Owl Creek Asset Management vs. Nykredit Realkredit

„Es ist kein gutes Geschäft, gegen Dänemark zu spekulieren“

Die größten Banken auf dem rund 400 Milliarden Euro schweren dänischen Hypothekenmarkt prognostizieren jenen Hedgefonds, die gegen Branche und Land wetten, dass sie Verluste erleiden werden.

Laut des größten europäischen Emittenten von mit Hypotheken unterlegten Pfandbriefen (Covered Bonds), Nykredit Realkredit, ignorieren Spekulationen zu einer möglichen Schuldenkrise des „AAA“-Landes einige grundlegende Fakten. Hypothekenanleihe-Auktionen - die in der vergangene Woche begonnen haben und bei denen Renditen auf nahezu rekordniedrigem Niveau verzeichnet wurden - zeigen nach Auffassung der Bank, dass die meisten Investoren diese Einschätzung teilen.

„Die Fonds können spekulieren, was auch immer sie wollen“, sagte Soeren Holm, Finanzchef bei Nykredit, in einem Interview mit Bloomberg. „Aber ich glaube, es ist kein gutes Geschäft, gegen Dänemark zu spekulieren.“

Die Äußerungen folgen auf Berichte in diesem Monat, dass Owl Creek Asset Management, ein rund 3,2 Milliarden Dollar schwerer Hedgefonds aus New York, gegen dänische Staatsanleihen wettet und zudem Kreditausfallversicherungen auf die Danske Bank gekauft hat. Letztere ist die größte Bank des Landes und zudem Eigentümer des zweitgrößten Hypotheken-Kreditinstituts. Es ist nicht möglich, Versicherungen auf die nicht börsennotierte Nykredit zu kaufen, die größte Hypotheken-Bank Dänemarks.

Einem Bloomberg Ranking der Top-100-Hedgefonds mit Aktiva von mehr als 1 Milliarde Dollar zufolge ist Owl Creek Nummer Sechs. Der Fonds bescherte demnach seinen Investoren einen Ertrag von 38,1 Prozent in den ersten zehn Monaten 2013.

Dänische Haushalte sind mit 321 Prozent des verfügbaren Einkommens verschuldet - ein Weltrekord, der nach Meinung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ein Gegensteuern des Landes erfordert.

Die meisten Schulden ergeben sich aus Hypotheken, von denen rund zwei Drittel durch kurzfristige Anleihen finanziert sind. Das macht die Haushalte verwundbar bei Zins-Schwankungen, wie die Regierung im Januar selbst sagte.

Die Spekulationen zur Verschuldung Dänemarks hatten sich nach Äußerungen von Nobelpreisträger Paul Krugman vergangenen Monat intensiviert. Krugman bezeichnete den hohen Verschuldungsgrad als Grund zur Sorge: „Man fragt sich, ob die Krise da nicht vorprogrammiert ist. Ich bin mir nicht sicher. Aber es macht einen schon nervös.“

Dennoch: Die hohe Verschuldung ist nur die halbe Wahrheit, meinen die Banken des Landes.

„Es ist richtig, die privaten Schulden sind hoch. Und man könnte argumentieren, sie seien zu hoch. Aber das hat nichts zu tun mit Systemrisiken in Dänemark“, erklärte Anders Aalund, Chef-Analyst für Festverzinsliche bei der Nordea-Tochter Nordea Markets. „Es gibt eine Menge ausgleichender Dinge, wie etwa die hohen Pensionsersparnisse.“

Auch Zentralbank-Chef Lars Rohde und Finanzminister Bjarne Corydon hatten im Januar erklärt, dass die hohe Verschuldung keine Gefahr darstelle. Schließlich könnten die Haushalte unter anderem ihre Pensionsrücklagen nutzen, falls sie wirklich in Schwierigkeiten geraten würden.

Der Hedgefonds „hat vielleicht vergessen, dass Haushalte nicht nur hohe Schulden haben, sondern dass sie die Bonds über ihre Pensionskonten gekauft haben“, meinte Holm. „Da muss man sich keine Sorgen machen.“

Bei der Ablösung einjähriger Anleihen zur Finanzierung ihrer Hypotheken durch neue Papiere haben dänische Hausbesitzer bei Auktionen in diesem Monat teils nur 0,33 Prozent zahlen müssen. Das geht aus Daten von Nordea hervor.

„Investoren sollten sich immer das gesamte Bild vor Augen führen“, sagte Wirtschaftsministerin Margrethe Vestager in einem Interview mit Bloomberg News. „Und man sollte sich nicht von Leuten leiten lassen, die statt des gesamten Bildes nur eine Perspektive haben.“

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