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Letzter Arbeitstag in der Zeche Auguste Victoria: Das Steinkohlenbergwerk der RAG Aktiengesellschaft ist seit Dezember 2015 geschlossen. | © Getty Images

ODDO BHF Asset Management

Kohle ist ökonomisch und moralisch eine Sackgasse

Der Klimawandel wurde mittlerweile durch mehrere Jahrzehnte wissenschaftlicher Forschung bestätigt. Die meisten großen internationalen Institutionen sind sich darin einig, dass Untätigkeit enorme und vor allem irreversible wirtschaftliche Folgen hätte. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) stammten im Jahr 2017 rund 30 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen aus der Kohleverbrennung. Kohle ist daher mit Abstand das größte Problem, das jede kohärente Strategie zur Bekämpfung der globalen Erwärmung adressieren muss. Angesichts dessen ist hat ODDO BHF Asset Management beschlossen, Kohle aus allen seinen Portfolios mit integriertem ESG-Ansatz auszuschließen.

Abgesehen von den ökologischen Auswirkungen steckt der Kohlebergbau mittel- und langfristig auch aus mindestens drei weiteren Gründen in einer Sackgasse: zunehmende Zweifel an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit, das Risiko der Bewertung der betroffenen Vermögenswerte und steigende und damit bald nicht länger akzeptable negative externe Kosten.

Abschied von Kohle ist ökonomisch sinnvoll

Der Abschied von der Kohle als Energiequelle ist ökonomisch sinnvoll. Zu diesem Ergebnis kommt die akademische Studie „Closing Coal: Economic and Moral Incentives“ aus dem Jahr 2014. Neben der Notwendigkeit staatlicher Subventionen und eines hinreichend hohen Kohlepreises weist die Studie auch nach, dass eine wirtschaftliche Kosten-Nutzen-Bilanz für eine Reihe von Ländern, unter anderem Russland, die USA und Australien, bereits negativ ausfällt.

Untermauert wird die negative Kosten-Nutzen-Bilanz von Zahlen der (IEA) und der Weltbank. Demnach belaufen sich in diesen drei Ländern die Kosten allein der Förderung bereits auf das 1,4- bis 2,7-Fache der Erträge aus dem Kohleabbau. Obgleich die Gleichung für große produzierende Länder, insbesondere China und Indien, vorerst positiv ausfällt, dürfte sich dies mittelfristig ändern, wenn die Arbeits-kosten steigen oder wenn man die notwendigen Investitionen in neue Betriebsstätten mit einberechnet. Zum Vergleich: Das Verhältnis der Produktionskosten zu den Erträgen liegt in den USA rund sechs Mal, in Australien und Russland zehn Mal niedriger.

In der Europäischen Union (EU) beispielsweise, mit Deutschland und Polen viertgrößter Kohleproduzent der Welt, werden alle Anlagen in Kohle voraussichtlich bis zum Jahr 2030 unprofitabel werden.

Bewertung der Vermögenswerte zunehmend ein Finanzrisiko

Das mit verfallenden Vermögenswerten, sogenannten „stranded assets“, verbundene Finanzrisiko ist sowohl für Kohleproduzenten als auch für Aktionäreund Gläubiger erheblich. Sollten sich die regulatorischen Vorgaben zu CO2-Emissionen weiter ver-schärfen und das Pariser Klimaabkommen langfristig eingehalten werden, dürften die meisten der nachgewiesenen Kohlevorkommen am Ende ungenutzt bleiben. Zwar tragen die Erzeuger jetzt die Kosten der Erkundung und Erschließung ihrer Reserven, werden hiervon jedoch in Zukunft nicht profitieren können, was beträchtliche Finanzverluste von mehreren Milliarden Dollar nach sich ziehen wird.

China, die EU und die USA sind die Regionen mit dem höchsten Risiko in Bezug auf „stranded assets“. Bei Ländern wie Indien und Südafrika hingegen fällt die Risikobilanz diesbezüglich positiv aus. Grund hierfür ist die rasante Umstellung des dortigen Energie-Mixes auf erneuerbare Energien und die Entscheidung für eine kürzere Nutzungsdauer vieler kohlebetriebener Anlagen.

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