Olaf-Johannes Eick

Olaf-Johannes Eick

Olaf-Johannes Eick: „Wir haben uns im Guten getrennt“

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DAS INVESTMENT.com: Herr Eick, im neuen Jahr werden Sie drei Fonds weniger betreuen. Die Fondsinitatoren trennen sich von Ihnen. Was gab den Ausschlag für diese Entscheidungen?

Olaf-Johannes Eick: Im Fall des Triple-P-Fonds haben wir schon längere Zeit dazu Gespräche geführt. Der Initiator hat eine Vermögensverwaltung an das eigene Haus angeschlossen die bereits langjährig Portfolioverwaltung betreibt, und es war klar, dass diese dann auch das Mandat für den Fonds bekommt. Auch bei den beiden anderen Gesellschaften haben firmeninterne Entscheidungen zur Trennung geführt. Wir haben uns im Guten getrennt.

DAS INVESTMENT.com: Wurde Ihnen gekündigt?

Eick: Nein. Das wäre so kurzfristig nicht möglich gewesen. Die Trennung ist der eher kurzfristigen Wahrnehmung der Investoren geschuldet. Beide Seiten sind dann zu der Erkenntnis gekommen, dass man nicht mehr zusammenarbeiten sollte, und es besser ist, wenn man sich trennt. Ich bin nicht böse über das Ende der Zusammenarbeit. Wir haben in der Vergangenheit Fehler gemacht, die künftig nicht mehr vorkommen können. Und gerade deshalb ist es wichtig, unsere Leistungen langfristig zu bewerten. Wir stehen mit der Performance der Fonds deutlich vor konventionellen Produkten der Wettbewerber.
 
DAS INVESTMENT.com: Etwas angefressen sind Sie schon?

Eick: Nein, das täuscht. Aber ich bin gerne offen. Die Häuser der Initiatoren waren zumindest überregional nahezu unbekannt und sehr klein. Die Fonds sind auch durch unsere Leistung 2003-2009 bekannt geworden. Wir haben unsere Fehler sehr offensiv kommuniziert und die Reaktion eines Unternehmens war, dass man Fehler, die man macht, nicht zugeben sollte. Das hat mich sehr überrascht. Aber Menschen sind auch nur Menschen.

DAS INVESTMENT.com: Besonderes 2009 konnten ihre Fonds nicht von der Erholungsrally profitieren und verharrten in einer endlosen Passivistätsschleife. Mathematische Prozesse bestimmen den Investitionsprozess der Fonds. Wo lag der Systemfehler?

Eick: Wir hatten es mit einem mathematischen Phänomen zu tun.  Die Systeme habe ein Gedächtnis entwickelt. Das gilt in der theoretischen Mathematik eigentlich als ausgeschlossen.

DAS INVESTMENT.com: Mathematik lebt?

Eick: So könnte man es sagen. Ich habe ein Beispiel aus der Fertigungsindustrie, das macht unser Problem deutlich. Dort sind Minicomputer für die Fertigung z.B. von Kronkorken zuständig. Die überwachen etwa die Wölbung des Bleches oder den Durchmesser der Korken nach einem festgelegten Algorithmus. Alles, was sich innerhalb einer gewissen Toleranzbreite bewegt, geht durch. Doch dem war nicht immer so. Die Systeme haben Überschreitungen der Toleranz gespeichert. Traten dann Ereignisse ein, denen in der Vergangenheit eine Verletzung der Toleranz folgte, entschieden die Computer auf Produktionsstopp. So war es auch bei unserem Programm. Die Signale des Marktes wurden wahrgenommen, aber die Entscheidung zu handeln blieb aus, weil die Ereignisse ex post betrachtet zu einer Verletzung der Toleranz geführt haben.
 
DAS INVESTMENT.com: Wie haben Sie reagiert?

Eick: Wir haben, vereinfacht gesagt, das Gedächtnis rausgeschnitten. So kann es nicht mehr zu Entscheidungen kommen, die auf Ereignissen der Vergangenheit beruhen.

DAS INVESTMENT.com: Können Sie im Nachhinein froh sein, dass die Passivität nicht in einem massiv fallenden Marktumfeld eingetreten ist? Die Systeme hätten sich stets gegen einen Verkauf entschieden.

Eick: Das wäre in der Tat das schlimmste Szenario gewesen.

DAS INVESTMENT.com: Haben Sie mal analysiert, wie viel die Fonds gestiegen wäre, wenn Sie den Systemfehler sofort erkannt hätten?

Eick: Es wäre ein zweistelliges Ergebnis gewesen. Für unsere Anleger tut mir das wahnsinnig leid. 

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