Keine leichte Zeit für die Betreiber offener Immobilienfonds: Im Februar verzeichnete das lange Zeit sehr beliebte Fondssegment erneut Abflüsse. Diese summieren sich auf mittlerweile rund 1,2 Milliarden Euro. Ins Netto-Minus rutschten die Fonds bereits im vergangenen August. Seitdem haben die Abflüsse an Fahrt aufgenommen. Laut Darstellung des Analyseunternehmens Barkow Consulting, das sich auf Daten der Bundesbank beruft, sind allein im Februar 430 Millionen Euro aus den hierzulande handelbaren Fondsvehikeln abgeflossen, die Zuflüsse bereits gegengerechnet.

Grafik: Abflüsse aus offenen Immobilienfonds
Grafik: Abflüsse aus offenen Immobilienfonds © Barkow Consulting

Das Volumen der reinen Anteilsrückgaben hat bereits im Januar einen neuen Rekord gesehen: Mit 680 Millionen Euro erreichte es den höchsten Stand seit August 2017. 

Es sind mehrere Trends, die offenen Immobilienfonds aktuell das Leben schwer machen. Zum einen bewirken die gestiegenen Zinsen, dass Anleger sich wieder für klassische Zinsinvestments interessieren. In Nullzinszeiten waren dagegen Immobilienfonds zu einer beliebten Alternative für stabilitätsorientierte Anleger geworden. Zum anderen sorgen die wieder teureren Kredite und ebenso die gestiegenen Baukosten dafür, dass Investoren höhere Kosten zu schultern haben. Ohne dass sie dafür gleichzeitig etwa durch höhere Mieteinnahmen entschädigt würden. Denn vor allem Büroimmobilien - beliebte Zielinvestments offener Immobilienfonds - sind durch den Trend zum Homeoffice weniger gefragt. Viele Objekte genügen zudem nicht mehr modernen Energiestandards, was sie auf dem Immobilienmarkt weniger wertvoll macht.

Als erster offener Immobilienfonds hat im vergangenen Jahr der Leading Cities Invest von Kanam Grund eine Kurskorrektur erfahren. Sein Anteilspreis brach im Zuge einer Neubewertung der enthaltenen Immobilien um rund 11 Prozent ein.  

Anteilsrückgaben spiegeln vergangene Entwicklungen 

Die Abflüsse aus offenen Immobilienfonds sind insgesamt jedoch vor allem ein Spiegelbild der Vergangenheit. Denn seit 2013 können Anleger Fondsanteile, die sie seither gekauft haben, nur mit zwölfmonatiger Vorankündigung wieder verkaufen. Das soll sicherstellen, dass die Fonds, die aufgrund ihrer illiquideren Investments schwerfälliger navigieren als etwa ein Blue-Chip-Aktienfonds, nicht in Zahlungsnöte geraten, wenn viele Anleger gleichzeitig Anteile zurückgeben wollen. Wer also heute Fondsanteile zurückgibt, hat das bereits ein Jahr zuvor angemeldet. 

Zwar lassen sich die Anteile offener Immobilienfonds auch an der Börse handeln, sie können dort börsentäglich ge- und verkauft werden. Es ist bislang jedoch nur ein verschwindend geringes Volumen, das dort den Besitzer wechselt. Das Gros der Anteile fließt weiter direkt durch die Hände der Emittenten. 

Zwölf Monate Verzögerung bedeuten auch: Angesichts der schwierigen Lage, die Immobilienfonds im vergangenen Jahr und bis heute durchleben, könnten sich die Abflüsse aus dem Segment noch eine Weile fortsetzen. Denn namhafte Zuflüsse verzeichnen die Vehikel aktuell ebenfalls nicht.