Die EU und Indien haben sich nach jahrzehntelangen Verhandlungen auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. Zölle und Handelsbarrieren sollen abgebaut, der Warenaustausch angekurbelt werden. Seit dem Jahr 2019 sind die deutschen Exporte nach Indien bereits um fast 40 Prozent gestiegen. „Ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien könnte diesen Trend deutlich verstärken“, sagt Samina Sultan, Ökonomin am Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln).

Zwar gehen bislang nur rund 1 Prozent der deutschen Exporte nach Indien. Doch der Anteil wächst – „im Gegensatz zu China, dessen Bedeutung für den deutschen Export seit Jahren abnimmt“, so die Ökonomin weiter. Modellschätzungen zufolge könnte sich der Handel zwischen der EU und Indien nun mehr als verdoppeln.

Indien gehört zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften 

Indien zählt zu den am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaften der Welt. Jüngst zog das Wachstum nochmal an. Im letzten Quartal des vergangenen Jahres lag es offiziellen Zahlen zufolge bei 8,2 Prozent – und damit über den Schätzungen vieler Analysten und Ökonomen, schreiben Avinash Vazirani und Colin Croft, als Portfoliomanager bei Jupiter Asset Management für Indien zuständig, in einem aktuellen Marktausblick.

„Hinter dieser Dynamik stehen vor allem eine robuste Binnennachfrage, Steuersenkungen, eine lockere Geldpolitik und Strukturreformen“, so Vazirani und Croft. Die ungewöhnlich niedrige Inflation habe sich positiv auf Unternehmensgewinne ausgewirkt. Wirkung zeigen auch die von Premier Narendra Modi angestoßenen Reformen. Modi, der das Land seit 2014 regiert, hat unter anderem das Arbeitsrecht des Landes reformiert. Viele Vorschriften wurden abgeschafft, was den bürokratischen Aufwand für Unternehmen verringern soll.

Der Premier „will Indien bis 2047 zu einer hochentwickelten Wirtschaft mit hohem Einkommen machen“, schreiben die Jupiter-Portfoliomanager. Um diesen Status zu erreichen, müsste Indiens Wirtschaft einem Bericht der Weltbank zufolge in den kommenden 22 Jahren um durchschnittlich 7,8 Prozent pro Jahr wachsen. Für 2026 wurden die Wachstumsprognosen für das Land bereits nach oben korrigiert. Indien Zentralbank geht von 7,3 Prozent aus, die Rating-Agentur Fitch gibt 7,4 Prozent an.

Indiens Wirtschaft: „Vergleich mit den USA passender als mit China“

Auch Kristian Heugh, Fondsmanager bei Morgan Stanley Investment Management, hält die langfristigen Aussichten für positiv – und erklärt dies anhand eines Vergleichs: „Oft wird das Land mit China verglichen. Wir denken aber, dass der Vergleich mit den Vereinigten Staaten der 1980er-Jahre passender ist.“ So sei Indiens Wirtschaft ähnlich groß wie die der USA zu Beginn der 1980er-Jahre.

Damals wuchs das nominale BIP der Vereinigten Staaten mit durchschnittlich 7,6 Prozent jährlich. Die persönlichen Konsumausgaben stiegen im Schnitt um etwa 8 Prozent pro Jahr, manche Teilbereiche sogar um mehr als 10 Prozent. Zwischen 1980 und 1990 legte der US-Aktienindex S&P 500 jährlich im Schnitt um knapp 13 Prozent zu. „Indien ist jetzt in einer ähnlichen Phase und verfügt im nächsten Jahrzehnt über ein ähnliches Wachstumspotenzial“, meint Heugh.

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Analysten von Morgan Stanley Research sagen für Indien bis 2034 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf 8,1 Billionen US-Dollar voraus. Zum Vergleich: 2024 lag das BIP im bevölkerungsreichsten Land der Erde bei knapp 3,9 Billionen Dollar, für 2025 haben Experten ein BIP von etwa 4,1 Billionen US-Dollar vorausgesagt.

Auf den Boom am indischen Aktienmarkt folgt Schwächephase

Für Anleger biete das Land eine große Chancenvielfalt, meinen Vazirani und Croft von Jupiter: Insgesamt gebe es mehr als 4.800 börsennotierten Unternehmen, davon rund 600 mit einem Marktwert von mehr als eine Milliarde US-Dollar.

Dennoch: Nach mehreren Boom-Jahren schwächelt der Aktienmarkt. Der Leitindex BSE Sensex, in dem die 30 größten an der Börse in Mumbai gehandelten Unternehmen gelistet sind, liegt seit Jahresbeginn etwa 3 Prozent im Minus. Auf Jahressicht hat die Vergleichsgruppe „Aktienfonds All Cap Indien“ sogar 16 Prozent verloren.

Hohe Bewertungen, ein moderates Gewinnwachstum, Handelsspannungen mit den USA und ein begrenztes Engagement im Bereich KI hätten auf die Performance gedrückt, analysieren Todd McClone und Ian Smith aus dem Aktienteam von William Blair Investment Management. Weitere Herausforderungen für die Wirtschaft: Das schleppende Kreditwachstum und die hohe Jugendarbeitslosigkeit.

Bewertungen sind hoch, aber Unternehmensgewinne steigen 

Allerdings halten McClone und Smith den langfristigen Trend für „überzeugend“. Der anhaltende Ausbau der Infrastruktur des Landes treibe das Wachstum weiter voran, unterstützt durch nachhaltige öffentliche Investitionen und Initiativen zur Förderung der Fertigungsindustrie. Wichtige Wachstumsmotoren seien Konsum und der Ausbau des Finanzsystems.

Für Indien spreche zudem die geringe Verschuldung der privaten Haushalte und eine junge, wachsende Erwerbsbevölkerung. Zwar seien die Bewertungen nach wie vor hoch. Doch in diesem Jahr dürften die Unternehmensgewinne merklich steigen, so McClone und Smith in ihrer Analyse.

Auch die Jupiter-Analysten Avinash Vazirani und Colin Croft sind vom Wachstumstrend überzeugt: „Indien unterscheidet sich deutlich von anderen Schwellenländern wie China und Südkorea mit ihrer hohen Abhängigkeit von Exporten der produzierenden Industrie und Hightech-Branchen.“ Mit dem großen Dienstleistungssektor und der begrenzten Exportabhängigkeit sei das Land weniger anfällig für geopolitische Risiken und Handelsspannungen.

Welche Indien-Fonds vorn liegen, zeigt unser Ranking auf den folgenden Seiten. Ausschlaggebend war die Performance über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Stand der Daten: 29. Januar 2026