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Optimisten-Bonus

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Schutz nach unten, eine ordentliche Rendite, wenn sich an den Märkten nichts tut, und ziehen die Börsenkurse an, sind Bonuszertifikate auch mit dabei. Kein Wunder, dass die Papiere zu den beliebtesten Zertifikaten deutscher Anleger gehören. Mehr als ein Drittel aller börsengehandelten Anlagezertifikate sind Bonus-Produkte. Die Kombination aus Sicherheit und Rendite ist so ganz nach dem Geschmack der Anleger.

Besser als Direktinvestments

Kürzlich haben Société Générale und die Hypovereinsbank (HVB) eine neue Generation von Bonuszertifikaten auf den Markt gebracht: Plus- (Société Générale) und Smart-Bonuszertifikate (HVB) setzen mit variablen Bonusschwellen und Bonusausschüttungen da an, wo herkömmliche Produkte ausgereizt sind. Eine Jedermann-Anlage sind die Smart- und Plus-Lösungen jedoch nicht.

Klassische Bonuszertifikate bieten einen großen Mehrwert gegenüber einem Direktinvestment, wenn sich nichts oder sehr wenig an den Märkten tut oder wenn es zu moderaten Korrekturen kommt. Sie haben eine Sicherheitsschwelle, die unter dem Ausgabewert liegt, und eine Bonusschwelle, die sich darüber befindet. Am Ende der Laufzeit wird mindestens der Gegenwert der Bonusschwelle gezahlt, wenn die untere Barriere nie berührt wurde. Steigt der Basiswert über das Bonusniveau, zieht das Zertifikat voll mit. Bei Capped-Bonuszertifikaten hingegen ist an der oberen Schwelle Schluss. Gemeinsamkeit beider Typen: Wird die untere Schwelle gerissen, entfällt der Bonus, und Anleger partizipieren an der Entwicklung des Basiswerts. Und: Auf Dividenden müssen Anleger bei Bonuszertifikaten grundsätzlich verzichten.

Bei Vollgasfahrten des Basiswerts fahren Anleger daher mit Bonuszertifikaten schlechter als mit einem Direktinvestment. Hier setzen die neuen Produkte an. Société Générale hat das Tempolimit gegenüber dem Basiswert aufgehoben: Plus-Bonuszertifikate ermöglichen Anlegern eine vollständige Partizipation am Basiswert. Statt der Dividende gibt es zum Laufzeitende eine Bonuszahlung obendrauf. „Bei stark steigenden Kursen haben Zertifikateanleger daher einen Vorteil gegenüber einem Direktinvestment“, erklärt Sebastian Bleser, Zertifikate-Experte bei Société Générale. Krisenbedingt sind  von anfänglich 30 Plus-Bonuspapieren noch 25 im Angebot. Im Chaos der vergangenen Wochen haben Papiere auf Dax-Unternehmen die Sicherheitsschwelle gerissen. Alle übrigen laufen noch bis zum 19. Juni 2009, sodass Anleger bei Beachtung der Spekulationsfrist von der Abgeltungssteuer verschont bleiben.

Das Beispiel des Plus-Bonuszertifikats auf die Allianz-Aktie (SG0 MFW) veranschaulicht die Funktionsweise dieser Zertifikate: Die untere Bonusschwelle liegt bei 99,40 Euro, die in Aussicht stehende Bonuszahlung beträgt 13,20 Euro. Ausgehend vom Emissionspreis des Zertifikats von 138,93 Euro lag die Bonuschance bei 9,5 Prozent. Am Ende der Laufzeit wird das Zertifikat mit dem aktuellen Aktienkurs getilgt; ganz egal, ob die Barriere bei 99,40 Euro jemals berührt wurde. Notiert die Allianz-Aktie bis zum 19. Juni kommenden Jahres immer über 99,40 Euro, dann erhält der Anleger den Aktienkurs plus des Bonus von 13,20 Euro.

Nur für vorsichtige Optimisten

Für Investoren, die von einer Seitwärtsbewegung oder einer leichten Korrektur ausgehen, sind die Plus-Produkte nicht geeignet: Tut sich nichts, gibt es zwar den relativ attraktiven Bonus von 9,5 Prozent, die Absicherung nach unten liegt – ausgehend von den Emissionsdaten – aber auch nur bei 9,5 Prozent. Im Vergleich zu herkömmlichen Bonuszertifikaten und besonders gegenüber den Capped-Varianten ist das ein mageres Angebot. Die Papiere eignen sich nur für vorsichtige Optimisten, die eine klare Vorstellung über den Verlauf des Basiswerts haben.

Super-Bullen, die dem Basiswert eine exorbitante Wertentwicklung vorhersagen, sind mit gehebelten Outperformance-Zertifikaten schneller am Ziel. Die haben keinen Schutz, aber mächtige Turbos, die die Performance des Basiswerts um ein Vielfaches mitmachen. „Plus-Bonuszertifikate stehen vom Rendite-Risiko-Verhältnis zwischen konservativen Bonus- und spekulativen Out­-performance-Zertifikaten“, so Bleser.

Die neue Bonusvariante der Hypovereinsbank soll ebenfalls einen höheren Bonus als bei den herkömmlichen Papieren ermöglichen. Derzeit bietet die Bank ein Zertifikat dieser neuen Smart-Bauart an. Basiswert ist der Euro Stoxx 50 (HV5 VSC). Anders als bei den Klassikern gibt es beim „smarten“ HVB-Papier keine feste Sicherheitsschwelle.

Die Schwelle wird stattdessen, ähnlich wie ein Stoppkurs, an jedes neue Hoch des Basiswerts angepasst. Das Ganze funktioniert allerdings nur in eine Richtung. Bei fallenden Kursen schmilzt der Puffer dahin, weil eine einmal nachgezogene Schwelle nicht wieder nach unten angepasst wird. Im ungünstigen Fall eines steilen Anstiegs des Basiswerts mit anschließender Korrektur ist der vermeintlich hohe Puffer schnell dahin. „Smart-Bonuszertifikate sind für Optimis­ten, die nicht auf ein gewisses Maß an Sicherheit verzichten wollen“, sagt Birgit Lutzenberger von der Hypovereinsbank. Sehr viel attraktiver als bei der herkömmlichen Variante sind die Konditionen jedoch nicht.

Kursschwankungen fressen Puffer

So müssen Anleger bei einem klassischen Bonuszertifikat mit einer Laufzeit von ebenfalls 3,5 Jahren aktuell auf lediglich 2 Prozentpunkte Puffer verzichten, um einen vergleichbar attraktiven Bonus in Aussicht zu haben. Und schnell kann sich die Wahl einer fixen Schwelle bezahlt machen: Ein Bonuszertifikat mit einer unteren Schwelle von 2.196  Punkten bietet beim aktuellen  Euro-Stoxx-50-Stand (28. Februar 2008) von 3.836 Punkten einen Puffer von 43 Prozent. Dafür gibt es einen Bonus von 39,8 Prozent. Das Smart-Bonuszertifikat bietet aktuell 44,8 Prozent Puffer und einen Bonus von 40 Prozent.

Ein Index-Höhenflug um 25 Prozent auf 4.795 Punkte und eine anschließende Korrektur auf den heutigen Stand reicht aus, um die Absicherung unattraktiver zu machen als beim klassischen Bonus-Papier. Dort steigt der Puffer auf 54 Prozent und fällt dann wieder auf 43 Prozent. Beim Smart Bonus hingegen liegt er nach dem Rückfall nicht mehr bei 44,8, sondern nur noch bei 37 Prozent. Extreme Kursschwankungen wirken sich besonders ungünstig auf den Puffer aus.

Malte Dreher

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