Die Nürnberger Versicherung hat 2024 ein negatives Konzernergebnis von minus 77 Millionen Euro eingefahren. Ende des vergangenen Jahres war ein negatives Konzernergebnis von minus 65 bis 86 Millionen Euro prognostiziert worden. Trotz des Rekordverlusts spricht das Unternehmen von einer „gemischten Bilanz“. 2023 hatten die Franken noch einen Gewinn von 42,8 Millionen Euro erwirtschaftet.
Riesiger Verlust, drastische Dividendensenkung
Allein die Schaden- und Unfallsparte steckt tiefer in den roten Zahlen denn je: Hier liegt der Fehlbetrag bei minus 157,4 Millionen Euro. Hauptursachen seien insbesondere die stark gestiegenen Schadenaufwendungen aufgrund von Inflation und Großschäden, die Abwicklung von Vorjahresschäden sowie vorgenommene Reservestärkungen. In Folge der Krise soll die Dividende nur 0,14 Euro statt bisher 3,50 Euro je Stückaktie betragen.
Weitere Zahlen, die weniger unerfreulich klingen: Die gebuchten Bruttobeiträge über alle Versicherungszweige stiegen um 3,3 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz, bestehend aus den gebuchten Bruttobeiträgen, Erträgen aus Kapitalanlagen und Provisionserlösen, erhöhte sich um 4,3 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Die Geschäftsfelder Leben, Kranken und Bankdienstleistungen lieferten 2024 dabei positive Teilergebnisse, so der Versicherer.
Bis 2027 schwarze Null im Schadengeschäft
Der Vorstandsvorsitzende Harald Rosenberger sagt: „Wir setzen alles daran, schnellstmöglich wieder profitabel zu werden, und die Aktionäre wieder angemessen am Unternehmenserfolg partizipieren zu lassen. Die Herausforderungen in der Schadenversicherung gehen wir entschlossen und mit effektiven Maßnahmen an. Unser Fokus liegt auf Ertrag. 2025 erwarten wir für den Konzern ein Jahresergebnis in der Größenordnung von 40 Millionen Euro.“
Dabei erwartet er für die Schadensparte ein gegenüber 2024 „deutlich verbessertes, aber weiter negatives Segmentergebnis im mittleren zweistelligen Millionenbereich“. Ziel sei, 2027 eine schwarze Null in der Schaden-/Unfallversicherung zu erreichen.
Der Konzern sieht sich trotz der schlechten Bilanz auf dem richtigen Weg. Das 2023 gestartete Strategieprogramm „#vomICHzumWIR“ komme gut voran. Ziele seien eine Effizienzsteigerung, die Sanierung der Schadenversicherung, die Weiterentwicklung der Unternehmenskultur hin zu mehr Performance sowie die Vorbereitung des Unternehmens auf ihre neue Positionierung als „Präventionsversicherer“.
Sanierungsprogamm soll auf Kurs sein
Vom angestrebten Einsparziel von 75 Millionen Euro bis 2026 konnten nach Konzernangeben bis März 2025 schon rund 80 Prozent fixiert werden. Auch die Sanierung der Schadenversicherung beginne zu wirken. Hier verweist die Nürnberger auf eine Verbesserung der Schadenquote für die Grundschadenlast in der Kfz-Versicherung.
Zu den Maßnahmen gehören laut des Unternehmens signifikante Beitragserhöhungen beziehungsweise Trennung von schlecht verlaufenden oder stark untertarifierten Verträgen sowie eine „Exzellenz-Initiative in der Versicherungstechnik“. Was damit genau gemeint ist, bleibt unklar.





Wie hoch allerdings weiterhin der Kostendruck zu sein scheint, zeigen Einzelmaßnahmen, die zwischenzeitlich bekannt wurden. So beendet der Großversicherer nicht nur sein Engagement beim lokalen Fußball-Zweitligisten 1. FC Nürnberg nach neun Jahren. Auch die beiden Logen im Max-Morlock-Stadion soll der Versicherer laut eines lokalen Medienberichts gekündigt haben.
Aufgabe von Beständen im großen Stil?
Im Markt hatte die Trennung von Beständen indes zuletzt bei Vermittlern für Verwunderung gesorgt. Darüber berichtete Mitte März der Branchendienst „Versicherungmonitor“. Die Nürnberger gebe in großem Stil Verträge auf, auch solche, bei denen die Schadenquoten deutlich unter 50 Prozent liegen, hieß es in der Veröffentlichung mit Bezug auf Maklerstimmen.
Eine Anfrage von DAS INVESTMENT, ob es zutrifft, dass sich das Unternehmen tatsächlich im großen Stil von Beständen auch mit niedrigen Schadenquoten getrennt hat, beantwortete ein Sprecher nicht. Er verwies auf eine Aktionärsbrief-Veröffentlichung vom Wochenende. Darin heißt es unter anderem, dass die Nürnberger besonders ertragsschwache Geschäftsbereiche aufgibt, zum Beispiel das gewerbliche Transportgeschäft.
Personelle Veränderung im Vorstand
Im Zuge der Geschäftsbilanz verkündete die Nürnberger auch eine Personalie. Vorstandsmitglied Jürgen Voß (55) wird zum 31. Dezember des Jahres aus dem Unternehmen ausscheiden. Zu den konkreten Gründen machten die Franken keine Angaben. Die Niederlegung der Vorstandsmandate „erfolge im besten gegenseitigen Einvernehmen“.
Voß wurde 2015 erstmals zum Vorstand bestellt. Seit 2019 hat er die Funktion des Finanzvorstands im Konzerns inne. Seit 2021 ist er zudem Aufsichtsratsvorsitzender bei der Fürst Fugger Privatbank. Diesen Posten soll er fortführen, heißt es in der Unternehmensmitteilung. Zur Nachfolge von Voß machte die Nürnberger keine Angaben.


