Peru

„Erfolg ist die Belohnung für schwere Arbeit“

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Die Wahl Perus für das diesjährige Treffen zwischen der Weltbank und dem Internationalem Währungsfonds (IWF) ist bemerkenswert. Anlässlich der Veranstaltung veröffentlichte der IWF ein Buch mit dem Titel „Peru: Staying the Course of Economic Sucess“. Es gibt einen Überblick über die Herausforderungen, vor denen Peru während der vergangenen 30 Jahre stand, die Politik des Landes und deren Erfolge.

In ihrem Vorwort erklärt Christine Lagarde, die geschäftsführende Direktorin des IWF: „Wenn ich an Peru und die Leistungen des Landes denke, erinnert mich das an die Worte Sophokles: ‚Erfolg ist die Belohnung für schwere Arbeit‘. Der Verlauf des wirtschaftlichen Wandels in Peru während der vergangenen drei Jahrzehnte zeigt deutlich, wie zutreffend diese so oft herangezogenen Worte sind.“

BIP-Wachstum von bis zu 3,9 Prozent erwartet

Die langfristigen wirtschaftlichen Erfolge Perus gelten als Modell für andere Länder in der Region. In den letzten Monaten haben jedoch einige Faktoren die lateinamerikanischen Märkte belastet. Hierzu zählen die Besorgnis über bevorstehende Zinserhöhungen in den USA, ein potenzieller Konjunkturrückgang in China und die Währungsschwäche gegenüber dem stärker werdenden US-Dollar.

Peru war ebenfalls von diesen Faktoren betroffen. Das Land begegnet diesen Herausforderungen aber besser als einige andere Länder. Prognosen zufolge soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Perus in diesem Jahr um 3,0 bis 3,9 Prozent wachsen. Dem steht weniger als ein Prozent für Lateinamerika als Ganzes gegenüber.

Die Landeswährung, der Nuevo Sol, hat in diesem Jahr dem US-Dollar gegenüber etwas mehr als sieben Prozent verloren. Das ist weniger als die meisten anderen lateinamerikanischen Währungen eingebüßt haben. So ist der brasilianische Real um 34 Prozent gefallen, der kolumbianische Peso um 22 Prozent.

Armutsquote stark gesunken

Peru konnte von seinem großen Mineralienreichtum profitieren. Das Land ist der zweitgrößte Silberproduzent der Welt, der drittgrößte Lieferant von Kupfer und ein wichtiger Gold- und Zinkproduzent. Gesunde Preise für diese und andere wichtige Exportgüter haben dazu beigetragen, dass das BIP-Wachstum in den Jahren 2009 bis 2013 bei 5,6 Prozent lag. Das hat der Regierung erlaubt, bei der Verbesserung der Armutsquote des Landes große Fortschritte zu erzielen.

Natürlich haben die gesunkenen Rohstoffpreise auch Peru in letzter Zeit belastet. Der Kupferausstoß wird Erwartungen zufolge dennoch steigen, wenn in den nächsten Jahren neue Minen den Betrieb aufnehmen. Dadurch dürfte Peru Chile als zweitgrößten Produzenten der Welt überholen. Eine Erholung der Preise könnte wirtschaftlichen Schwung bringen.

Offizielle Stellen in Peru suchen Möglichkeiten, um die Wirtschaft neben dem Bergbau breiter aufzustellen. Sie haben Reformen umgesetzt, die Investitionen fördern. Sie sind mehrere Handelspartnerschaften, Geschäfte und Verhandlungen, darunter die Trans-Pazifische-Partnerschaft, eingegangen. Auch die Infrastruktur erhielt von den öffentlichen und privaten Sektoren eine erhöhte Aufmerksamkeit.

MSCI-Klassifizierung wichtig für Investitionen aus dem Ausland

Ein potenzieller Rückschlag für Perus Fortschritt könnte die mögliche Abstufung durch den Indexanbieter MSCI darstellen. MSCI hat geäußert, Peru möglicherweise aufgrund der schlechten Liquidität peruanischer Aktien vom Schwellenmarkt- zum Grenzmarktstatus herabzustufen. Am 30. September 2015 kündigte MSCI an, man gebe dem Land noch bis Juni 2016 Zeit, um auf diese Problematik einzugehen.

Es scheint nebensächlich, aber die Index-Designation ist ein wichtiger Faktor für das Anziehen und den Erhalt ausländischen Investitionsvermögens. Peru ist derzeit im MSCI Emerging Markets Index mit 0,4 Prozent gewichtet, könnte aber im MSCI Frontier Markets Index eine viel höhere Gewichtung erhalten.

Peru hat Maßnahmen ergriffen, um ausländische Investitionen ins Land zu bringen. Diese machen bereits jetzt etwa ein Drittel des Aktienhandelsvolumens aus. Diese Maßnahmen umfassen unter anderem einen Zehnjahresplan zur Entwicklung Perus zu einem lateinamerikanischen Finanzzentrum sowie investitionsfreundlichere Steuerreformen.

Lateinamerika: Größte Rohstoffquelle der Welt

Peru wies im letzten Jahrzehnt mit 2,9 Prozent die niedrigste jährliche, durchschnittliche Inflation in Lateinamerika aus. Trotzdem veranlasste ein Anstieg der Inflation in letzter Zeit die peruanische Notenbank zu einer Leitzinserhöhung auf 3,5 Prozent.

Unserer Meinung nach ist Lateinamerika insgesamt trotz der kurzfristigen Widerstände nach wie vor ein attraktives Anlageziel. Die Region verfügt über die größten und kostengünstigsten Vorkommen wichtiger Rohstoffe der Welt. Darunter fallen Öl, Metalle, Mineralien und landwirtschaftliche Produkte. Die langfristigen Nachfragetrends für Grundmaterialien dürften sich mit verbessertem Wachstum global und in den Schwellenmärkten ebenfalls verbessern.

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