Die Zeiten, in denen offene Immobilienfonds (OIF) als sichere Häfen galten, gehören der Vergangenheit an. Eine aktuelle Analyse von Scope zeigt: Die durchschnittliche Liquiditätsquote der 26 untersuchten Fonds sank 2024 auf 14,6 Prozent – ein Rückgang gegenüber den 15,1 Prozent des Vorjahres. Gleichzeitig stieg die Fremdkapitalquote von 16,4 auf 18,1 Prozent. Für Anleger und Fondsmanager wird die Lage zunehmend kritisch.

Die Liquiditätsquote – der Anteil liquider Mittel am Gesamtvermögen – ist für offene Immobilienfonds überlebenswichtig. Sie entscheidet darüber, ob ein Fonds Rückgabewünschen von Anlegern nachkommen kann oder die gefürchtete Aussetzung der Anteilsrücknahme droht.

Die aktuelle Entwicklung zeigt eine deutliche Spreizung: Während der Quadoro Sustainable Real Estate Europe Private mit mageren 5,5 Prozent am unteren Ende rangiert, hält der KGAL Immosubstanz mit 24,7 Prozent die Spitzenposition.

Die Gewinner gegen den Trend

Nur sechs der 26 untersuchten Fonds schafften es, ihre Liquiditätsquote zu erhöhen. Besonders bemerkenswert sind die Entwicklungen bei:

Diese Fonds haben offenbar rechtzeitig gegengesteuert und durch geschickte Objektverkäufe oder zurückhaltende Investitionspolitik ihre Liquiditätspuffer ausgebaut.

Die Sorgenkinder

Am anderen Ende des Spektrums stehen Fonds mit zum Teil dramatischen Liquiditätsverlusten:

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Trotz der starken Rückgänge weisen einige dieser Fonds noch immer überdurchschnittliche Liquiditätsquoten auf. Der UniInstitutional German Real Estate hingegen bewegt sich mit 7,9 Prozent in einem kritischen Bereich.

Hier die Liquiditätsquoten der 26 offenen Immobilienfonds im Überblick:

Fonds ISIN 2020 2023 2024 Änderung
Deka-ImmobilienEuropa DE0009809566 15,5% 15,3% 15,8% +0,5
Deka-ImmobilienGlobal DE0007483612 16,7% 24,4% 20,5% -3,9
Deka-ImmobilienMetropolen DE000DK0TWX8 38,3% 32,2% 21,0% -11,2
Deka-ImmobilienNordamerika DE000DK0LLA6 18,7% 16,9% 15,3% -1,6
FOKUS WOHNEN DEUTSCHLAND DE000A12BSB8 17,1% 12,2% 11,7% -0,5
grundbesitz europa DE0009807008 20,7% 11,9% 10,9% -1,0
grundbesitz Fokus Deutschland DE0009807081 21,1% 9,6% 9,5% -0,1
grundbesitz global DE0009807057 21,6% 12,7% 9,5% -3,2
Habona Nahversorgungsfonds DE000A2H9B00 24,6% 12,9% 9,5% -3,4
hausInvest DE0009807016 15,8% 12,9% 11,9% -1,0
KCD-Catella Nachhaltigkeit DE000A2DHR68 20,7% 19,9% 18,0% -2,0
KGAL immoSUBSTANZ DE000A2H9BS6 9,7% 31,6% 24,7% -6,9
LEADING CITIES INVEST DE0006791825 16,5% 11,5% 19,1% +7,6
Quadoro Sustainable RE DE000A2PFZU6 18,8% 4,7% 5,5% +0,8
REALISINVEST EUROPA DE000A2PE1X0 12,3% 18,4% 10,0% -8,4
Swiss Life REF European Living DE000A2PF2K4 33,4% 21,0% 16,0% -5,0
Swiss Life REF European RE DE000A2ATC31 18,3% 15,1% 12,3% -2,8
UBS Euroinvest Immobilien DE0009772616 26,6% 9,4% 7,2% -2,2
UniImmo: Deutschland DE0009805507 24,0% 18,0% 15,3% -2,7
UniImmo: Europa DE0009805515 14,5% 13,4% 16,3% +2,9
UniImmo: Global DE0009805556 22,9% 11,6% 17,7% +6,1
UniImmo: Wohnen ZBI DE000A2DMVS1 13,8% 11,7% 15,5% +3,8
UniInstitutional European RE DE0009805549 8,0% 11,7% 9,4% -2,3
UniInstitutional German RE DE000A1J16Q1 13,0% 17,0% 7,9% -9,1
Wertgrund WohnSelect D DE000A1CUAY0 12,2% 11,9% 7,7% -4,2
WestInvest InterSelect DE0009801423 13,2% 15,3% 15,1% -0,2

Änderung 2024 gegenüber 2023 in Prozentpunkten

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Die Deka erklärt zur Liquiditätsquote des Deka-ImmobilienMetropolen: "Richtig ist, dass der Fonds zu den wenigen Fonds gehört, die auch in der jetzigen Marktphase die Kraft haben, Ankäufe zu tätigen. Der Fonds verfügt weiterhin über Nettomittelzuflüsse und profitiert besonders von antizyklischen Ankäufen. Unsere Liquidität ist daher nicht gesunken, weil wir Abflüsse haben, sondern weil dies einer der ganz wenigen OIFs ist, der im Jahr 2024 Objekte angekauft hat. Dies ist der Grund, warum die Liquiditätsquote des DIM, wie von Scope ausgewiesen, gesunken ist."

Insgesamt habe der Fonds im Betrachtungszeitraum vier Ankäufe im Gesamtvolumen von mehr als 260 Millionen Euro getätigt. Im Einzelnen handele es sich um die Ankäufe Hotel „Ruby Zoe“  (London), das Büro- und Einzelhandelsensemble „My Little Nation” (Paris), das Bürohaus “Tervueren II” in Brüssel und das Objekt “Green Square Logistics” in Aalsmeer bei Amsterdam.

Die 30-Prozent-Grenze wird zur Fessel

Die gesetzliche Begrenzung der Fremdkapitalquote auf 30 Prozent des Fondsvermögens bei offenen Immobilienfonds in Deutschland ist eine regulatorische Maßnahme zum Anlegerschutz. Sie soll sicherstellen, dass diese Fonds in ihrer Struktur konservativ bleiben und in Krisenzeiten nicht in Liquiditätsprobleme geraten.

Die gesetzliche Begrenzung der Fremdkapitalquote auf 30 Prozent des Fondsvermögens erweist sich zunehmend als Damoklesschwert. Die Spanne unter den 26 betrachteten Fonds reicht von null Prozent (UniInstitutional German Real Estate) bis 29,9 Prozent Grundbesitz Fokus Deutschland).

Sieben Fonds haben diese Grenze bereits weitgehend ausgeschöpft (über 27 Prozent):

  1. Grundbesitz Fokus Deutschland: 29,9 Prozent
  2. Leading Cities Invest: 29,8 Prozent
  3. UniImmo: Global: 28,6 Prozent
  4. KGAL Immosubstanz: 28,5 Prozent
  5. KCD-Catella Nachhaltigkeit: 28,2 Prozent
  6. UBS (D) Euroinvest Immobilien: 27,8 Prozent
  7. Quadoro Sustainable Real Estate Europe Private: 27,1 Prozent

Hier die Fremdkapitalquoten der 26 offenen Immobilienfonds im Überblick:

Fonds ISIN 2020 2023 2024 Änderung
Deka-ImmobilienEuropa DE0009809566 14,5% 15,1% 16,0% +0,8
Deka-ImmobilienGlobal DE0007483612 21,0% 23,6% 25,8% +2,1
Deka-ImmobilienMetropolen DE000DK0TWX8 17,6% 24,9% 21,7% -3,2
Deka-ImmobilienNordamerika DE000DK0LLA6 21,8% 16,9% 15,3% -1,6
FOKUS WOHNEN DEUTSCHLAND DE000A12BSB8 31,3% 23,6% 26,7% +3,1
grundbesitz europa DE0009807008 15,8% 19,0% 23,8% +4,8
grundbesitz Fokus Deutschland DE0009807081 15,9% 22,2% 29,9% +7,7
grundbesitz global DE0009807057 21,7% 18,6% 23,5% +4,9
Habona Nahversorgungsfonds DE000A2H9B00 22,4% 19,9% 22,4% +2,5
hausInvest DE0009807016 15,8% 16,4% 19,1% +2,7
KCD-Catella Nachhaltigkeit DE000A2DHR68 27,7% 27,9% 28,2% +0,3
KGAL immoSUBSTANZ DE000A2H9BS6 29,8% 28,5% 28,5% 0,0
LEADING CITIES INVEST DE0006791825 25,8% 28,5% 29,8% +1,3
Quadoro Sustainable RE DE000A2PFZU6 32,6% 26,6% 27,1% +0,5
REALISINVEST EUROPA DE000A2PE1X0 25,3% 21,4% 24,4% +3,0
Swiss Life REF European Living DE000A2PF2K4 16,0% 18,2% 18,0% -0,2
Swiss Life REF European RE DE000A2ATC31 14,1% 22,4% 24,5% +2,1
UBS Euroinvest Immobilien DE0009772616 29,7% 28,0% 27,8% -0,2
UniImmo: Deutschland DE0009805507 2,5% 3,6% 4,4% +0,8
UniImmo: Europa DE0009805515 15,6% 15,7% 15,9% +0,2
UniImmo: Global DE0009805556 22,0% 25,1% 28,6% +3,4
UniImmo: Wohnen ZBI DE000A2DMVS1 25,1% 23,5% 24,5% +1,0
UniInstitutional European RE DE0009805549 6,9% 10,2% 15,2% +4,9
UniInstitutional German RE DE000A1J16Q1 0,0% 0,0% 0,0% 0,0
Wertgrund WohnSelect D DE000A1CUAY0 12,2% 21,0% 21,5% +0,5
WestInvest InterSelect DE0009801423 18,6% 20,0% 21,2% +1,3

Änderung 2024 gegenüber 2023 in Prozentpunkten

Das Dilemma der Fondsmanager

Die Kombination aus sinkenden Immobilienwerten und der gesetzlichen Kreditobergrenze führt zu Spannungen. Wenn Immobilienwerte fallen, steigt automatisch die relative Fremdkapitalquote – selbst ohne neue Kreditaufnahme. Gleichzeitig müssen die Fonds bei Objektverkäufen die damit verbundenen Kredite zurückführen, was den dringend benötigten Liquiditätszufluss schmälert.

Fremdkapitalquote offener Immobilienfonds (volumengew. Durchschnitt)
Fremdkapitalquote offener Immobilienfonds (volumengew. Durchschnitt) © Anbieter, eigene Berechnungen, Stand: jeweils 31.12.

„Die für Immobilieninvestments moderate Fremdfinanzierungsquote sichert einerseits die Stabilität“, analysiert Scope. „Auf der anderen Seite wird die Flexibilität der Fonds beschnitten, weil der Handlungsspielraum dadurch sehr eng ist.“

Drei Hauptfaktoren setzen die Branche unter Druck:

  1. Attraktive Alternativanlagen: Das gestiegene Zinsniveau macht Anleihen, Fest- und Tagesgeld zu ernsthaften Konkurrenten
  2. Imageprobleme: Schwierigkeiten einzelner Fonds, insbesondere das Gerichtsurteil zum UniImmo: Wohnen ZBI bezüglich der Risikoklassifizierung, verunsichern Anleger
  3. Immobilienmarktschwäche: Die Abkühlung der Immobilienmärkte erschwert profitable Verkäufe
 

Durststrecke ohne Ende?

Die Prognosen für 2025 bleiben verhalten. Scope erwartet, dass die Liquiditätsquoten „auf diesem Niveau bleiben beziehungsweise weiter leicht sinken“ werden. Die Fremdkapitalquoten dürften hingegen nicht deutlich steigen – schlicht, weil viele Fonds bereits am gesetzlichen Limit operieren. Die Rückgaben dürften laut Scope „auf einem hohen Niveau verharren“, während gleichzeitig kaum neue Mittel zufließen. Die Unsicherheit über die Risikoklassifizierung offener Immobilienfonds hemmt den Vertrieb erheblich.

Die starren regulatorischen Rahmenbedingungen, konzipiert für stabile Marktphasen, erweisen sich in volatilen Zeiten als kontraproduktiv. Eine Diskussion über Reformen – etwa flexiblere Fremdkapitalobergrenzen oder erweiterte Liquiditätspuffer – wird unausweichlich.  

Für Investoren gilt es, genau hinzuschauen. Fonds mit Liquiditätsquoten unter 10 Prozent und gleichzeitig hoher Fremdkapitalquote bergen erhöhte Risiken. Positiv zu bewerten sind hingegen Fonds, die trotz des schwierigen Umfelds ihre Liquidität ausbauen konnten.