Solarpark im Unterallgäu: Wenn Anleger auf einzelne, als nachhaltig geltende Branchen setzen, gehen sie ein hohes Risiko ein, sagt Helge Peukert. Eine zu breite Streuung findet der Ökonomie-Professor allerdings auch nicht gut.  | © imago images / MiS Foto: imago images / MiS

Ökonomie-Professor findet

Ethische Anlagen sind oft Augenwischerei

Finanzanlagen, die besonderen ethischen Leitlinien folgen, sind zunehmend gefragt. Das Ziel, das Manager von und Investoren in Nachhaltigkeits-Fonds verfolgen, ist auch begrüßenswert – allerdings stecken unter dem grünen Mantel oftmals Einzelanlagen, die bei genauerem Hinsehen nur schwer als nachhaltige Unternehmen durchgehen dürften. Die Kritik kommt von Helge Peukert, Ökonomie-Professor an der Universität Siegen. In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt erläutert Peukert, wo aus seiner Sicht die Krux der aktuell förmlich explodierenden Nachhaltigkeitsfonds liegt.

Ein Problem sei zum Beispiel, dass die Fonds ihre Anlagen oft sehr breit streuten - zu breit, findet Peukert. Eine breit aufgestellte Anlage soll zwar das Anlagerisiko minimieren. „Aber je breiter diversifiziert ein grüner oder ethischer Fonds ist, desto stärker verwässert wird auch sein Anspruch“, so Peukert. Der europäischen Nachhaltigkeits-Index Euro Stoxx 50 ESG – ESG steht für ökologisch, sozial und gute Unternehmensführung – enthalte immerhin auch Titel wie die Erdölfirma Total, den Autobauer Daimler oder das Chemieunternehmen BASF. Diese gelten unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten gemeinhin als problematisch. Ihr Eintrittsticket in den Index ist allein, dass sie verglichen mit ihren Mitbewerbern die weniger schädliche Alternative sind.

Wer auf breite Streuung verzichte und stattdessen auf eine einzelne, als nachhaltig angesehene Branche setze, nehme dagegen ein hohes Risiko auf sich. Wenn eine solche Branche in Schieflage gerate, gehe auch das Investment schief, warnt Peuker.

Selbst das Mega-Projekt der Europäischen Union, verbindlich festzulegen, was ein Investment nachhaltig macht, habe bislang wenig vorzeigbare Ergebnisse geliefert, findet Peukert, „nicht zuletzt, weil Finanzlobbyisten als wichtigste Beratergruppe fungieren dürfen.“ Sein Fazit: „Viele der ESG-Angebote sind eher grün angestrichen als tatsächlich ökologisch.“ Die Fonds seien vor allem geeignet, das Gewissen von Anlegern zu beruhigen und Verbrauchern das Gefühl zu geben, mit ihrem Geld etwas Gutes zu bewirken. Da ESG kein geschützter Begriff sei, lasse sich das auch kaum verhindern.

Eine einfache Lösung für das Dilemma hat auch Peukert nicht. Vielmehr fordert er, dass die Investmentgesellschaften den Spagat einfach schaffen müssten: Der Wirtschaft sei nur geholfen, wenn die großen Fondsgesellschaften „mit wirklich nachhaltigen Öko-Anlageprodukten preisgünstige, wirklich selektive und trotzdem noch breit diversifizierte Angebote auf den Markt bringen würden.“

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