Offener Brief: Carmignac schimpft auf Trichet

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In seinem offenen Schreiben an EZB-Chef Jean-Claude Trichet lässt Frankreichs Top-Fondsmanager Edouard Carmignac gehörig Dampf ab. „Machen Sie’s gut. Sie werden ganz sicher nicht vermisst werden“, meint er gleich zu Beginn. Anschließend beschuldigt er Trichet, die Krise 2008 unterschätzt und damit ihren Einfluss noch verschärft zu haben. Den Euro habe Trichet mit unüberlegten Zinserhöhungen gefährdet, die schwachen Länder nicht ausreichend unterstützt.

Bei seinem letzten Treffen als EZB-Chef könne Jean-Claude Trichet immerhin noch eine positive Note hinterlassen, rät Carmignac. Zwei Dinge seien nötig: Den Leitzins sofort auf Null zu setzen und zu erklären, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen problematischer Euroländer aufzukaufen.

Die dadurch geschaffene Geldmenge werde trotzdem keine Inflation auslösen, sondern nur deflationäre Kräfte etwas dämmen. Die entstünden durch den weltweiten Schuldenabbau (Deleveraging).

Hintergrund: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet verlässt sein Amt am 31. Oktober nach acht Jahren. Anfang April und Juli setzte er den Leitzins in der Eurozone um jeweils 0,25 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent herauf. Kritiker bemängeln, dass er damit den hoch verschuldeten Euroländern das Leben noch schwerer machte. Trichet hielt gegen, dass Inflation drohte und es seine Hauptaufgabe sei, sie zu bekämpfen.

Der Krawallbrief:

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