Die Maß Bier kostet mittlerweile bis zu 15,80 Euro, aber für viele Finanzprofis ist das Oktoberfest trotz der gestiegenen Preise eine lohnende Investition. Denn zwischen Blasmusik und Brezn werden nicht nur Kontakte gepflegt – manchmal entstehen hier auch die besten neuen Geschäftsbeziehungen.

Damit der Wiesn-Besuch zum Erfolg und nicht zum Karriere-Stolperstein wird, sollten Investment-Profis allerdings einige Regeln beachten. Einige davon hat das Finanzjob-Portal „E financial careers“ in einem kleinen Oktoberfest-Knigge zusammengestellt.

Maß-voll: Die goldene Trink-Regel

Die wichtigste Kunst auf der Wiesn ist das richtige Maß beim Maßtrinken. Der Münchner Personalberater Raphael Rosenfeld von Argos Advisors hält den goldenen Mittelweg für optimal, um ins Gespräch zu kommen. „Man trinkt ein, zwei Maß und unterhält sich über private und geschäftliche Themen. Es geht nicht um die Anbahnung von Neugeschäft. Man lädt Leute ein, mit denen man ohnehin Geschäfte macht. Zu fortgeschrittener Stunde ist man dann schnell beim Du, dann fällt später auch die Zusammenarbeit auf geschäftlicher Ebene leichter.“

Allerdings sollte man seine Grenzen kennen und nicht übermütig werden. Denn: Wer zu tief ins Glas schaue, riskiere hingegen schnell seinen guten Ruf. Gegenüber der „Wirtschaftswoche“ rät Rosenfeld Wiesn-Besucher deshalb dazu, das Oktoberfestbier nicht zu unterschätzen. Dieses habe ein paar Umdrehungen mehr als normales Bier. Der erfahrene Headhunter hat aus diesem Grund seine ganz persönliche mathematische Formel für das richtige Maß entwickelt: Sobald er die Quadratzahlen bis 20 nicht mehr im Kopf rechnen kann, ist Schluss mit dem Biertrinken.

Durchaus praktisch – schließlich sollte man sich am nächsten Tag noch an seine neuen Geschäftskontakte erinnern.

Dresscode: Anzug ade

Vergessen Sie den Banker-Anzug! Auf der Wiesn gelten andere Gesetze. Laut Personalberater Manuel Rehwald von Rehwald Associates, tragen mittlerweile rund 90 Prozent der Finanzprofis Tracht. Selbst die Kollegen aus Frankfurt hätten inzwischen Lederhosen im Schrank, sagt Rehwald, der lange in München tätig war, gegenüber dem Finanzjob-Portal.

Dabei muss es nicht gleich die Hirschlederne für über 1.000 Euro sein – die Lederhose aus dem Discounter tue es in den meisten Fällen aus. Und wem Tracht zu viel ist, der komme aber auch mit Jeans und Hemd gut durch den Abend, versichern die Experten. Insgesamt sei weniger mehr und Sneaker zur Tracht oder Touri-Outfits gerade beim bayerischen Publikum nicht gerne gesehen.

Strategische Zelt-Wahl

Nicht alle Festzelte sind gleich. Während in manchen die Musik so laut dröhnt, dass an Gespräche kaum zu denken ist, bieten andere ruhigere Ecken für den geschäftlichen Austausch. Personalberater Rosenfeld empfiehlt Tische auf den oft ruhigeren Emporen – hier lasse sich leichter netzwerken als im Getümmel unten.

Die Tisch-Tanz-Falle

Spätestens wenn alle auf den Bänken stehen und schunkeln, wird es heikel. Während das Mittanzen auf den Bänken gegebenenfalls noch in Ordnung sei, sollten Finanzprofis vom Tanz auf den Tischen absehen. Zum einen sehen das die Bedienungen nicht gerne. Zum anderen sei die Branche recht klein, warnt Headhunter Rehwald. „Man muss immer im Hinterkopf behalten, dass man dort auf viele Bekannte und potenzielle Kunden trifft.“

Vorsicht vor falschen Prinzen

Karrierecoach Gunnar Belden von der Maturias Personalberatung warnt gegenüber „E financial careers“ auch vor dem „Maskenball-Effekt“: In Lederhose und Dirndl sei nicht immer erkennbar, wer wirklich vor einem sitzt. Der vermeintliche Maurer am Nebentisch könnte ein Dax-Vorstand sein – oder umgekehrt. Diese Verwechslungsgefahr mache das Oktoberfest zwar spannend, erfordere aber auch Fingerspitzengefühl.

Business ja, aber mit Bedacht

Dieses gilt auch beim Anbahnen von Geschäftsbeziehungen. Denn: Das Oktoberfest ist keine Vertriebsveranstaltung, betont Rosenfeld. Es gehe darum, bestehende Geschäftsbeziehungen zu vertiefen und auf einer persönlicheren Ebene ins Gespräch zu kommen. Wer zu aufdringlich Geschäfte anbahnen wolle, falle hingegen negativ auf. Der lockere Rahmen führe oft dazu, dass man sich duzt – das erleichtere später die Zusammenarbeit erheblich.