Passive Investments „Die Pseudoaktiven werden verschwinden“

Florian Uleer ist seit 2015 Deutschland-Chef des Asset Managers Columbia Threadneedle Investments, der zur US-Investmentgesellschaft Ameriprise Financial gehört.    | © Johannes Arlt

Florian Uleer ist seit 2015 Deutschland-Chef des Asset Managers Columbia Threadneedle Investments, der zur US-Investmentgesellschaft Ameriprise Financial gehört. Foto: Johannes Arlt

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DAS INVESTMENT: Viele Studien zum Thema „Aktiv versus Passiv“ legen den Fokus auf die Performance. Stören Sie solche Studien?

Florian Uleer: Sie spielen auf das Rendite-Risiko-Profil eines Fonds an. Die Einschätzung, dass man mehr als nur die Performance im Blick haben muss, teile ich. Ein Anleger muss sich das Gesamtprofil eines Fonds anschauen und idealerweise durch seinen Berater erklären lassen. Daher sind das zwei Themen: Aktiv versus Passiv sowie die Frage nach dem Risikoprofil eines Fonds. Natürlich haben wir in den vergangenen Jahren in Deutschland einen verschärften Trend zum passiven Investieren gesehen. Aber ich sehe das positiv.

Ist Columbia Threadneedle nicht ein Verfechter aktiven Asset Managements?

Sind wir, aber die Diskussion Entweder-oder in ihrer verschärften Form führt doch dazu, dass sich auf der Seite der Aktiven die Spreu vom Weizen trennt. Anleger schauen genau hin, ob ein Fondsmanager nach Kosten auch eine nachhaltige Performance liefert. Ein Ergebnis der vielen Studien ist: Wenn man als Asset Manager keine Risiken nimmt, kann man auch keine Überrendite, das Alpha erzielen. Es gibt ein paar Kennzahlen, an denen man das gut ausmachen kann. Eine ist das Verhältnis aus Alpha zum Tracking Error, also von Fondsrendite zu Fondsrisiko, nämlich die Information Ratio. Die andere ist der Active Share. Je höher die Kennzahl, desto höher die Wahrscheinlichkeit, eine Outperformance gegenüber der Benchmark zu erzielen.

Wenn aktiver Manager, dann richtig.

Genau. Es muss darum gehen, aktive Fonds anzubieten, die es schaffen, konsistent Outperformance zu liefern. Die Pseudoaktiven werden mittelfristig den Markt verlassen. Und natürlich erhoffe ich mir, dass die wirklich aktiven Asset Manager dann die Investorengelder gewinnen und nur ein kleiner Teil in passive Investments fließt. 

                                  Quelle: Morningstar

Das Momentum im Vertrieb gehört doch aber den ETFs.

Wenn ich mir die BVI-Statistik anschaue, dann profitieren auch aktive Publikumsfonds wie selten zuvor. Für die Anleger ist letztlich wichtig, dass sie sich einen Fonds aussuchen, der ihre Ziele erfüllt. Es hört sich zwar abgedroschen an, aber wenn man sich mal die wichtigsten Anlageklassen anschaut, sieht man recht schnell, welche Unterschiede in der Wertentwicklung über mehrere Investmentjahre möglich sind. Wenn jährlich hier und da ein oder mehrere Prozentpunkte Outperformance nach Abzug der Kosten erwirtschaftet werden, dann macht das – auch dank des Zinseszinseffekts – schnell einen spürbaren Unterschied.