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Präsidentschaftskandidaten Elizabeth Warren und Bernie Sanders (r.) mit Moderator: Die Demokratin will Unternehmenssteuern erhöhen und voraussichtlich auch privates Kapital ins Visier nehmen.  | © Getty Images Foto: Getty Images

Offener Ausgang der US-Wahl

US-Finanzmarkt am Scheideweg

Andrew McCaffery, Global Chief Investment Officer, Alternatives and Solutions

US-Firmen teilen den Optimismus der Verbraucher nicht

In den USA sind die Konsumenten trotz Rezession im Industriesektor weiter in Kauflaune. US-Unternehmen blicken hingegen weniger optimistisch in die Zukunft (Grafik 1). In jüngster Zeit haben sie in großem Stil Anleihen emittiert, um Aktien zurückzukaufen, während ihre Umsätze inflationsbereinigt kaum gewachsen sind. Nun schwindet, außer in einigen wenigen Branchen (wie Technologie), die Bereitschaft, sich noch höher zu verschulden. Möglicherweise werden die US-Unternehmen ihre Emissionstätigkeit sogar zurückfahren und Liquidität vom Markt nehmen. Das könnte auf Unternehmensebene die Bilanzen stärken, an den Finanzmärkten aber zu einem Liquiditätsengpass führen, durch den die Lage für hoch verschuldete Unternehmen noch prekärer wird.

US-Unternehmen sind weniger zuversichtlich als Konsumenten:

Bereits im Jahr 2019 ist das Emissionsvolumen besicherter spekulativer Kredite (Leveraged Loans) deutlich geschrumpft. Zudem floss viel Kapital in neue Unternehmen mit disruptiven Geschäftsmodellen, selbst wenn diese vielfach bislang noch gar nicht bewiesen haben, dass sie hohe Gewinne generieren können. Diese Verschiebung bei der Nachfrage belastete zuletzt den Markt für Neuemissionen etablierter Unternehmen. Nun könnte 2020 die Bereitschaft der Unternehmen, sich frisches Kapital zu beschaffen, einen zusätzlichen Dämpfer erhalten. Wenn aber die Emissionen weiter zurückgehen, wird die Angst vor steigenden Ausfallraten und vor einer Rezession vom Hochzins- auf das Investment-Grade-Universum überschwappen und die Renditeunterschiede untergraben.

Von US-Wahlen ausgehende Unsicherheit könnte Vertrauen zusätzlich dämpfen

Die US-Notenbank Federal Reserve wird vermutlich an ihrer lockeren Politik festhalten. Aber auch sie kann den Zyklus nicht endlos verlängern. In diesem Umfeld könnte die Angst vor Steuererhöhungen und stärkerer Regulierung nach den Wahlen dazu führen, dass Unternehmen ihr Barvermögen erhöhen. Das große Risiko besteht für Anleger folglich darin, dass die Demokraten Elizabeth Warren zur Präsidentschaftskandidatin küren und die Märkte wegen der schlechteren Liquiditätsbedingungen auf Talfahrt gehen. Die Demokratin will Unternehmenssteuern erhöhen und wird voraussichtlich auch privates Kapital ins Visier nehmen.

2019 haben die Konsumenten eine Rezession in den USA verhindert. Inzwischen mehren sich die Anzeichen dafür, dass die Beschäftigung bald ihren Zenit erreicht. Die Zahl neuer Stellen war bereits 2019 rückläufig und wird 2020 möglicherweise weiter schrumpfen. Wenn Verbraucher und Unternehmen auch noch Steuererhöhungen fürchten, könnte das der Konsumneigung einen deutlichen Dämpfer versetzen.

2019 wurden in den USA deutlich weniger neue Stellen geschaffen:

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