Im April verkündete Washington an einem einzigen Tag Zölle, die die Märkte weltweit durchschüttelten. Der sogenannte „Liberation Day“ sollte zum Wendepunkt werden: Binnen weniger Monate schnellte der US-Zollsatz auf Warenimporte von 2,5 auf 14 Prozent – der steilste Anstieg in der modernen Handelsgeschichte. 

Die Handelsbeschränkungen treffen mittlerweile 16,8 Prozent der weltweiten Importe – 2009 waren es nur 0,6 Prozent. Während Ökonomen in den USA über Rezessionsrisiken debattierten, kletterte der Dax um 19 Prozent. Und während alle Welt von KI-Hype und Tech-Giganten sprach, schossen ausgerechnet griechische Bankaktien durch die Decke.
Das Börsenjahr 2025 war eines der Kontraste. Südkorea stieg um 61 Prozent, Griechenland um 52 Prozent. Saudi-Arabien und die Türkei verloren zweistellig.

Indien, jahrelang der Liebling unter den Schwellenländern, sackte um 8 Prozent ab. 
Die OECD beschreibt die globale Wirtschaftslage in ihrem Economic Outlook vom Dezember 2025 als „widerstandsfähig, aber zunehmend fragil“. Das weltweite BIP-Wachstum soll von 3,2 Prozent in 2025 auf 2,9 Prozent in 2026 zurückgehen, bevor es sich 2027 auf 3,1 Prozent erholt. Die höheren Zölle werden sich nach Einschätzung der Organisation erst im Laufe des Jahres 2026 vollständig entfalten.

Die Frage für 2026: Bleiben die Gewinner von 2025 vorne? Oder wendet sich das Blatt? Wir haben vier Märkte unter die Lupe genommen – zwei Aufsteiger, zwei Absteiger – und Fondsmanager gefragt, was jetzt kommt.

Griechenland: Vom Sorgenkind zum Börsenliebling

Über 52 Prozent plus. Für ein Land, das vor wenigen Jahren noch als Inbegriff der Eurokrise galt, ist das mehr als eine Überraschung. Es ist eine Rehabilitation. Der Grund liegt nicht in Athens Straßen, sondern in den Bilanzen. Bankaktien führten 2025 in Europa die Gewinnerliste mit weitem Abstand an – und Griechenlands Börse besteht zu einem ungewöhnlich großen Teil aus genau diesen Banken. „Der griechische Aktienmarkt hat mit seiner extrem hohen Gewichtung von Banken im Index massiv von dieser Entwicklung profitiert“, sagt Joachim Schallmayer von der Dekabank.

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Hinzu kam die Rückkehr zum Investment-Grade-Status. Norbert Hagen von der ICM Investmentbank fasst die treibenden Kräfte zusammen: „Die Kapitalmarktentwicklung in Griechenland wurde in 2025 vor allem von dem wirtschaftlichen Aufschwung mit starkem BIP- und Investitionswachstum sowie der Wiederherstellung der Kreditwürdigkeit getrieben.“ Geringere Risikoprämien, günstigere Finanzierungskonditionen, ein positiver Rating-Trend – ein perfekter Cocktail. Allerdings trübten politische Turbulenzen das Bild. Ein Agrarsubventionsskandal kostete mehrere Minister ihre Posten und setzte Premierminister Kyriakos Mitsotakis unter Druck.

Gleichzeitig rüstet Griechenland militärisch auf, das Verteidigungsprogramm „Achilles Shield“ verstärkt die Präsenz im östlichen Mittelmeer. Was bedeutet das für 2026? Die OECD rechnet mit einem BIP-Wachstum von 2,2 Prozent, getragen von EU-Investitionsmitteln. Die Staatsverschuldung soll von 161,9 Prozent des BIP auf 150,6 Prozent bis 2027 sinken. Schallmayer warnt jedoch: „Die positiven Treiber dürften Bestand haben. Allerdings ist mit einer deutlich niedrigeren Kursdynamik zu rechnen.“

Ortay Gelen von Axia Asset Management wird konkreter: „Langfristig besteht Potenzial – allerdings nur, wenn der Reformpfad konsequent weitergeht. Steigende Bewertungen erhöhen die Sensitivität für Rückschläge.“  Mit anderen Worten: Griechenlands Erfolgsstory der vergangenen Monate kann weitergehen – aber nur mit Disziplin und realistischen Erwartungen.

Österreich: Nachholeffekt oder nachhaltiger Aufschwung?

44 Prozent plus – die Alpenrepublik überraschte 2025 mit einem Comeback, das viele nicht auf dem Zettel hatten. Nach Jahren schwacher Konjunktur kehrte die Dynamik zurück. Aber bleibt sie?

Der Trick liegt in der internationalen Ausrichtung. Österreichische Unternehmen agieren global und hängen weniger von der schwächelnden Binnenkonjunktur ab. „Die Unternehmen in Österreich sind international tätig und somit vom globalen Wachstumsausblick und weniger von der österreichischen Binnenkonjunktur abhängig“, erklärt Schallmayer. „Die Weltwirtschaft schätzen wir für 2026 stabil wachsend ein, sodass die Grundlage für ein solides Gewinnwachstum der global ausgerichteten Unternehmen aus Österreich weiter gegeben ist.“

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Die Erholung zyklischer Sektoren half, einzelne Unternehmen glänzten mit positiven Entwicklungen. Gelen sieht darin „sowohl einen Nachholeffekt als auch strukturelle Elemente“. Das Problem: Die OECD prognostiziert nur 0,9 Prozent BIP-Wachstum für 2026. Die Inflation soll bis Ende 2027 auf etwa 2 Prozent zurückgehen, aber neue US-Zölle auf EU-Waren könnten indirekt treffen. Österreich ist stark in europäische Wertschöpfungsketten eingebunden – regionale Verflechtungen bedeuten auch regionale Verwundbarkeit.

Hagen nennt einen möglichen Joker: „Österreich könnte wirtschaftlich profitieren, falls sich Inflation und Zinsen beruhigen. Das würde Unternehmen, Konsum und Kapitalmärkte unterstützen. Hinzu käme als Joker ein Ende des Kriegs in der Ukraine.“
Gelen formuliert das Dilemma präzise: „Ob daraus ein nachhaltiger Trend entsteht, hängt jedoch von der Industrie- und Exportdynamik ab. Die Abhängigkeit von der konjunkturellen Lage in der Eurozone ist ein Risikofaktor.“ Die Unternehmen sind global aufgestellt – aber die Konjunktur bleibt europäisch. War 2025 ein Wendepunkt? Oder nur eine temporäre Überreaktion?

Türkei: Zwischen Normalisierung und Unsicherheit

Minus 14 Prozent. Die Türkei enttäuschte 2025 erneut – trotz geldpolitischer Normalisierungsversuche, trotz niedriger Bewertungen. Für Euro-Anleger wird es besonders bitter: Die Währungsschwankungen fressen oft mehr, als die Aktien gewinnen könnten.

Sebastian Kahlfeld, Aktienfondsmanager, bringt es auf den Punkt: „Die Entwicklung der Inflation und damit die Entwicklung des Leitzinses sind auch 2025 die mitentscheidenden Treiber des türkischen Aktienmarkts gewesen.“ Politische Entwicklungen verschärfen die Lage – sie „haben in der Historie der Türkei häufig zu Verwerfungen geführt“ und bleiben „ein dauerhafter Grund der Besorgnis für lokale wie auch internationale Investoren“.

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Schallmayer wird eindringlich: „Der Aktienmarkt bleibt 2026 von hoher politischer Unsicherheit geprägt. Der Markt eignet sich ausschließlich für Anleger mit einer extrem hohen Risikotragfähigkeit. Anleger sollten vor allem die Währungsbewegung im Blick behalten. Die Ausschläge suchen ihresgleichen und sind ein dominanter und nur sehr schwer zu kalkulierender Faktor für Euro-Anleger.“

Gibt es Hoffnungsschimmer? Ein Friedensschluss im Ukraine-Krieg und der Wiederaufbau Syriens könnten türkischen Unternehmen zugutekommen. US-Zinssenkungen und ein stabiler Ölpreis „würden für die Türkei einen starken wirtschaftlichen Rückenwind darstellen“, so Kahlfeld. Das große Aber: „Eine Abschwächung der Inflation und infolgedessen Zinssenkungen der Zentralbank sind eine Erwartung der Märkte, die seit Längerem enttäuscht wird.“

Die OECD rechnet für 2026 mit einem Wachstum von 3,4 Prozent. Die Inflation lag im Oktober bei 32,9 Prozent und soll auf einen Jahresdurchschnitt von 20,8 Prozent in 2026 sinken – immer noch extrem hoch. Gelen fasst nüchtern zusammen: „Die Türkei bleibt ein Markt mit deutlichem Potenzial, aber ebenso deutlichen strukturellen Risiken. Kurzfristig locken niedrige Bewertungen, doch mittelfristig bleibt das Chance-Risiko-Profil asymmetrisch.“ Für die meisten Anleger keine Option.

Indien: Korrektur mit Ansage oder verpasste Chance?

Minus 8 Prozent – und plötzlich war der Glanz weg. Der „Must-own-Markt“ unter den Schwellenländern verlor 2025 seinen Status. War es Enttäuschung? Oder eine überfällige Korrektur?

Die Zahlen sprechen für sich. Von 2020 bis 2024 weitete sich die Bewertung von 15-fachem auf über 20-faches Kurs-Gewinn-Verhältnis aus. 2025 setzte sich das. Lilian Haag, Aktienfondsmanagerin, erklärt: „Die Gewinnerwartungen für den Markt lagen Anfang 2025 viel zu hoch und mussten nach unten angepasst werden.“ Das größere Problem aber war thematisch. Während Südkorea und Taiwan vom KI-Boom profitierten, hatte Indien das Nachsehen. „Indien hat kein starkes Thema. Das heißt, dass das Land beispielsweise nicht über so viele Unternehmen im Bereich KI verfügt wie Südkorea oder Taiwan“, sagt Haag.

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Das Marktgewicht im MSCI EM fiel von 20 auf 15 Prozent. Geld floss ab – in Richtung China und Korea. Für 2026 keimt Hoffnung. Haag sieht mehrere Katalysatoren: „Das Wirtschaftswachstum sollte sich von dem 'soft patch' 2025 dank der Mehrwertsteuersenkung und einer Renaissance der produzierenden Industrie wieder erholen. Auf Basis der derzeit realistischeren Gewinnschätzungen und der etwas moderateren Bewertungsprämie gegenüber anderen Emerging Markets kann sich der Markt von hier aus erholen.“

Die OECD rechnet mit einem robusten BIP-Wachstum von 6,7 Prozent im Fiskaljahr 2025/26, auch wenn höhere US-Zölle das Exportwachstum dämpfen. Christian Steiner von der Bayerischen Vermögens Management hebt die Stabilität hervor: „Die makroökonomischen Rahmenbedingungen sind selten so stabil gewesen: niedrige Inflation, starker Konsum, robuste Unternehmensgewinne.“ Nach deutlichen Kapitalabflüssen 2024/25 sieht er „nun klare Zuflüsse – ein Zeichen wachsender internationaler Zuversicht“.

Haag macht eine interessante Rechnung auf: „Wenn sich das KI-Thema abschwächt, bietet Indien als breiter domestischer Markt mit wenig KI-Exposure eine interessante Alternative für Investoren.“ Gelen ordnet ein: 2025 war eine „gesunde Realitätspause nach mehreren Rekordjahren“. Langfristig bleibt der Markt attraktiv – aber Anleger sollten selektiver vorgehen und stärker auf Cashflows und Margen achten.

Die neue Börsenlogik

Vier Märkte, vier Geschichten. Griechenland profitierte von seiner Bankenlastigkeit – aber die niedrig hängenden Früchte sind gepflückt. Österreichs Unternehmen denken global, leiden aber europäisch. Die Türkei lockt mit Bewertungen, schreckt mit Risiken ab. Und Indien korrigiert sich gesund, könnte aber zur Alternative werden, wenn der KI-Hype nachlässt.

Was bedeutet das für 2026? Die alte Regel „Gewinner bleiben Gewinner“ funktioniert nicht mehr. Gelen bringt es auf den Punkt: „Das Jahr 2026 dürfte stärker differenzieren als 2025. Chancen ergeben sich dort, wo Reformprozesse fortgeführt werden, solide Haushalte bestehen und die Unternehmensgewinne breit getragen sind.“