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Kein Bond für ewig Österreichs 100-jährige Anleihe erleidet schwere Verluste

Pfänderbahn mit Blick auf den Bregenzer Bodensee
Pfänderbahn mit Blick auf den Bregenzer Bodensee: Für Österreichs Marathon-Anleihe geht es momentan bergab. | Foto: imago images / imagebroker

Im Jahr 1918 wurde die Erste Österreichische Republik ausgerufen. Im Vorfeld des 100-jährigen Bestehens machte sich die Alpenrepublik selbst ein Geschenk: 2017 begab sie eine 100-jährige Staatsanleihe – die erste dieser Art in der Eurozone.

Die lange Laufzeit sorgte unter Experten für Erstaunen. Denn die Investoren werden den Zeitpunkt der Rückzahlung wohl nicht mehr miterleben. Viele schien das aber nicht zu interessieren. Zum Zeitpunkt der Auflage war die Nachfrage riesig. Die Risiken, die das Papier mit sich bringt, wurden ausgeblendet. Der Zinskupon von 2,1 Prozent mag im Niedrigzinsumfeld hoch gewirkt haben. Aber ist er das angesichts der Laufzeit von 100 Jahren wirklich?

Besitzer langlaufender Staatsanleihen gehören zu den Profiteuren sinkender Zinsen. Denn Gewinne können bei Anleihen nicht nur aus dem jährlichen Zins, sondern auch durch Kurssteigerungen erwirtschaftet werden. Sinkt der Zins, werden ältere, höher verzinste Anleihen am Markt attraktiver.

Wie hoch die Kurse dabei steigen können, zeigte die 100-jährige Österreich-Anleihe. Da das 2017 ausgegebene Papier vielfach überzeichnet war, gab es rasch Neuauflagen – allerdings zu ungünstigeren Konditionen: Im Jahr 2018 lag die Verzinsung bei nur noch 1,17 Prozent. Bei der nächsten Tranche im Jahr 2020 waren es nur noch 0,85 Prozent. Die älteste Tranche hatte somit einen Zinsvorteil von 1,25 Prozentpunkten gegenüber den neu aufgelegten Anleihen. Das hatte bei ihr einen massiven Kursanstieg zur Folge. Anleger konnten zwischenzeitlich ihr Investment fast verdoppeln. Damit stellte die Anleihe selbst viele Aktien in den Schatten.

Doch nun zerlegt der Zinsanstieg die Marathon-Anleihe. Seit die Marktzinsen an den Bondmärkten im Dezember vergangenen Jahres nach oben geschossen sind, hat sich der Kurs des Papiers halbiert. Langlaufende Anleihen leiden besonders stark unter dem Ausverkauf an den Zinsmärkten. Die 100-Jährige entpuppt sich als hochriskantes Papier. Fest steht nur eines: Dass die Staatsanleihe zum Kurs von 100 Prozent zurückgezahlt wird – in 95 Jahren.

Quelle Fondsdaten: FWW 2022

Privatanleger können mit ETFs auf einfache Weise in Anleihen investieren. Aber auch hier ist Vorsicht angesagt. Die Zinswende drückt auf die Kurse. Einer der volumenstärksten Fonds ist der iShares Euro Government Bond 15-30yr. Der ETF bündelt europäische Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen 15 und 30 Jahren. Die durchschnittliche Laufzeit beträgt 22 Jahre. Der zugrunde liegende Index umfasst 36 Investment-Grade-Anleihen aus Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland und den Niederlanden. Im laufenden Jahr hat der ETF bereits 20 Prozent an Wert verloren.

„Seit Jahren wundern sich Marktteilnehmer, warum die Nachfrage nach solchen Anlagen bis zuletzt erstaunlich hoch war. Denn ein gutes Geschäft sind sie offenbar nicht. Ziehen Anleger zusätzlich die Geldentwertung in Betracht, dann müssen Sie in zehn Jahren mit einem Kaufkraftverlust von knapp 22 Prozent rechnen, sofern es der europäischen Notenbank gelingt, eine dauerhafte Inflation von zwei Prozent pro Jahr herbeizuführen“, schreibt Christoph Bruns, Fondsmanager bei Loys in seiner aktuellen Kolumne.

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