Dachfonds-Chefin Manuela Thies

Dachfonds-Chefin von AGI

„Ohne Risikomanagement ist alles nichts“

DAS INVESTMENT: Niedrigzins, jahrelange Börsen-Hausse und die Dominanz von Growth-Titeln – langweilig war es in den vergangenen fünf Jahren an den Finanzmärkten nicht. Was hat sich für Sie im Fonds-Research geändert?

Manuela Thies: Zwei Aspekte sind neu in der Fondsselektion hinzugekommen. Als Erstes sind da die relevanten Bewertungskriterien zu nennen. Anders als früher spielen heute Nachhaltigkeitsaspekte eine zentrale Rolle. Wir integrieren bereits seit längerem ESG-Analysen umfassend in unseren Prozess der Manager-Selektion und berücksichtigen mehr und mehr Fonds in unseren Portfolios, die mit klaren Ausschluss- und Nachhaltigkeitskriterien arbeiten oder solche mit Impact-Ansätzen.

Lassen Sie uns raten: Der andere Aspekt sind Themenfonds.

Thies: Grundsätzlich haben einige Fondskategorien im Vergleich zu vor fünf Jahren an Bedeutung gewonnen. Und ja, darunter vor allem thematische Investments. Diese unterscheiden sich von traditionellen Sektorfonds, indem sie häufig die klassischen Branchen-Strukturen durchbrechen und Wertpapiere aus verschiedenen Sektoren wählen, die aber alle auf eine bestimmte langfristige Entwicklung innerhalb eines Megatrends setzen. Hier sind Themen wie Robotics, Künstliche Intelligenz, Digital Health und Smart Energy zu nennen. Diese haben die Performance unserer Produkte, etwa die Mischfonds Premium-Stars Wachstum und Chance, in den vergangenen Monaten bemerkenswert unterstützt.

ETFs setzen seit Jahren die Gebühren von aktiven Fonds unter Druck. Was darf ein Zielfonds heutzutage noch kosten?

Thies: Die Kosten der Zielfonds spielen bei der Gesamtbewertung eines Investments schon seit jeher eine bedeutende Rolle. Wir prüfen für jedes Investment, welches das günstigste Instrument zur Umsetzung ist. Dabei profitieren unsere Kunden von der Größe und Marktposition unseres Hauses: Wir können günstige Konditionen aushandeln und somit Gebühren bei den Zielfonds sparen. Grundsätzlich sind wir von den Möglichkeiten eines aktiven Managements, einen Mehrertrag zu erzielen, überzeugt. Lassen unsere Analysen aber für ein bestimmtes Anlagesegment kein positives Alpha nach Kosten erwarten, greifen wir aus Effizienzgründen auch auf passive Instrumente wie Indexderivate oder passive Fonds zurück.

Was macht der ETF-Boom sonst noch mit aktiven Managern?

Thies: Der Preisdruck und Konkurrenzkampf sorgt in etablierten Anlagesegmenten für eine gewisse Differenzierung: passive Produkte auf der einen Seite, aktive und eher Benchmark-agnostische Ansätze auf der anderen Seite. Das Feld dazwischen dürfte sich zunehmend ausdünnen.

Quelle: Morningstar

Die Geldschwemme der Notenbanken hat die Mechanik der Kapitalmärkte verändert. Kann man die Dynamik der Risiken und Korrelationen managen?

Thies: Das Risikomanagement ist auf allen Ebenen unseres Prozesses erfolgskritisch: Von der Due Diligence der Zielfonds über die Portfoliokonstruktion bis hin zu regelgebundenen Overlay-Strategien – überall ist Risikomanagement drin. Die jeweilige Vorgehensweise unterscheidet sich dabei aber in Abhängigkeit vom Strategieschwerpunkt. Was das Thema Korrelationen betrifft, so berücksichtigen wir bei der Portfoliokonstruktion die Korrelationen der Anlageklassen zueinander, aber auch das Verhalten von Portfoliobausteinen in Stressphasen, die Downside Correlations.

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