Christin Jahns

ETF der Woche Osteuropa lockt: Reiseziele mit vielversprechender Rendite

Mit dem ETF der Woche in Polen, Tschechien und Ungarn investieren
Mit dem ETF der Woche in Polen, Tschechien und Ungarn investieren: Dank seiner starken Wirtschaft ist Osteuropa nicht nur als Reiseziel interessant.
© Jessica Hunold und Christin Jahns mit Canva

Ein Städtetrip nach Prag oder Budapest, Wandern in Montenegro, Strandurlaub in Albanien: Osteuropa boomt. Während viele Touristen früher vor allem von niedrigen Preisen gelockt wurden, wissen inzwischen immer mehr von ihnen die atemberaubende Landschaft und die reiche Kultur Osteuropas zu schätzen.

Doch Osteuropa kann nicht nur Tourismus, sondern hat wirtschaftlich auch sonst so einiges zu bieten. Denn während der deutsche Handel mit der Ukraine, Russland und Belarus infolge des Kriegs 2022 rückläufig war, konnte das Geschäft mit vielen anderen Regionen nach Angaben des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft sogar ausgebaut werden.

Ein Grund hierfür: neue Kooperationschancen.

„Unternehmen wollen das China-Sourcing vermindern, Lieferketten verkürzen und richten sich mehr nach Europa aus“, sagt der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft Michael Harms. Dabei spielten die Länder Mittel- und Osteuropa eine zentrale Rolle. „Die Diversifizierung unserer Beschaffungs- und Absatzmärkte fängt eben nicht in Asien oder Lateinamerika, sondern direkt vor unserer Haustür im Osten an.“

Polen, Tschechien und Ungarn als größte osteuropäische Handelspartner

Insgesamt war der deutsche Außenhandel mit den 29 Partnerländern im Jahr 2022 um 12 Prozent höher als im Jahr 2021. Mit einem Umsatz von 168 Milliarden Euro war Polen vor Italien der fünftgrößte deutsche Handelspartner. Tschechien überholte Großbritannien und stieg damit in die Top 10 auf. Ungarn ließ Russland hinter sich und kletterte auf Platz 14.

 

„Die starke Verankerung der deutschen Wirtschaft in Mittel- und Osteuropa hat dazu beigetragen, dass wir 2022 trotz des Krieges und seiner Folgen ein Rekordergebnis im Osthandel verzeichnet haben“, sagt Harms. Dabei stiegen die Einfuhren mit 15 Prozent fast doppelt so stark wie die Ausfuhren (8 Prozent).

Lyxor MSCI Eastern Europe ex Russia ETF

Doch während Osteuropa-Reisen boomen, fristen osteuropäische Wertpapiere eher ein Schattendasein – trotz guter wirtschaftlicher Daten. So zählt etwa Polen zu den dynamischsten Volkswirtschaften innerhalb der Europäischen Union. Die Arbeitslosenquote ist mit 5 Prozent im Juni auf einem sehr niedrigen Niveau. Für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes sorgen zudem gut ausgebildete Arbeitskräfte, deren Löhne im europäischen Vergleich immer noch niedrig sind.

Das Bruttoinlandsprodukt Polens legte in den zurückliegenden 25 Jahren im Schnitt um 4 Prozent pro Jahr zu, auch wenn es sich im vergangenen Jahr in Folge des Krieges abgeschwächt hat. Der Internationale Währungsfonds rechnet aber spätestens für das Jahr 2024 mit einer Konjunkturbelebung. Dann soll die Wirtschaft mit rund drei Prozent Wachstum wieder an Fahrt gewinnen.

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Die guten Daten spiegeln sich auch in den Performancezahlen des ETFs für die Region, dem Lyxor MSCI Eastern Europe ex Russia Ucits ETF wider, der im laufenden Jahr 25,5 Prozent zulegen konnte. Der ETF zählt zu den wenigen Anlagelösungen, die speziell auf Osteuropa setzen. Mit dem börsengehandelten Indexfonds investierst du konkret in den MSCI EM Eastern Europe ex Russia Net Total Return Index. Der Index enthält Wertpapiere aus Polen (67,4 Prozent), Ungarn (18,4 Prozent) und Tschechien (14,3 Prozent).

 

Quelle Fondsdaten: FWW 2024
  • Performance laufendes Jahr: 25,5 Prozent
  • Performance 1 Jahr: 28,9 Prozent
  • Performance 3 Jahre: 28 Prozent (8,6 Prozent p.a.)
  • Sektor: Aktienfonds All Cap Osteuropa (ex Russland)
  • ISIN: LU1900066462
  • ETF-Management: Raphael Dieterlen, Sebastien Foy
  • Auflegungsdatum: 14. März 2019
  • Fondsvolumen: 149,42 Millionen Euro
  • Volatilität 3 Jahre: 27,8 Prozent
  • Maximum Drawdown: 44,1 Prozent
  • Laufende Kosten: 0,5 Prozent

Der ETF bildet den Index indirekt über sogenannte Swaps nach. Am stärksten sind die Sektoren Finanzen (41,7 Prozent), Energie (16,8 Prozent) und gewerbliche Dienstleistungen (11,6 Prozent) gewichtet.

Die Top-Holdings im Lyxor-ETF

  • Die größte Holding im ETF ist mit 12,4 Prozent PKN Orlen. Das polnische Unternehmen ist einer der größten Ölraffinerie- und Energiekonzerne in Europa. Sein Name „PKN Orlen“ steht für „Polski Koncern Naftowy Orlen“ und bedeutet auf Deutsch „Polnischer Erdöl-Konzern Orlen“. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Warschau und wurde 1999 durch die Fusion von zwei großen polnischen Unternehmen im Energie- und Raffineriebereich gegründet. Seitdem ist PKN Orlen in verschiedenen Geschäftsfeldern tätig und betreibt unter anderem ein Netzwerk von Tankstellen in Polen und anderen Ländern, insbesondere in den östlichen Teilen Europas.
  • Auch auf Platz zwei der Top-Holdings liegt mit der CEZ Group ein Energieunternehmen. Der tschechische Konzern kommt auf 9,7 Prozent des ETF-Volumens und gehört zu den größten Stromerzeugern und -verteilern in Mitteleuropa. „ČEZ“ steht dabei für „České energetické závody“, was auf Deutsch „Tschechische Energiefabriken“ bedeutet. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Prag und ist in verschiedenen Bereichen der Energiebranche tätig, darunter die Erzeugung, Übertragung und Verteilung von Strom und Wärme oder der Handel mit Energieprodukten und -dienstleistungen. CEZ betreibt eine breite Palette von Kraftwerken, einschließlich Kohlekraftwerken, Kernkraftwerken, Wasserkraftwerken, Windkraftanlagen und Photovoltaikanlagen. Besonders bekannt ist das Kernkraftwerk Temelín, das zu den größten Kernkraftwerken in Europa zählt.
  • Die drittgrößte Position im ETF ist OTP Bank mit 9,4 Prozent. Die OTP Bank Group ist eine bedeutende ungarische Finanzinstitution mit einem breiten Spektrum an Finanzdienstleistungen. „OTP“ steht für „Országos Takarékpénztár és Kereskedelmi Bank“, was auf Deutsch so viel bedeutet wie „Nationale Sparkasse und Handelsbank“. Die Gruppe hat ihren Hauptsitz in Budapest, Ungarn, und ist in verschiedenen Ländern Mittel- und Osteuropas aktiv. Die Bank ist bekannt für ihr starkes Engagement im Einzelhandelsbanking. Sie bedient Millionen von Privat- und Geschäftskunden und bietet Dienstleistungen wie Konten, Kredite, Karten, Sparprodukte und Hypotheken an.

Osteuropa-ETF: Risiken und Chancen

Der Blick auf die Wirtschafts- und Performancedaten zeigt: In Osteuropa winken für Anleger derzeit hohe Renditechancen.

Dafür müsstest du als potenzieller Investor allerdings auch bereit sein, gewisse Ungleichgewichte in Kauf zu nehmen. Denn: Unternehmen aus kleineren osteuropäischen Ländern sind im ETF nicht vertreten. Der Fokus auf Polen, Tschechien und Ungarn lässt sich zwar damit erklären, dass ein einzelnes börsennotiertes Unternehmen eine angemessene Marktkapitalisierung aufweisen muss, um in einen Osteuropa-Index aufgenommen zu werden. Gut für die Diversifikation ist die starke Konzentration trotzdem nicht.

 

Auch bei den Branchen herrscht eine gewisse Einseitigkeit vor: Energie und Finanzen dominieren klar. In gewissen Marktphasen kann das durchaus von Vorteil sein. Der Nachteil ist allerdings, dass es genauso schnell auch mal in die andere Richtung gehen kann. Aufgrund seiner Schwankungsanfälligkeit sollte der Osteuropa-ETF daher nur als Beimischung für das Depot genutzt werden.

Alternativen zum Lyxor-ETF

Alternativ bieten sich aktiv gemanagte Osteuropafonds an, bei denen Fondsmanager die Möglichkeit haben, vom Index abzuweichen. So investiert beispielsweise der Schroder Emerging Europe auch in Länder wie Griechenland, Rumänien oder die Türkei.

Anlegern, denen ein solches Investment trotzdem zu riskant ist, können stattdessen auch über einen breiten Schwellenländer-ETF an den Chancen in Osteuropa teilhaben.

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