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Globale Investmentthemen und Emerging Markets

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Traditioneller Wachwechsel im zukunftsgerichteten Seoul: Südkorea hat, anders als andere Schwellenländer, die Corona-Krise gut gemeistert  | © imago images / imagebroker Foto: imago images / imagebroker

Pandemie als Härtetest für ETFs

Kostengünstig in Megatrends investieren

In den vergangenen Monaten haben sich ETFs als widerstandsfähige Investments erwiesen. Ausschlaggebend dafür sind vor allem vier Kriterien:

Liquidität: Anleger konnten selbst in der volatilen Marktperiode im Frühjahr erfolgreich Liquidität beschaffen, um ihre Portfolios sowohl bei Aktien als auch bei festverzinslichen Wertpapieren anzupassen. Besonders interessant für Anleger: Die oft hohe Liquidität von ETFs sorgt dafür, dass das Handeln mit ETFs potenziell günstiger ist als der Handel mit den zugrunde liegenden Wertpapieren.

Transparenz: ETFs sind deutlich transparenter als Investmentfonds. Alle notwendigen Börseninformationen wie etwa Kurse oder Handelsvolumina sind auf der Website von Emittenten, Börsen oder Nachrichtenportalen einsehbar. Auch während volatiler Marktphasen können Anleger täglich auf diese Informationen zugreifen.

Preisgestaltung: Der wesentliche Vorteil von ETFs liegt in der Preisfindung – sowohl aus Sicht der Vermögensallokation als auch des Risikomanagements. Während der Krise profitierten vor allem festverzinsliche Wertpapiere davon.

Kosteneffizienz: ETFs bieten Anlegern erhebliche Kostenvorteile gegenüber aktiv verwalteten Anlageprodukten – weder wird beim Erwerb ein Ausgabeaufschlag verlangt noch fallen beim Verkauf Gebühren an. Die Kosten werden transparent dargestellt und gleichzeitig wird sichergestellt, dass Anleger nicht durch Zu- oder Abflüsse neuer Investoren benachteiligt werden. Das ist in volatilen Zeiten besonders wichtig – vor allem für langfristig investierte Anleger.

Ein Multi-Faktor-Ansatz während der Covid-19 Pandemie

Immer mehr Anleger entscheiden sich für ETFs. In der Krise erlebten wir eine Kapitalverlagerung von reinen Aktien- und Anleihe-ETFs hin zu von der Krise profitierenden Megatrends. Verstärkt im Fokus der Anleger standen auch Faktor-ETFs mit den speziellen Faktoren Geringe Volatilität, Value (Substanzwert), Qualität, Momentum und Size (niedrige Marktkapitalisierung).

Am Anfang der Pandemie verkauften zahlreiche Anleger wahllos ihre Titel – es kam zu einer Flucht in Qualität. Die am wenigsten volatilen und qualitativ hochwertigeren Aktien erlitten daher im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum breiten Markt geringere Verluste.

Im zweiten Quartal 2020 kam es zu einer für viele Anleger überraschenden Erholungsrally, die hauptsächlich von US-Wachstumstiteln wie Tech-Werten getragen wurde. Bevor weitere gewichtige Anschlusskäufe erfolgen können, brauchen Anleger jetzt viel Vertrauen in eine nachhaltige Markterholung, bevor sie wieder bereit sind, um beispielsweise in Finanz- oder Energieaktien zu investieren. In den USA steigen die Fälle an Neuinfektionen, daher warten viele Anleger zunächst ab.

Das Timing der genannten fünf Faktoren bei Faktor-ETFs ist schwierig. Daher sehen wir einen Multifaktor-Ansatz, mit dem Anleger eine gewisse Diversifizierungsmöglichkeit haben, als besten Weg an.

Derzeit gilt Vorsicht bei Schwellenländern

Während der Krise konnten nicht alle ETFs gleich gut performen. Ein Beispiel: Zwischen Schwellenländern in Lateinamerika und Asien haben sich enorme Diskrepanzen gezeigt. Anleger tendieren daher dazu, ihr Engagement in China von breiteren ETF-Allokationen in den Schwellenländern insgesamt zu trennen.

Südkorea konnte die Krise ebenfalls gut meistern, Politik und Verwaltung setzten konsequent auf Technologien wie Tracking-Systeme. Das Land ist führend in der Entwicklung disruptiver und innovativer Technologien, gerade auch hier bieten sich ETF-Investments in den Megatrend Digitalisierung an.  

Brasilien hingegen konnte in der Krise nicht überzeugen. Die Wirtschaft des mit 209 Millionen Einwohnern größten südamerikanischen Landes hat mit immensen Schwierigkeiten zu kämpfen. Vor allem Finanzen und Energie als tragende Säulen der brasilianischen Wirtschaft hat es am härtesten getroffen.

Anleger sollten daher auch mit Blick auf Schwellenländer-ETFs sorgfältig diversifizieren – und schon jetzt genau beobachten, in welchen der aufstrebenden Märkte die Dynamik des Wirtschaftswachstums wieder anzieht. So lassen sich langfristige Chancen in den Ländern nutzen, die unter anderem von demographischen Trends profitieren.

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