Nur eine Gegenbewegung

Beste Gold-Analysten bleiben 2014 skeptisch

Die beiden treffsichersten Goldpreis-Analysten bleiben 2014 skeptisch. Daran ändert auch der beste Jahresstart für das Edelmetall seit 1983 nichts.

“Ich halte das lediglich als eine Gegenbewegung”, sagte Robin Bhar, Leiter des Edelmetall-Research bei der Société Générale in London. Der Analyst, der nach Daten von Bloomberg die besten Prognosen in den beiden vergangenen Jahren getroffen hat, rechnet im vierten Quartal mit einem Durchschnittspreis pro Feinunze bei 1.050 Dollar.

Noch niedriger ist das Ziel von Justin Smirk. Der leitende Volkswirt der Westpac Banking in Sydney rechnet für die letzten drei Monate des Jahres nur mit 1020 Dollar: “Ich bin etwas überrascht von der Volatilität im Markt, aber an meiner Sicht ändert das gar nichts”, sagte die Nummer Zwei im Bloomberg-Ranking.

Nach dem jüngsten Anstieg sei Gold nicht mehr günstig und könne daher auch nicht als sicherer Hafen fungieren. Smirk widerspricht der gängigen Begründung, die Goldkäufe seien Folge einiger enttäuschender US-Konjunkturdaten der Vorwochen. Zeichen eines erlahmenden US-Wirtschaftswachstums hatten Spekulationen angefacht, die US-Notenbank könnte bei der Verringerung ihrer monatlichen Anleihekäufe das Tempo drosseln.

Die quantitativen Maßnahmen gelten als Inflationsrisiko und daher günstig für Gold. Zudem hatten die niedrigen Kurse zu Jahresbeginn die physische Nachfrage aus Asien angeheizt.

Die beiden Goldgurus sehen in den Gewinnen nur eine vorübergehende Erscheinung: Die Verteuerung der Vorwochen werde wohl die Nachfrage aus Asien drosseln und die US-Notenbank im Rahmen der Wirtschaftserholung ihre Verringerung der Anleihekäufe schrittweise fortsetzen.

“Die Erholung der US-Wirtschaft hält an”, sagte Bhar, “aus Sicht der Fed hat sich nichts wirklich geändert, so dass der Dollar und die Renditen weiter anziehen werden.” Das aber werde Gold belasten. Und wenn die globale Wirtschaft wieder auf einen Wachstumspfad einschwenken werde, sei ein sicherer Hafen unnötig.

Die US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen hatte am 11. Februar gesagt, dass die Erholung des US-Arbeitsmarktes noch lange nicht vollständig sei und die Verringerung der Anleihekäufe nicht als in Stein gemeißelt bezeichnet. Dies hatte Mutmaßungen angeheizt, dass die Fed bei der Rückführung der quantitativen Maßnahmen eine Pause einlegen könnte.

Die US-Währungshüter haben die monatlichen Anleihekäufe in den beiden vorangegangenen Sitzungen um jeweils zehn Milliarden Dollar auf nun 65 Milliarden Dollar gesenkt. Smirk rechnet damit, dass sich an diesem Vorgehen nichts ändern wird, da die Verringerungen in maßvollen Schritten erfolgten. “Es ist kein großer Schock. Ich gehe davon aus, dass die Märkte den Großteil davon bislang schon eingepreist haben.”

Gegen Gold spricht nach Ansicht von Bhar auch die Attraktivität anderer Anlageklassen. So lange Aktien stiegen, schichteten Anleger aus dem Edelmetall in höher rentierende Werte um. Das seien neben Aktien auch andere Rohstoffe.

Analysten anderer Häuser sind sich dagegen nicht mehr so sicher, dass Gold in diesem Jahr nachgeben wird. Die Experten der Citigroup gehen in einer am 17. Februar veröffentlichten Studie mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent aus, dass das Edelmetall seine Bodenbildung abgeschlossen hat. Und die Analysten der UBS berichteten nach einem Treffen mit Kunden von einer wachsenden Zuversicht, wie aus einer aktuellen Studie hervorging.

Mehr zum Thema