• Die Schwellenländermärkte starteten aus einer Position der Stärke ins Jahr 2026, geprägt von höheren Realzinsen, solideren Außenbilanzen und glaubwürdigeren politischen Rahmenbedingungen.
  • Zwar löste der Ölpreisschock im März erhebliche Volatilitäten aus, doch das Ausbleiben allgemeinerer finanzieller Verwerfungen unterstrich die Widerstandsfähigkeit der Schwellenländeranleihen im Vergleich zu früheren Krisenphasen.
  • Die Anlageklasse profitiert weiterhin von sich verbessernden Fundamentaldaten in vielen Schwellenländern, gestützt durch attraktive Carry-Erträge, niedrigere Realrenditen in den USA und einen schwächeren US-Dollar.
  • Unsere Positionierung bleibt konstruktiv, aber selektiv: Wir bevorzugen High Yield-Staatsanleihen und ausgewählte Währungsanlagen, die von der Carry-Strategie und sich verbessernden Fundamentaldaten profitieren, während wir bei lokalen Zinsen weiterhin zurückhaltend sind, da hohe Ölpreise und Inflationsdruck in einigen Ländern Zinserhöhungszyklen auslösen könnten.

Die Schwellenländermärkte starteten aus einer Position der Stärke ins Jahr 2026. Der Ölschock im März hat zwar die Marktstimmung durcheinandergebracht, nicht jedoch den zugrunde liegenden Konjunkturzyklus. Zwar fiel die erste Reaktion heftig aus, doch das Ausbleiben größerer Marktturbulenzen, die Widerstandsfähigkeit der Kreditmärkte und die Erholung im April deuteten allesamt eher auf eine Neubewertung als auf einen zyklischen Umschwung hin, was unsere positive Einschätzung von Schwellenländeranleihen bestärkt.

Die Schulden der Schwellenländer haben seit dem Inflationsschock nach der Corona-Pandemie, den Nachwirkungen des russischen Einmarsches in die Ukraine und jüngeren geopolitischen Ereignissen wie dem „Liberation Day“ eine erhebliche Korrektur erfahren. Die Zinsen wurden angehoben, die Währungen abgewertet, die Positionen der Anleger reduziert und die politischen Entscheidungsträger haben ihre Glaubwürdigkeit wiederhergestellt.

Infolgedessen gehen die Schwellenländer heute mit höheren Carry-Erträgen, robusteren Außenbilanzen, wiederaufgebauten Währungsreserven und einer glaubwürdigeren Geldpolitik in diese Phase als bei früheren Energiekrisen. Diese stabilere Ausgangsbasis erklärt, warum der jüngste Anstieg der Ölpreise zwar zu Volatilität, aber nicht zu einer allgemeinen angespannten Lage auf den Finanzmärkten geführt hat.

Von der Disinflation bis zur Zentralbank-Reaktion

Das Jahr begann in einem günstigen Umfeld, geprägt von einem schwächeren US-Dollar, sinkenden Realrenditen in den USA und einer nach wie vor zurückhaltenden Anlegerpositionierung. Diese Kombination stützte sowohl die Devisenmärkte als auch Lokalwährungsanleihen, während Anleihen, die auf Hartwährung lauteten, von Carry-Strategien und sich verbessernden Kreditfundamentaldaten profitierten.

Dieses positive Umfeld wurde durch die Eskalation im Nahen Osten jäh unterbrochen. Die Marktreaktion verlief nach einem bekannten Muster: Die lokalen Zinskurven gaben stark nach, die kurzfristigen Zinssätze passten sich von Zinssenkungserwartungen hin zu erneuten Straffungserwartungen an, und die Währungen der Öl-importierenden Länder entwickelten sich schlechter als der Markt. An der Spitze dieser Entwicklung standen die Lokalwährungsanleihen, da sich der Fokus rasch von der Disinflation hin zu einem durch den Energie-Sektor bedingten Inflationsrisiko verlagerte. Der März erwies sich als schwierig: Schwellenländeranleihen in Hartwährung verzeichneten ihre schwächste Monatsperformance seit 2022, während die lokalen Märkte ihren stärksten Drawdown seit dem Covid-Schock erlebten.

Der Schock zeigte zudem deutliche Unterschiede innerhalb der Anlageklassen. Die Performance entwickelte sich je nach makroökonomischen Fundamentaldaten unterschiedlich: Ölexporteure schnitten besser ab als -importeure, Märkte mit hohen Realzinsen erwiesen sich als widerstandsfähiger, und die regionalen Unterschiede haben sich vergrößert. Lateinamerika und die CEEMEA-Region (Mittel- und Osteuropa, Naher Osten und Afrika) entwickelten sich besser als Asien, gestützt durch höhere Erträge aus der Carry-Strategie, günstigere Terms of Trade und in vielen Fällen glaubwürdigere politische Rahmenbedingungen, während sich Asien aufgrund geringerer Erträge aus der Carry-Strategie und einer größeren Anfälligkeit gegenüber dem Energieschock deutlich schlechter entwickelte.

Entscheidend war jedoch, was ausblieb: Weder kam es zu einem breiten Vertrauensverlust an den Märkten noch zu größeren Problemen bei Finanzierung, Währungen oder Schwellenländeranleihen. Im Vergleich zu früheren Energiekrisen reagierten die Märkte insgesamt deutlich stabiler.

Der April bestätigte diese Widerstandsfähigkeit. Als sich die geopolitischen Verwerfungen teilweise entspannten, erholten sich die Vermögenswerte aus Schwellenländern kräftig: Die Spreads bei Unternehmensanleihen gaben den Großteil ihrer Ausweitung wieder ab, und die lokalen Märkte erholten sich, da extreme Straffungsszenarien aus den Kursen ausgepreist wurden. Damit zählen die Schwellenländer, wie unten dargestellt, seit Jahresbeginn zu den Segmenten mit der besten Performance im globalen Anleihemarkt.