Alexander Posthoff

Alexander Posthoff

Peripherie-Staatsanleihen bleiben attraktiv

Anleihen südeuropäischer Peripherie-Staaten und Irlands gehörten in den Jahren 2011 und 2012 zu den Sorgenkindern am Kapitalmarkt. Ein mögliches Auseinanderbrechen der Eurozone und steigende Ausfallwahrscheinlichkeiten, die sich auch in Ratingherabstufungen spiegelten, ließen Anleger vor Investitionen in diese Papiere zurückschrecken.

Seit der zweiten Jahreshälfte 2012 hat sich diese Situation hingegen deutlich verbessert. "Und Investoren können mit weiteren Kursgewinnen rechnen", meint Alexander Posthoff, Senior Portfoliomanager des Anleihemanagers Bantleon. "Vor allem südeuropäische Staatsanleihen mit langen Laufzeiten haben noch Potential", ist er überzeugt.

Frage: Herr Posthoff, wie kam es zu den jüngsten Kurssteigerungen bei südeuropäischen Peripherie-Staatsanleihen?

Alexander Posthoff: Ursache für den Stimmungswechsel unter Investoren war die Ankündigung der EZB im vergangenen Jahr, notfalls unbegrenzt auf dem Anleihenmarkt zu intervenieren. Damit wurde die Spekulation von Hedgefonds gegen diese Länder schlagartig beendet.

Mit dieser Rückversicherung ausgestattet, haben seitdem institutionelle Anleger – darunter viele Banken – aus den jeweiligen Heimatmärkten in Staatsanleihen ihrer Länder investiert.

In diesem Jahr setzte sich dieser Trend fort und die Risikoprämien von Staatsanleihen der Peripherie gegenüber deutschen Bundesanleihen schrumpften weiter. Hintergrund ist ein Paradigmenwechsel an den Kapitalmärkten.

Noch zu Beginn des Jahres fokussierten sich Anleger auf ein Wiederaufflammen der Eurokrise. Politische Querelen wie zum Beispiel die Wahlen in Italien im Frühjahr, die Regierungskrise in Portugal Anfang Juli und die Zypernrettung führten zwar zu großer Unsicherheit an den Märkten. Allerdings hielten diese Phasen, anders als in den beiden Jahren zuvor, nicht mehr so lange an und wirkten sich auch nur begrenzt auf die Risikoprämien aus.

Frage: Wie viel konnten Anleger in den vergangenen Monaten mit Peripherie-Staatsanleihen verdienen?

Posthoff: Die Wertentwicklung der Peripherie-Staatsanleihen, gemessen an den Iboxx-Sovereign-Indizes, kann sich sehen lassen. So legten spanische und irische Staatsanleihen von Jahresanfang bis Ende Oktober um etwa 10 Prozent zu. Italienische Staatsanleihen verbuchten ein Plus von fast 6 Prozent, portugiesische Staatsanleihen kamen auf gut 7 Prozent.

Auch im Bereich gedeckter Anleihen, so genannter Covered Bonds, ist die Entwicklung durchweg positiv. Spitzenreiter sind spanische Covered Bonds mit über 10 Prozent Wertzuwachs, gefolgt von portugiesischen mit etwa 7 Prozent. Im selben Zeitraum erlitten deutsche Bundesanleihen einen Verlust von etwa 1,3 Prozent.

Frage: Wie sieht die aktuelle Situation aus?

Posthoff: Inzwischen rücken vermehrt die verbesserten Fundamentaldaten ins Blickfeld der Anleger. So sind beispielsweise alle Peripheriestaaten – mit Ausnahme von Italien – bei der Konsolidierung der Staatsfinanzen ein gutes Stück vorangekommen.

In Spanien wurde der Anstieg der Arbeitslosigkeit vorerst gestoppt. Unterstützt wird diese Entwicklung durch den Tourismus, die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und die nahezu vollendete Anpassung im Bausektor.

Die Regierungskrise in Portugal stärkte eher die Zustimmung der Bevölkerung zu den Sparprogrammen als dass sie schadete. Selbst Italien erwies sich nach den unentschiedenen Wahlen im März als regierbar.

Frage: Und wo sehen Sie gute Chancen für weitere Kursgewinne?

Posthoff: Weiteres Performancepotential besteht vor allem bei Staatsanleihen. Hier bleiben vornehmlich lang laufende Anleihen unter absoluten Gesichtspunkten interessant. Neben attraktiven Kupons sind Kursgewinne aufgrund schrumpfender Risikoprämien zu erwarten, wenn sich die fundamentalen Rahmenbedingungen weiter verbessern.

Anleihen der Peripherie mit kurzer bis mittlerer Laufzeit bieten durch ihren Renditeaufschlag immerhin einen relativen Vorteil gegenüber den Ländern der Eurokernzone, weil die Zinsen in Europa niedrig bleiben dürften und in der Folge Investoren unverändert nach Anlagemöglichkeiten suchen sollten.

Als Risikofaktoren gelten weiter die Lage in Griechenland und in Zypern sowie eine mögliche Verschärfung der Situation in Slowenien. Deshalb sollten Anleger trotz aller positiven Meldungen die Risikostreuung ihrer Anlagen im Auge behalten.

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