Fußball-Sommerpause? Von wegen! Auch wenn der reguläre Ligabetrieb ruht, kommen Fußballfans derzeit voll auf ihre Kosten. Die Klub-WM geht in ihre finale Phase, und seit dem 2. Juli läuft auch die Fußball-Europameisterschaft der Frauen. Für echte Fans bedeutet das: Fußball fast täglich – auch ohne Bundesliga und Co.

Doch was, wenn man als Fan nicht nur mitfiebert, sondern auch finanziell vom Erfolg des Lieblingsvereins profitieren möchte? Lohnt sich ein Investment in Fußballaktien?

Unsere Redaktion hat dazu mit Jordy Hermanns gesprochen, Multi-Asset-Portfoliomanager bei Aegon Asset Management. Gemeinsam mit seinem Team hat er den sogenannten Pelé-Index entwickelt – einen Index, der die börsennotierten Aktien der weltweit größten Fußballklubs abbildet. Die Analyse der vergangenen 27 Jahre zeichnet allerdings ein klares Bild: Fußballaktien sind in der Regel keine gute Geldanlage.

Ob es einzelne Outperformer unter den Fußballvereinen gibt und was die Gründe für die vergleichsweise schlechte Wertentwicklung der Aktien sind, erklärt Hermanns im Gespräch mit unserer Redaktion.

DAS INVESTMENT: Herr Hermanns, Sie haben den Pelé-Index entwickelt. Wie entstand diese Idee?

Jordy Hermanns: Als Multi-Asset-Portfoliomanager bei Aegon Asset Management beschäftige ich mich hauptsächlich mit makroökonomischen Analysen und Asset-Allocation-Entscheidungen für unsere großen Multi-Asset-Fonds. Manchmal haben wir etwas Freiraum für kleinere Projekte. Da ich selbst Fußballfan bin und persönliches Interesse habe, dachte ich mir an einem Freitagnachmittag: Schauen wir uns das Thema mal genauer an. Es stellte sich heraus, dass wir eine sehr interessante Analyse durchführen konnten.

Warum der Name „Pelé-Index“?

Hermanns: Das ist etwas subjektiv, aber ich denke, er ist der größte Spieler aller Zeiten. In Holland haben wir Johan Cruyff – für uns Niederländer ist er der beste Spieler überhaupt. Aber das klingt für ein englischsprachiges Publikum nicht so gut, Cruyff ist schwieriger auszusprechen. Pelé hingegen ist weltberühmt, jeder weiß sofort, worum es geht.

Auf welcher Datenbasis basiert Ihre Analyse?

Hermanns: Wir haben den Index letztes Jahr erstellt, aber die Daten reichen bis 1998 zurück – wir haben also 27 Jahre Daten. Wir wählten 1998, weil wir zu diesem Zeitpunkt zehn Vereine mit Börsennotierung hatten. Seitdem verfolgen wir sowohl die Performance dieser Clubs als auch neuer Vereine, die an die Börse gingen. Natürlich sind auch einige wieder vom Markt verschwunden.

Nach welchen Kriterien werden Vereine in den Index aufgenommen?

Hermanns: Wir haben einen wirklich robusten Index nach allen normalen Regeln der Indexerstellung geschaffen. Die Aktie muss natürlich notiert sein und bestimmte Mindestanforderungen an Liquidität und Marktkapitalisierung erfüllen. Das bedeutet auch, dass einige Aktien derzeit am Markt sind, aber nicht im Index enthalten sind, weil sie nicht genug gehandelt werden oder einfach zu klein sind.

Was sind die Haupterkenntnisse Ihrer Analyse?

Hermanns: Der Index underperformte den Markt massiv über einen langen Zeitraum. Wir sehen eine große Interessensdivergenz zwischen Shareholder-Value-Generierung und dem eigentlichen Zweck der Fußballvereine – nämlich Spiele, Ligen und Pokale zu gewinnen. Für die meisten börsennotierten Unternehmen sind diese Anreize relativ gut aufeinander abgestimmt, aber bei Fußballvereinen herrscht eine große Fehlausrichtung – zum Nachteil der Aktionäre.

Können Sie das quantifizieren?

Hermanns: Über die letzten 27 Jahre betrug die Performance minus 9 Prozent, verglichen mit plus 270 Prozent des Marktes. Das zeigt das Ausmaß der Underperformance sehr deutlich.

 

Ein Beispiel aus Deutschland: Wie schnitt Borussia Dortmund ab?

Hermanns: Borussia Dortmund ging im Jahr 2000 mit einem Aktienkurs von 11 Euro an den Markt und handelt derzeit knapp unter 4 Euro. Das zeigt einen drastischen Kursrückgang. Berücksichtigt man die zwischenzeitlich gezahlten Dividenden, sprechen wir von einem Gesamtverlust von etwa 50 Prozent. Hätten Sie das Geld in den Dax investiert, hätten Sie etwa 200 Prozent Rendite erzielt. Das verdeutlicht den enormen Unterschied.

Gab es Vereine, die den Markt outperformten?

Hermanns: Alle großen Vereine underperformen den Markt – Manchester United, Borussia Dortmund, Juventus Turin. Es gibt einige kleinere Vereine in Dänemark oder Portugal, die Phasen der Outperformance hatten, aber langfristig sehen wir bei allen ein sehr klares Muster der Underperformance.

Die Fußballindustrie wird zunehmend mit Geld überschwemmt – TV-Rechte explodieren, Transfersummen erreichen astronomische Höhen. Könnte das die Aktienperformance verbessern?

Hermanns: Wir sehen tatsächlich höhere Geldströme zu den Vereinen, was mehr Umsatz für sie bedeutet. Das könnte positiv sein. Andererseits explodieren aber auch die Kosten – Spielergehälter steigen, Transferpreise gehen massiv nach oben. Diese Fehlausrichtung der Interessen bleibt bestehen. Wir sehen diese Änderung nicht in absehbarer Zeit und halten an der Schlussfolgerung fest, dass börsennotierte Fußballvereine keine gute Finanzinvestition sind.

Welche Vereine dominieren den Index?

Hermanns: Manchester United führt mit einer Marktkapitalisierung von etwas über 2 Milliarden Euro. Um zu verhindern, dass United zu dominant wird, haben wir eine Obergrenze von 25 Prozent eingeführt – genau wie bei echten Investment-Indizes. Juventus hat derzeit 23 Prozent, Dortmund 8 Prozent. Die drei Schwergewichte machen also über 50 Prozent des Index aus.

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Sehen Sie Chancen für eine Trendwende?

Hermanns: Diese Interessensdivergenz ist so präsent bei diesen Vereinen, dass es sehr schwierig ist. Was wir manchmal sehen: Vereine werden privatisiert, weil sehr wohlhabende Investoren den ganzen Verein kaufen. Das könnte tatsächlich ein Ausweg sein, da typischerweise ein Aufschlag gezahlt wird. Eine Privatisierung mit Prämie könnte die Aktienkurse ankurbeln. Aber generell bleibt die Schlussfolgerung bestehen.

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Würden Sie generell von Fußballaktien abraten?

Hermanns: Die Empfehlung wäre, sich davon fernzuhalten und nach anderen Investmentmöglichkeiten zu suchen. Wenn Sie die Aktien kaufen, weil Sie Fan des Vereins sind, investieren Sie das Geld lieber in eine Dauerkarte und haben Spaß dabei. Aus finanzieller Sicht sind das schlechte Investments.

Bieten Sie den Pelé-Index als Investmentprodukt an?

Hermanns: Nein, das werden wir als Unternehmen nicht tun. Wir haben institutionelle Kunden mit völlig anderen Zielen. Außerdem zeigt unsere Analyse, dass diese Aktien stark underperformen. Als aktive Manager suchen wir immer nach Marktineffizienzen, und das ist ein perfektes Beispiel dafür, wie ineffizient Märkte sein können – Investoren werden nicht für die eingegangenen Risiken belohnt. Wir nutzen dies als Beispiel für ineffiziente Märkte, profitieren aber nicht von dieser speziellen Nische.