Investieren in deutsche Nebenwerte Perlen der Tech-Branche
Schüler favorisiert die IT-Branche derzeit aber nicht: „Gerade die Wachstumsunternehmen handeln im Moment mit sehr hohen Prämien, die in meinen Augen teilweise zu wenig Wertsteigerungspotenzial bieten.“ Michael Muders vertritt die gleiche Meinung: „Die Bewertungen sind oftmals nicht günstig, deshalb halten wir uns mit Investments zurück“, sagt der Portfoliomanager von Union Investment. Muders legt aktuell bevorzugt in Hello Fresh an. Wertpapiere des Kochbox-Anbieters machen in seinem Fonds Uni Deutschland XS (DE0009750497) gleich 6,5 Prozent aus. An zweiter und dritter Stelle stehen die Holding-Gesellschaft Porsche Mobil mit 6,4 Prozent und die Handelsplattform Zooplus mit 5,2 Prozent.
Schüler setzt ebenfalls auf Hello-Fresh-Aktien (4,8 Prozent). Das Unternehmen steht an erster Steller ihrer Investment-Liste, dicht gefolgt von Airbus- und Brenntag-Aktien mit je 4,3 Prozent Portfolioanteil. Ihre Strategie ist erfolgreich: Der DWS German Small/Mid Cap gehörte in den vergangenen drei Jahren zu den Top-Performern unter deutschen Nebenwerte-Fonds. Investoren verbuchten damit ein Plus von 14,3 Prozent. Die Volatilität belief sich auf 22,0 Prozent.
Grundsätzlich können IT-Werte im Portfolio stärker schwanken als andere Wertpapiere. „Die Geschäftsmodelle von IT-Firmen sind oft noch nicht ausgereift“, erklärt Felix Meier, Portfoliomanager des Credit Suisse Small and Mid Cap Germany Equity (LU2066958898). Gleichzeitig sei in den Titeln oft künftiges Wachstum bereits eingepreist, was sie für Korrekturen anfällig mache.
Insgesamt gewichtet Meier Wertpapiere aus zyklischen Branchen in seinem Fonds über. Airbus-Aktien haben im Credit Suisse Small and Mid Cap Germany Equity einen Portfolioanteil von 8,2 Prozent, gefolgt von Titeln der Commerzbank (4,2 Prozent) und Zalando (4,4 Prozent). Zudem gehören Sartorius-Aktien zum Portfolio. Der Pharmazulieferer aus Göttingen bietet Produkte an, mit denen Bio-Pharmazeutika hergestellt werden können. IT-Unternehmen machen 6,8 Prozent des Portfolios aus: „Es gibt sehr gute und auch weltweit führende IT- Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand“, betont der Experte.
Kann ihre Marktmacht irgendwann ausreichen, um den großen US-Konzernen das Wasser zu reichen? Allianz-Portfoliomanager Dudacy glaubt eher nicht daran. „Dass mittelständische IT-Unternehmen aus Deutschland so mächtig wie die US-Konkurrenz werden, bleibt unwahrscheinlich.“ Meier pflichtet ihm bei. Dem Experten zufolge schaffen es nur wenige deutsche Gesellschaften weltweit an die Spitze, weil der bei Geschäftsstart besonders wichtige Heimatmarkt kleiner sei als die Märkte Amerikas und Chinas. Zudem seien ja eben qualifizierte Mitarbeiter in der Bundesrepublik schwer zu finden.
Anbieter moderner Technologien haben es auf dem deutschen Markt also keineswegs leicht, und in diese zu investieren, kann mit hohen Risiken verbunden sein. Hinzu kommt aber vor allem, dass Portfoliomanager Alternativen haben. Und das nicht zu knapp, denn das hiesige Anlageuniversum ist groß. „Statistisch betrachtet gehören mehr als 95 Prozent der börsennotierten Unternehmen zu den Nebenwerten“, erklärt Acatis-Experte Gebert. Er suche Titel, die mit ihrem Geschäftsmodell, ihrem Management und einer günstigen Bewertung überzeugen und zugleich nachhaltig handeln. Und da viele Mittelständler aus dem klassischen Maschinenbau oder der Industrie kommen und deshalb jahrelang häufig zu Unrecht verkauft und gemieden worden seien, ergeben sich Anlagechancen: „Zahlreiche Unternehmen dort sind die heimlichen Gewinner“, betont Gebert.

