinem Trikotsponsor jährlich geschätzte 1,5 Millionen Euro. Bereits beendet wurde das Kultur-Sponsoring für das Staatstheater.



