Oppenheimer Developing Markets Fund

Der beste Schwellenmarktfonds auf Fünf-Jahres-Sicht

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Justin Leverenz hat die Invasion auf der Krim-Halbinsel im Februar genutzt, um seine Bestände an russische Aktien aufzustocken - beispielsweise mit OAO Magnit. Auf ein baldiges Ende des Konflikts setzte er nicht; ihm ging es vielmehr darum, billig einzusteigen und auf den langfristigen Ausblick des Einzelhändlers zu wetten.

Die Identifizierung starker Geschäftsmodelle und Investments während Kursrückgängen haben dem 43,5 Milliarden Dollar schweren Oppenheimer Developing Markets Fund unter den Schwellenmarktfonds, die Aktien aller Größenordnungen kaufen, den ersten Platz für die vergangenen fünf Jahre eingebracht.

Der Oppenheimer-Fonds wies unter 21 Wettbewerbern den höchsten absoluten Ertrag und eine unterdurchschnittliche Volatilität auf, wie das Bloomberg Riskless Return Ranking zeigt. Berücksichtigt wurden dabei nur Fonds mit einem Anlagevolumen von mindestens 100 Mio. Dollar.

Leverenz findet und hält Unternehmen, die er selbst als “außergewöhnlich” bezeichnet - mit dem Potenzial, Branchen zu verändern oder Marktanteile von den Konkurrenten zu gewinnen. Da solche Unternehmen meist zu hohen Kursen gehandelt werden, wartet er manchmal schlechte Nachrichten ab, die den Kurs auf ein attraktiveres Niveau drücken.

“Wenn man einen starken absoluten Ertrag erzielen will, muss man Willens sein, sich Kontroversen zu Eigen zu machen”, sagt Leverenz telefonisch gegenüber Bloomberg News aus seinem Büro in Lower Manhattan.

Die Magnit-Aktie brach in den zwei Monaten nach dem militärischen Eingreifen Russlands in die Ukraine am 28. Februar um 24 Prozent ein. Seither hat sich der Kurs aber wieder erholt und ist über das Niveau vor der Invasion gestiegen.

Die Aktien des Unternehmens, das Leverenz den “Wal-Mart von Russland” nennt, hat er schon seit 2008 im Portfolio. Damals erkannte er das Potenzial des Discounters, Marktanteile zu gewinnen. Tatsächlich hat sich der Kurs der Magnit-Aktie in den vergangenen sechs Jahren verachtfacht. Die Kursdelle infolge der Ukraine-Krise nutze er lediglich zur Aufstockung der Position.

“Der Fonds findet interessante Gelegenheiten und hält lange an ihnen fest”, sagt Karin Anderson, Analystin von Morningstar. Die Umschlagshäufigkeit in dem Fonds beläuft sich den Daten von Morningstar zufolge auf 29 Prozent, verglichen mit durchschnittlich 67 Prozent bei den Konkurrenten.

Das gilt auch für Tencent Holdings Ltd., Asiens größte Internetfirma. Als Leverenz hier 2007 einstieg, gab es zwar jede Menge leidenschaftlicher und engagierter Online-User, aber keinen klaren Pfad, wie das zu einem profitablen Unternehmen werden könnte. Das störte Leverenz jedoch nicht.

“Man muss eine extreme Vorstellungskraft haben”, sagt er. “Ich bin ein Anhänger des Glaubens, dass es auf das Wesentliche ankommt. Ich bin nicht der Typ, der ins Detail geht.”

Tencent aus Shenzhen in China sei seither zu einem starken Wettbewerber bei Onlinespielen geworden und habe auch Potenzial in den Bereichen mobiler Kurznachrichten und Online-Zahlungen, so Leverenz. Die Tencent-Aktie ist seit Aufnahme in den Fonds im Mai 2007 um das 18-fache gestiegen.

Mit solchen Strategien hat der Oppenheimer Developing Markets über fünf Jahre bis Dienstag vergangener Woche risikobereinigt 5 Prozent zugelegt, zeigen Daten von Bloomberg. Die Volatilität betrug 17,6, verglichen mit 19,5 in der Gruppe vergleichbarer Fonds.

Auf dem zweiten Platz findet sich der 10,7 Milliarden Dollar schwere Aberdeen Emerging Markets Fund, der den zweithöchsten absoluten Ertrag aufwies und bei den Preisschwankungen den drittniedrigsten Wert vorweisen konnte. Darauf folgte der kleinere Harding Loevner Institutional Emerging Markets Portfolio mit dem vierthöchsten absoluten Ertrag und unterdurchschnittlicher Volatilität.

Bloomberg berechnet den risikogewichteten Ertrag, indem der Gesamtertrag durch die Volatilität - also das Ausmaß der täglichen Kursschwankungen - geteilt wird. Eine höhere Volatilität legt den Schluss nahe, dass es in kürzerer Zeit zu stärkeren Kursschwankungen kommen kann. Das erhöht letztlich das Risiko von Verlusten.

Der 46-jährige Leverenz führt den Oppenheimer-Fonds seit 2007. Er schlug den MSCI Emerging Market Index 2008 während der globalen Finanzkrise, als Schwellenlandaktien einschließlich reinvestierter Dividenden 53 Prozent einbüßten, und 2009, als sich die Aktien im Zuge einer Konjunkturerholung um 79 Prozent verteuerten, und in jedem einzelnen Jahr danach auch.

Bei der Fondsverwaltung helfen dem Manager Analysten, doch die wesentlichen Investmententscheidungen trifft er selbst. Die Hälfte seiner Zeit ist Leverenz unterwegs, meistens bereitet er sich in seinem Hotel auf Treffen mit Führungskräften der Unternehmen in seinem Portfolio vor. E-Mails oder Voice-Mail checkt er kaum, weil ihn das von seiner Arbeit ablenkt.

“Das ist eine Ein-Mann-Show”, sagt Leverenz. “Dieser Fonds ist mein Leben.”

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