Jahrzehntelang galt für Sparer die eiserne Regel: Wer alt wird, geht raus aus Aktien. Patrick Linden hält das für einen teuren Irrtum und rechnet im Podcast „For Professional Investors Only“ vor, warum die Angst vor Kursschwankungen gefährlicher ist als die Schwankung selbst.
Denn wer mit 65 in Rente geht, hat noch 20 Jahre vor sich. Und genau hier beginnt das Problem. Denn zwei Jahrzehnte sind an der Börse kein Risiko, sondern fast eine Garantie. Trotzdem parken die Deutschen mehr als 7 Billionen Euro auf Sicht- und Tagesgeldkonten. Der Sparbuchzins bei Volksbanken und Sparkassen liegt laut Linden heute bei mageren 0,65 Prozent, während die Inflation das Realkapital still auffrisst. Allein 2024 wurden über 100 Milliarden Euro aus Kapitallebensversicherungen ausgezahlt. Geld, das auf eine Entscheidung wartet.
Linden ist Partner der französischen Boutique Clartan Associés, die in diesem Jahr ihr 40. Firmenjubiläum feiert. Sein Ansatz des Clartan Ruhestandsportfolio richtet sich an den vermögenden Ruheständler, der von seinem Kapital leben will, ohne es aufzuzehren. Die alte Faustregel „100 minus Lebensalter“ – also nur noch 30 Prozent Aktien mit 70 – erklärt er für überholt. Bei ihm reicht die Spanne je nach Kunde von konservativen 70 Prozent Aktienquote bis zu 95 Prozent. Der Rest dient nur als Liquiditätspuffer, der jährlich aus dem Aktienportfolio wieder aufgefüllt wird.
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Was die Sache trägt, ist eine Zahl: 8,1 Prozent Rendite pro Jahr über 35 Jahre, nach Kosten – inklusive Dotcom-Crash, Finanzkrise und Corona. Die Logik dahinter ist simpel. Wer weniger als acht Prozent im Jahr entnimmt, erhält sein Kapital. Clartan kalkuliert mit rund fünf Prozent Entnahme und damit mehr als die berühmte Vier-Prozent-Regel aus US-Daten der 90er. Das Clartan Ruhestandsportfolio selbst bleibt bewusst eng: 50 Titel, ausgewählt aus 300 beobachteten, von weltweit 50.000 börsennotierten Aktien.
Der eigentliche Bruch im Denken aber liegt woanders. „In unserem Haus ist Volatilität kein Risikofaktor“, sagt Linden. „Volatilität ist Naturgegebenheit des Aktienmarktes." Für ihn entsteht das echte Risiko erst dort, wo ein Anleger in der Panik verkauft und den Wiedereinstieg verpasst. Auch die offizielle Risikoklassifizierung bekommt im Gespräch ihr Fett weg: Ein Sparbuch mit garantiertem Realverlust gilt als sicher, das Qualitätsunternehmen mit Jahrhundertgeschichte als riskant.
Bleibt die heikelste Frage – die mentale. Wie sagt man jemandem, der nach 40 Jahren erstmals sechsstellig auf dem Konto steht: Glückwunsch, jetzt lernst du mit 65 die Börse kennen? Und passt diese Logik wirklich zu jedem, oder nur zu denen, die ohnehin schon genug haben?
Wie genau das funktioniert, mit welcher Strategie er Rentnern die Angst vor dem Markt nimmt und worauf Patrick Linden beim Einstieg gerade jetzt, auf einem Allzeithoch, setzt, darüber spricht er im Podcast.
