Wenn Trade Republic, Scalable Capital oder zuletzt J.P. Morgan Chase mit attraktiven Zinsen Millionen Kunden ködern – woher kommt das Geld eigentlich? Nicht von den Plattformen selbst. „Hinter diesen Zinsen, diesen zwei, drei Prozent, stecken Asset Manager und ihre Strategien“, sagt Pegi Myshqeri von Natixis Investment Managers. Neobroker haben häufig keine eigenen Investmentkapazitäten im Haus. Sie konzentrieren sich auf die Distribution, ein Asset Manager liefert das Produkt. Eine Kettenreaktion, an deren Ende der Fondsanbieter komplett aus der Sichtbarkeit verschwindet.

Myshqeri verantwortet bei Natixis eine Rolle, die es vor zwei Jahren dort noch gar nicht gab: Liquiditätsprodukte und digitale Plattformen in einer Position. Ein guter Posten, um den Boom von innen zu beobachten. Denn das langweiligste Eck der Branche ist gerade zum hot topic geworden. Nach 15 Jahren Null- und Negativzins werfen Geldmarktfonds wieder etwas ab, in Euro zwischen 2 und 2,5 Prozent, in US-Dollar noch mehr. Seit zwei Jahren tauchen sie konstant in den Top Ten der meistgekauften Produkte auf, die DAS INVESTMENT monatlich erhebt. „Geldmarktfonds sind nicht langweilig“, sagt Myshqeri. Jedes Unternehmen brauche eine saubere Liquiditätsstruktur, und die meisten hätten sie schlicht nicht.

Das ist die freundliche Seite des Booms. Die unbequeme: Viele Plattformen verkaufen sogenannte Overnight-ETFs – synthetische Konstrukte mit Total-Return-Swaps – als das, was sie nicht sind: echte Geldmarktfonds. Sieben bis neun Basispunkte günstig, aber nach anderen Standards gebaut.

Und dann ist da diese eine Frage. Wie neutral kann eine Fondsplattform 2026 überhaupt noch sein, wenn sie an Volumen, Platzierung und Schnittstellen mitverdient? Myshqeri zögert nicht: „Nein, die kann nicht neutral sein.“

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Was sie irritiert: Auf den Fintech-Messen – etwa der Fybe in Berlin oder der Frankfurt Digital Finance – sucht sie ihresgleichen meist vergeblich. „Ich habe da keinen Asset Manager gesehen. Es ist wirklich verrückt.“ Eine ganze Branche, die die Kundenschnittstelle nahezu verschlafen hat, während drei bis vier Plattformen schon heute mehr als die Hälfte des Marktes halten und ihre Marktanteile weiter ausbauen.

Fragt sich, wer in fünf bis zehn Jahren noch übrig ist und ob die Asset Manager dann nur noch der unsichtbare Motor sind oder selbst um die Kunden kämpfen.

Wie die Kettenreaktion zwischen Fonds und Plattform genau funktioniert, wo die echten Knackpunkte einer Partnerschaft liegen und worauf Myshqeri jetzt setzt, darüber spricht sie im Podcast „For Professional Investors Only“.