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Ölförderanlage: Die Märkte stehen nach Saudi-Arabiens überraschender Ankündigung, die Produktion zu erhöhen, unter Druck. | © imago images / Science Photo Library Foto: imago images / Science Photo Library

Ölpreisabsturz

Warum die Marktteilnehmer weiche Knie bekommen

Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International

Die Ölpreise sind stark unter Druck: Das Treffen der Allianz OPEC+ in Wien endete am Freitag, 6. März im Streit. Russland war nicht zu weiteren Produktionskürzungen bereit, weshalb Saudi-Arabien am Sonntag darauf ankündigte, den Markt mit Öl zu fluten. Das Königreich will seine Ölproduktion erhöhen und den offiziellen Verkaufspreis für Käufer in Asien, den USA und Europa senken. Saudi-Arabien hat dadurch effektiv einen Preiskrieg erklärt, um Russland zurück an den Verhandlungstisch zu holen.

Gleichzeitig breitet sich das Coronavirus in Europa, Nahost und Nordamerika immer weiter aus. Die Einrichtung regionaler Sperrzonen sowie Absagen und Stornierungen verschiedenster Art unterbrechen Reisepläne und Lieferketten. Das belastet die weltweite Nachfrage nach Öl – zusätzlich zur ohnehin schwächeren Nachfrage aus China.

Was billiges Öl für die Märkte bedeutet

Ein niedriger Ölpreis klingt wie ein Segen für viele Unternehmen, da ihre Kosten dadurch fallen. Doch der Schaden, den dieser gerade in der US-Wirtschaft anrichten kann, dürfte schwerer wiegen.

Ein dauerhaft niedriger Ölpreis birgt große Risiken für US-Energieunternehmen. Die Schieferölindustrie des Landes ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen und hat die USA von einem Ölimporteur zu einem Exporteur gemacht. Der Energiesektor hat am US-Markt für die relativ riskanten High-Yield-Anleihen heute ein Gewicht von 14 Prozent. Eine Pleitewelle würde die Kreditmärkte daher in große Schwierigkeiten bringen.

Der Renditeverfall bei zehnjährigen US-Treasuries auf weniger als 0,5 Prozent ist symptomatisch für die Reaktion der Anleihemärkte. Die starke Konvergenz der Renditen in den USA und Europa sowie der recht schwache US-Dollar lassen vermuten, dass die US-Notenbank Fed bei ihrer nächsten Sitzung am 18. März weitere drastische Maßnahmen einleiten dürfte.

Auch andere Regionen, die stark vom Öl- und Gasexport abhängen, sind gefährdet. Nicht nur Iran und Venezuela geraten bei einem Ölpreis von 30 US-Dollar in große finanzielle Not. Auch die Haushalte von Saudi-Arabien und Russland gehen dann nicht mehr auf. Unseren internen Berechnungen nach basiert deren Haushaltsplanung auf einem Ölpreis von 50 US-Dollar. Lediglich für den Netto-Ölimporteur China könnte der Preisverfall Vorteile haben.

Zentralbanken bleibt kaum noch Spielraum

Ausgehend von den Kreditmärkten breiten sich die Sorgen über die gesamten Kapitalmärkte aus. Die Inflation sinkt dadurch weiter und macht es den Zentralbanken noch schwerer, auf eine Krise zu reagieren. Helikoptergeld, also die Auszahlung von frisch gedrucktem Geld an Staaten oder Bürger, rückt damit vielleicht auch im Westen näher, um Konsum und Inflation anzuheizen. Weitere fiskalische Maßnahmen der Staaten werden sicherlich folgen.

Der Einbruch der Ölpreise ist somit der erste Dominostein, der in den kommenden Wochen noch weitere zum Fallen bringen könnte. Ob eine Einigung der OPEC-Mitglieder beziehungsweise fiskalische oder geldpolitische Maßnahmen dem Kursrutsch Einhalt gebieten können, muss sich erst noch zeigen. Klar ist in jedem Fall: Das Coronavirus wird die Märkte noch eine ganze Weile verunsichern.

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