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Österreich: Sammelklagen gegen AWD zulässig

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Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) und AWD Österreich streiten bereits seit längerem. Die Swiss-Life-Tochter AWD wird beschuldigt, die Aktien der Gesellschaften Immofinanz und Immoeast als Alternative zu sicheren Bankprodukten wie Sparbücher oder Bausparverträge angeboten zu haben.

Beide empfohlenen Aktiengesellschaften stehen im Zentrum eines umfangreichen Wirtschaftskandals, der bis in höchste Wirtschaftskreise reicht. Der AWD hatte eine systematische Fehlberatung von Anlegern stets bestritten und bestand darauf, alle Fälle einzeln klären zu wollen.

2.500 Anleger als Sammelkläger


Das Gericht will die Vorwürfe der „systematischen Fehlberatung“ von Immofinanz-Anlegern durch AWD-Berater nun inhaltlich prüfen. Der Sammelklagen-Aktion des VKI – im Auftrag des österreichischen Konsumentenschutzministeriums und mit Unterstützung des deutschen Prozessfinanzierers Foris AG – haben sich 2.500 Anleger mit einem Gesamtschaden von rund 30 Millionen Euro angeschlossen.

Da keine außergerichtliche Einigung zustande kam, klagten die Konsumentenschützer, um eine Verjährung zu vermeiden. Bisher brachte der VKI zwei Sammelklagen im Namen von insgesamt 270 AWD-Kunden und mit einem geschätzten Schaden von vier Millionen Euro ein. Nun bestätigte das Handelsgericht Wien die Zulässigkeit dieser Klagen.

Zweitgrößtes Zivilverfahren Österreichs


Ein Prozess gegen AWD wäre das zweitgrößte Zivilverfahren der Alpenrepublik. „Der AWD soll nun rasch auf den Einwand der Verjährung der bislang nicht eingeklagten Ansprüche verzichten“, forderte Peter Kolba, Leiter des Rechtsbereichs des VKI. „Dann können wir die Vorwürfe mit dieser ersten Sammelklage exemplarisch prüfen und im Lichte einer Musterentscheidung eine außergerichtliche Lösung anstreben.“

Eine Sammelklage sei prozessökonomischer und kostengünstiger, betonte der Konsumentenverein. Mit Sammelklagen werden die Ansprüche der mutmaßlich Geschädigten an den VKI abgetreten. Sollten man vor Gericht obsiegen, erhalten die Kläger laut VKI in der Regel einen Anteil von 70 bis 80 Prozent.

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