Quelle: iStock

Quelle: iStock

Offene Immobilienfonds: Der Morgan-Stanley-Effekt

//
Die Abflüsse fielen durch die Bank höher aus als erwartet. Grund war der Morgan-Stanley-Effekt. Die Gesellschaft musste im Juli die Anteile des Immobilienfonds P2 Value (WKN A0F6G8) um satte 13,9 Prozent abwerten. Die Jahresperformance liegt bei minus 11,9 Prozent – so viel hat zuvor noch kein Immobilienfonds verloren. Auch wenn das Morgan-Stanley-Produkt nicht mit anderen offenen Immobilienfonds vergleichbar ist - kaum ein anderer Fonds hat so ein großes opportunistisches Handelsportfolio - sorgte die starke Abwertung bei privaten und institutionellen Investoren für Unruhe und bei den jüngst geöffneten Immobilienfonds für stärkere Abflüsse als geplant. Besonders hart hat es den CS Euroreal von Credit Suisse getroffen. Seit Öffnung Anfang Juli zogen Anleger knapp 70 Prozent der frei verfügbaren Liquidität ab. Den Großteil davon allerdings in den ersten Tagen nach der Öffnung; inzwischen hat sich die Lage beruhigt. Rund 400 Millionen Euro standen Ende Juli noch für weitere Rückgaben zur Verfügung, heißt es von der Fondsgesellschaft. Die Netto-Liquiditätsquote ist damit auf 6,5 Prozent geschrumpft – die gesetzlich vorgeschriebene Mindestliquidität ist hier allerdings schon abgezogen. Damit droht dem CS Euroreal bisher keine erneute Schließung, ein komfortables Liquiditätspolster sieht allerdings anders aus. Sollten Anleger im August noch einmal 400 Millionen Euro abziehen, ist die freie Liquidität aufgebraucht. Auch der Kanam Grundinvest, der seine Anleger seit dem 10. Juli wieder raus lässt, musste höhere Abflüsse hinnehmen als erwartet. 400 Millionen Euro weniger stehen für weitere Aussteiger zur Verfügung. „Damit bleiben wir immer noch zwischen den Leitplanken sicher auf der Straße“, sagt Kanam-Sprecher Michael Birnbaum. Die Abflüsse seien weitgehend vorüber und die Zuflüsse stiegen. „Wir sind weder im Best-Case-, noch im Worst-Case-Szenario. Derzeit fahren wir stabil in der Mitte“, so Birnbaum. Im Gegensatz zum CS Euroreal ist der Grundinvest etwas komfortabler ausgestattet: Die Netto-Liquiditätsquote beträgt 11,5 Prozent. Damit stehen rund 515 Millionen Euro für weitere Aussteiger zur Verfügung. Der SEB Immoinvest steht derzeit am besten da: Aus dem bereits seit Anfang Juni geöffneten Fonds zogen Anleger innerhalb von zwei Monaten 400 Millionen Euro ab. „Verkauft haben vor allem die Investoren, die im Oktober nicht mehr rechtzeitig rausgekommen sind“, sagt Fondsmanagerin Barbara Knoflach. Ohne den Morgan-Stanley-Effekt stünde aber auch der SEB Immoinvest besser da. Knoflach beobachtet ebenfalls seit rund einer Woche wieder steigende Zuflüsse. 700 Millionen Euro stehen dem Fonds zur freien Verfügung, um weitere Aussteiger zu bedienen. Das ist im Vergleich zum CS Euroreal und dem Kanam Grundinvest ein komfortables Polster. Im Herbst will Knoflach sogar schon wieder auf Einkaufstour gehen.

Mehr zum Thema
Crashtest Immobilienfonds: Liquidität an erster Stelle