US-Finanzminister Steve Mnuchin (links) und Notenbankchef Jerome Powell: Dollar-Drücker unter sich. Foto: imago images / ZUMA Wire / Drew Angerer

Party-Crasher Fed

Wie die US-Notenbank den Dollar schwächt

Der Glanz des US-Dollars verblasst. Nach mehr als einer Dekade der Stärke wertet die US-Devise seit einigen Monaten gegenüber anderen Währungen von Industrieländern ab. Möglicherweise befindet sich der US-Dollar aktuell tatsächlich an einem Wendepunkt – hervorgerufen durch die Politik der US-amerikanischen Zentralbank Fed, der es darum geht, die heimische Wirtschaft zu stimulieren.

Für die Dollar-Stärke der vergangenen Jahre gab es im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen waren die Zinsen höher als in vergleichbar sicheren Ländern wie Japan, der Schweiz oder der Eurozone, in denen die Zinsen negativ waren. Zum anderen hat sich die US-Wirtschaft stärker präsentiert als andere große Volkswirtschaften.

Unterstützende Faktoren fehlen

An beiden Fronten haben sich die Umstände im laufenden Jahr gewandelt. Die Faktoren, die den US-Dollar so lange gestützt haben, haben sich mit den drastischen Zinssenkungen der US-Notenbank nahezu in Luft aufgelöst. Gleichzeitig haben die Begleiterscheinungen der Covid-Pandemie der US-Wirtschaft erheblichen Schaden zugefügt. Die schweren Auswirkungen des Lockdowns auf den großen Dienstleistungssektor und die Anstrengungen, das Virus zu kontrollieren, haben zur Folge, dass die wirtschaftliche Erholung in den USA bislang langsamer vonstatten geht als anderswo. Das hat den US-Dollar unter Druck gesetzt: Seit April hat er gegenüber jeder anderen G-10-Währung an Wert verloren.

Die jüngste Entscheidung der Fed, zeitweise ein moderates Überschreiten des 2-Prozent-Inflationsziels hinzunehmen, um damit Phasen niedrigerer Teuerungsraten auszugleichen, könnte nun weiteren Druck für den Dollar bedeuten. Während die meisten Marktteilnehmer die Fed-Entscheidung als positives Signal für US-Treasurys begrüßen, werden die Auswirkungen an den Devisenmärkten aller Voraussicht nach weit deutlicher ausfallen.

Eine weitere mögliche Belastung für den US-Dollar stellt das Stimulierungsprogramm der Notenbank dar. Als Reaktion auf die Corona-Pandemie unternahm die Fed beispiellose Schritte, um die Märkte zu stabilisieren – dazu zählen neben den Zinssenkungen eine Ausweitung des Ankaufs von Vermögenswerten und die Ankündigung neuer Kreditprogramme. Diese Maßnahmen werden aller Voraussicht nach noch eine ganze Weile fortgeführt werden. Letztlich wird das Bekenntnis dazu, die Märkte mit reichlich Liquidität zu versorgen, für weiteren Abwertungsdruck beim US-Dollar sorgen. Hinzu kommt, dass das Haushaltsdefizit mit den Maßnahmen wachsen wird. Auch das war zumindest in der Vergangenheit negativ für die US-Währung.

Abwertender Dollar – gut für Europa, schlecht für Schwellenländer

Bislang fand die Abwertung des Dollar fast ausschließlich gegenüber Währungen der Industrieländer statt. So hat beispielsweise der Euro stark von der Dollar-Schwäche profitiert, insbesondere wegen der umfangreichen Konjunkturprogramme und eines besseren Managements der Corona-Krise – auch wenn die Fallzahlen wieder steigen. Noch hat die Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar weiteres Aufwärtspotenzial, zumindest bis die Europäische Zentralbank verbal interveniert.

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