DAS INVESTMENT: Ihr Oberbanscheidt Global Flexibel UI hat die Marke von 100 Millionen Euro erreicht. Fühlt sich das eher an wie das Erreichen der Volljährigkeit oder ist das nur ein Zwischenmeilenstein?

André Koppers: Der Fonds ist natürlich der gleiche wie bei 98 Millionen, aber 100 Millionen ist schon eine magische Grenze. Gerade im institutionellen Bereich ist das eine Schwelle, ab der gewisse Investorengruppen einen Fonds überhaupt erst anschauen. Das ist eine schöne Bestätigung und hat natürlich auch eine geschäftliche Komponente, weil neue Türen aufgehen.

Marco Jansen: Wir haben uns nicht geändert und unsere Strategie hat sich nicht geändert, aber es macht einfach Spaß zu sehen: Wir sind Vermögensverwalter aus Kleve und sicherlich nicht der größte Hecht im Karpfenteich. Mit einer Strategie langjährig so erfolgreich zu sein, eine kontinuierlich gute Performance abzuliefern und dann auch noch solch ein Wachstum hinzulegen – das ist eine Story, auf die man stolz sein kann.

Der Fonds kann die Aktienquote zwischen 25 und 100 Prozent variieren. Aktuell liegt sie bei etwa 40 Prozent. Was müsste passieren, damit Sie wieder auf 80 oder 90 Prozent hochgehen?

Koppers: Ein stabileres geopolitisches Umfeld. Wir haben für unseren Geschmack einfach zu viele Krisenherde, zu viele Unwägbarkeiten im Markt. Es sind Chancen da, deswegen haben wir auch noch die 40 Prozent, aber es gibt im Moment zu viele Dinge, die sich nicht einschätzen lassen.

Jansen: Wir sind dieses Jahr zu keiner Zeit über 53 Prozent Aktienquote gewesen. Das war der Peak anderthalb Wochen vor Trumps Liberation Day. Das heißt, die Performance von 20 Prozent year-to-date haben wir mit einer durchgängig relativ niedrigen Aktienquote erreicht. Auf der anderen Seite haben wir uns bei den Anleihen sehr gut positioniert mit schönen Renditen, sodass wir auch nicht den Druck haben, großartig mehr Risiken einzugehen.

 

Sie haben Deutschland relativ hoch gewichtet – fast Faktor 3 zu den USA. Was steckt dahinter?

Jansen: Wir haben uns sehr frühzeitig im November letzten Jahres auf Bau- und Infrastrukturaktien konzentriert. Als die Neuwahlen hierzulande anstanden, war uns klar: Wenn das Thema Neuwahl auf den Tisch kommt, wird das Thema „Deutschland muss investieren, Deutschland braucht bessere Infrastruktur“ in jedem Parteiprogramm stehen. Da haben wir uns mit Titeln aus der deutschen Baubranche positioniert – Heidelberg Materials, Bilfinger, Vossloh. Diese Titel haben wir sehr erfolgreich mitgenommen, fast alle haben sich verdoppelt oder mehr.

Koppers: Wir sind in Deutschland mit knapp 15 Prozent investiert, die USA nur mit 4,5 Prozent. Unser zweitstärkstes Land ist übrigens Norwegen.

Jansen: Die Amerika-Quote ist bewusst so gering. Wir haben zwei Goldminen im Bestand und ein kleines bisschen Microsoft. Denn wir sind der Meinung, dass der amerikanische Aktienmarkt teuer und sehr hoch bewertet ist. Dazu kommt eine Person an der Spitze, die von Twitter-Nachricht zu Twitter-Nachricht Unruhe stiftet.

Aktuell haben Sie über 50 Prozent in Anleihen. Ist das die neue Normalität für Mischfonds?

Koppers: Das ist eher ein Absichern des guten Zinsniveaus. Wir glauben, dass wir am langen Ende eher noch eine Bewegung nach unten sehen werden als nach oben. Wir sichern die Renditen und sehen da vielleicht auch noch den ein oder anderen Euro Kursgewinn. Wir haben ausgewählte Branchen – Rüstung, Verteidigung, Bau, Infrastruktur – wo wir uns sehr wohlfühlen, aber nicht in der Breite des Marktes. Das ist aber keine Ewigkeitsentscheidung.

20 Prozent Performance year-to-date in der Insti-Tranche bei einer Volatilität unter 8 Prozent – würden Sie sagen, es läuft gerade zu gut?

Jansen: Natürlich ist es schön, wenn es gut läuft. Man wundert sich manchmal, aber ganz überrascht uns das nicht, weil wir sehr frühzeitig die richtigen Themen besetzt haben. Als Trump seinen Liberation Day ausrief, hatten wir eine Aktienquote von 53 Prozent. Es war relativ klar: Wenn er sich mit großem Tamtam vor die Presse stellt, wird nicht nur Gutes dabei rauskommen. Anderthalb Wochen vorher haben wir deshalb die Quote von 53 auf 38 Prozent runtergenommen. Die Märkte sind abgeschmiert, der Dax unter 20.000 Punkte gefallen – und dann haben wir wieder eingekauft. Es ist nicht so, als ob das ein Zufallsprodukt ist.

Wenn Sie morgen alle Positionen verkaufen müssten und nur noch drei Aktien kaufen dürften – welche wären das?

Koppers: Münchener Rück, Rheinmetall und Heidelberg Materials.

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Jansen: Kann ich mitgehen, finde alle drei super.

Wo wollen Sie in drei Jahren mit dem Fonds stehen?

Jansen: Wir fühlen uns genau da, wo wir sind, wohl. Wir bleiben flexibel. Bei uns ist die Fixed-Income-Seite nicht das lästige Übel, das man bei einem Mischfonds mitmachen muss, sondern wir sehen sie wirklich als Performance- und Ertragsquelle. Die Entscheidung Aktien oder Renten fällt gar nicht, weil wir uns in dem Konstrukt mit der Flexibilität zwischen 25 und 100 Prozent genau richtig aufgestellt fühlen.

Über die Interviewten:

Marco Jansen ist Gesellschafter und Prokurist bei Oberbanscheidt & Cie., André Koppers Geschäftsführer und ebenfalls Gesellschafter der Klever Vermögensverwaltung. Beide verantworten gemeinsam mit Christian Köpp – ebenfalls Gesellschafter und Prokurist – den Oberbanscheidt Global Flexibel UI, der mit seinem „Triple A“-Ansatz („Anders als andere“) eine flexible Allokation zwischen 25 und 100 Prozent Aktienquote verfolgt.