Die Erfolge von Novo Nordisk und Eli Lilly bei der medikamentösen Behandlung von Adipositas haben einen regelrechten Boom am Aktienmarkt ausgelöst. Doch während viele Anleger ihren Fokus auf die beiden Marktführer richten, entwickelt sich im Hintergrund bereits die nächste Generation von Behandlungsmöglichkeiten. Bellevue Asset Management hat darauf mit einem spezialisierten Fonds reagiert.

Den Startschuss für den Fonds gab die Select-Studie von Novo Nordisk. „Als die publik gemacht wurde, haben wir gesagt: Das ist ein superspannendes Thema“, erklärt Portfoliomanager Lukas Leu im Interview mit DAS INVESTMENT. Der Fonds geht dabei über reine Pharma-Investments hinaus.

Breiter Investmentansatz mit Healthcare-Kern

Das Anlageuniversum des Fonds ist klar strukturiert: Mindestens 80 Prozent sind im Healthcare-Sektor investiert, mit einem Schwerpunkt auf direkter Behandlung und Diagnostik von Adipositas sowie deren Begleiterkrankungen. „Neben Erkrankungen wie zum Beispiel hohen Cholesterinwerten, also Blutfettwerten, ist Typ-2-Diabetes ein Problem – 80 bis 90 Prozent der Typ-2-Diabetiker sind fettleibig“, erläutert Leu.

Die Gewichtung im Portfolio zeigt die Bedeutung des Pharmasektors: Rund 50 Prozent des Fonds sind in Biopharma investiert, etwa 20 Prozent in Medizintechnik – beispielsweise für chirurgische Eingriffe oder Blutzuckermessungen. Dienstleister wie Rehabilitationskliniken machen etwa 8 bis 9 Prozent aus. Die restlichen 20 Prozent können in Nicht-Healthcare-Titel wie Sportartikelhersteller, Fitnessketten oder Ernährungsunternehmen investiert werden.

Novo Nordisk und Eli Lilly: Bewertungen unter der Lupe

Die hohen Bewertungen der Marktführer Novo Nordisk und Eli Lilly betrachtet Leu differenziert. Nach den Kursanstiegen kam es Mitte des Jahres zu Korrekturen. "Beide Titel sind sehr gut aufgestellt", sagt Leu. Eli Lilly, das mehr als die doppelte Marktkapitalisierung von Novo Nordisk aufweist, prognostiziert für 2025 einen Umsatz von 60 Milliarden US-Dollar – die Hälfte davon aus dem kardio-metabolischen Bereich.

Besonders interessant für Investoren könnte die dritte Generation von Adipositas-Medikamenten werden mit einem vielversprechenden Amylin-Ansatz. „Das ist ebenfalls ein natürliches Hormon wie die GLP-1-Medikamentenklasse. Man verspricht sich guten Gewichtsverlust mit weniger Nebenwirkungen“, erklärt Leu. Ein weiterer möglicher Vorteil: „Vielleicht gibt es sogar mehr Fettmasse-Verlust im Verhältnis zur Muskelmasse.“

Asiatischer Markt mit eigener Dynamik

In Asien entwickelt sich ein eigener Markt für Adipositas-Behandlungen. In Indien sieht Leu Potenzial bei Biosimilars-Herstellern. In China zeigen kleine Biotech-Unternehmen, die eine Partnerschaft mit Eli Lilly eingegangen sind, vielversprechende Forschungsergebnisse.

Allerdings steht der Markt vor besonderen Herausforderungen: „Wir haben eine unglaubliche Masse an Patienten. Der Preis wird aber einiges tiefer sein“, so Leu.

Regulierung als Wachstumstreiber

Ein wichtiger Faktor für die weitere Marktentwicklung ist die Kostenübernahme durch Krankenkassen. Aktuell können die Hersteller die Preise weitgehend selbst bestimmen, da die Nachfrage das Angebot übersteigt. Langfristig wird die Rückvergütung jedoch an Bedeutung gewinnen. Positive Studienergebnisse zu Begleiterkrankungen, wie kürzlich bei Wegovy im Bereich Nierenversagen, erleichtern dabei die Erstattung durch Versicherungen.

Die Entwicklung zeigt: Der Adipositas-Markt steht möglicherweise erst am Anfang einer längeren Wachstumsphase. Dabei könnte sich der Fokus in den kommenden Jahren von den aktuellen Marktführern auf eine neue Generation von Behandlungsmöglichkeiten verschieben.