Offene Immobilienfonds verzeichneten im November vergangenen Jahres zum 16. Mal in Folge Nettomittelabflüsse. Das zeigt eine Auswertung des Analysehauses Barkow Consulting. Anleger zogen demnach 571 Millionen Euro ab, im Vormonat waren die Abflüsse mit 688 Millionen Euro noch höher gewesen. Insgesamt sind seit August 2023 mehr als 6 Milliarden Euro aus entsprechenden Fonds abgeflossen.

Die Mittelrückflüsse, also die Rückgabe von Fondsanteilen, blieben mit 742 Millionen Euro im vergangenen November ebenfalls auf hohem Niveau. Mit 171 Millionen Euro lag der Fondsabsatz dagegen laut Barkow Consulting deutlich unter dem Niveau der Vormonate und nur knapp über dem Zehnjahrestief von 165 Millionen Euro im Mai 2024. Der Absatz dürfte „weiterhin vor allem auf Sparpläne und automatische Wiederanlagen zurückzuführen sein“, so die Analyse.

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Auch wenn sich die Abflüsse jüngst etwas verlangsamt haben, gehen die Experten von Barkow Consulting davon aus, dass auch für Dezember und Januar noch schlechte Zahlen gemeldet werden. Der Grund: Ende 2023, als prominente Insolvenzen in der Immobilienbranche die Schlagzeilen beherrschten, dürften viele Investoren ihre Fondsanteile gekündigt haben. In der Regel werden diese Kündigungen nach zwölf Monaten wirksam. Danach könnte es aber zu einem langsamen Abflauen der Mittelabflüsse kommen, so die Prognose von Barkow Consulting.

Allerdings reißt die öffentliche Kritik an offenen Immobilienfonds nicht ab. Jüngst veröffentliche die branchenkritische Bürgerbewegung Finanzwende ein Gutachten, das die Vorwürfe gegen die Fonds untermauert. Neben der Risikoeinstufung, die laut Verbraucherschützern zu gering ist, kritisiert Finanzwende auch die Bewertung der Immobilien sowie die Kosten der Fonds.

Risikoeinstufung von offenen Immobilienfonds wird nun vor Gericht verhandelt

Über die Risikoeinstufung offener Immobilienfonds wird nun auch vor Gericht gestritten. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat Klage gegen die Union-Investment-Tochter ZBI eingereicht. Der von dem Fondsanbieter verwaltete offenen Immobilienfonds Uniimmo Wohnen ZBI verlor durch eine Abwertung im Juni 2024 auf einen Schlag 17 Prozent seines Werts. Ein Urteil wird Ende Februar erwartet. Auch eine ehemalige Anlegerin zieht in der Sache vor Gericht. Sie klagt gegen die Volksbank Böblingen, die ihr den Fonds als besonders sicher verkauft hat.

 

Sonja Knorr, die sich als Analystin beim Ratinghaus Scope seit vielen Jahren mit offenen Immobilienfonds beschäftigt, empfiehlt Anlegern, die ihre Anteile zurückgeben wollen, die Vorteile und Nachteile in der aktuellen Marktphase genau abzuwägen. Trotz der noch immer schwierigen Situation habe sich der Immobilienmarkt beruhigt. Experten gehen davon aus, dass die Immobilienpreise nicht weiter sinken und auch die Käufe nehmen wieder zu, so die Expertin. Anleger, die nun die Kündigung einreichen, müssten zudem bedenken, dass sie nicht den derzeitigen, sondern den in einem Jahr geltenden Preis ihrer Anteile erhalten.

Ob Fonds ihre Immobilien in diesem Jahr abwerten müssen, hänge vor allem davon ab, wie viele Anleger aussteigen wollen. Die Abwertungen würden die Fonds aber nicht gleichermaßen betreffen. Knorr: „Anleger sollten deshalb nicht alle Produkte über einen Kamm scheren.“ Für Investoren gebe es nur wenige Möglichkeiten, mit überschaubaren Beträgen in Immobilien zu investieren – „die Fonds sind eine davon“. Für die Analystin eignen sich die Produkte trotz der momentanen Herausforderungen auch weiterhin als Baustein in einem diversifizierten Depot – „aber als Langfristinvestment und nicht als Tagesgeldersatz“, so Knorr.