Peter Dreide, Manager des 4Q-Smart Power

Peter Dreide, Manager des 4Q-Smart Power

Peter Dreide über die Performance-Schwäche des 4Q-Smart-Power

„Wir lassen uns durch die Börse nicht verrückt machen“

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DER FONDS: Die Energiepreise sind seit Monaten auf Talfahrt. Hat das auf Ihren Fonds abgefärbt?

Peter Dreide: Auf jeden Fall. Dieser Zusammenhang besteht vor allem in den USA, wo wir in erster Linie in Stromnetze, Pipelines und Verflüssigungsanlagen investieren. Dort mussten wir im vergangenen Jahr Verluste von 20 bis 40 Prozent hinnehmen. Unsere Japan-Investments hingegen profitieren vom niedrigen Ölpreis, weil das Land 100 Prozent seines Ölverbrauchs importiert.

Erklären Sie doch einmal kurz in drei Sätzen, was Sie mit Ihrem Fonds bezwecken und welche Arten von Aktien Sie kaufen.

Wir kaufen Aktien aus dem Bereich der Energiewirtschaft und Elektroindustrie, die von einem Aufbau eines intelligenten und zuverlässigen Stromnetzes – Stichwort Smart Grid – profitieren sowie aus dem Bereich Energie-Infrastruktur wie Kraftwerksbau und Stromerzeugung, Gasverflüssigung und Energietransport. Des Weiteren investiert der Fonds in Werte im Bereich Energie-Effizienz und erneuerbare Energien, die aber momentan wegen des niedrigen Ölpreises nicht ins Portfolio kommen. Regional stehen dabei Nordamerika, Westeuropa und Japan im Fokus, weil dort der höchste Bedarf besteht am Umbau der veralteten Energieinfrastruktur.

Was genau waren, abgesehen von den sinkenden Energiepreisen, die Gründe für die Verluste Ihrer US-Beteiligungen?

Es war ein verflixtes Jahr. Der Winter war hart, das Frühjahr dadurch bedingt entsprechend morastig. Deshalb konnten die Unternehmen erst viel später mit Infrastrukturprojekten beginnen als sonst üblich. Im Sommer gab es dann bei der US-Regulierungsbehörde FERC einen Zulassungsstau, sodass sich die Projekte im Schnitt um sechs Monate verschoben haben. Als es dann endlich losging, kippte der Ölpreis. Die Verkettung dieser drei Aspekte hat die Performance stark belastet.

Haben Sie Beispiele für Titel, die besonders schlecht gelaufen sind?

Die Aktie von Quanta Services zum Beispiel war im Frühjahr 37 US-Dollar wert – Mitte Dezember notierte sie bei 25 Dollar. Das sind 32 Prozent Verlust. Das Unternehmen hängt zwar zu 15 Prozent am Öl-Bereich, aber das rechtfertigt keinen Verlust in dieser Höhe. Deshalb haben wir in dieser Schwächephase weiter aufgestockt. Ich war erst Mitte November bei der Firma in Houston. Wir wissen, was wir hier kaufen und lassen uns durch die Börse nicht verrückt machen. Viele der von uns gehaltenen Industriewerte werden behandelt, als wären sie Ölaktien. Aber das sind sie nicht, und bei der Bekanntgabe der nächsten Quartalsergebnisse wird die Börse ihre Quittung bekommen. Wir sehen hier riesige Kaufgelegenheiten.

Können Sie mit Ihrem Fonds auch Ölwerte wie Schlumberger und BP oder Versorger wie RWE kaufen, wenn es von der Bewertung und Perspektive her passt?

In Frage kommen allenfalls LNG-Projekte – also Gasverflüssigung. Darauf setzen wir durchaus. Aber ansonsten bleiben wir direkten Ölwerten fern. Genauso wie erneuerbaren Energien. Hier setzen wir nur auf Infrastruktur.

Solaraktien sind also auch kein Thema?

Ich habe Titel mit exzellenten Bilanzen vor mir, die langfristig gute Aussichten haben und gestandene Unternehmen sind. Die bekomme ich momentan sogar stark unterbewertet. Da weiß ich nicht einen Grund, warum ich Solarwerte in Betracht ziehen sollte. Da habe ich nur Unsicherheiten, ob Projekte gekürzt werden oder Regierungen sparen müssen. Beim aktuellen Ölpreis verschwende ich keinen Gedanken an Solarenergie. Da kaufe ich lieber exzellente Unternehmen, die viel zu billig gehandelt werden.

Wie reagieren Ihre Anteilseigner auf die jüngsten Verluste? Nach hohen Mittelzuflüssen 2013 gab es in den vergangenen Monaten eher Rückflüsse.

Der Kern der Investoren ist weiter dabei, weil sie das Thema langfristig verstehen. Und sie sehen das enorme Potenzial, das im jüngsten Rückgang steckt. Andere Anleger haben verkauft, weil sie Risiko aus ihrem Portfolio nehmen wollen. Da ist ein reiner Aktienfonds wie unserer als erstes draußen. Zudem muss man damit leben, dass eher momentumgetriebene Anleger Phasen schwacher Performance als Ausstiegssignal sehen. Strategische Investoren lassen sich jedoch nicht ins Bockshorn jagen, und Value-Investoren kehren sogar gerade zurück.

Mehr als 30 Prozent Ihres Fondsvermögens steckt in japanischen Titeln. Was macht diesen Markt für Sie so interessant?

Ich war recht bald nach dem Reaktorunfall in Fukushima und habe mich mit der Energiebehörde vor Ort getroffen. Dort wurde mir berichtet, wo ihre Probleme sind und was sie vorhaben. Da war für mich ganz klar, dass wir Japan massiv übergewichten werden. Die Japaner mögen Atomkraft nicht mehr. Die Bevölkerung ist dagegen. Aber Japan hat eine riesige Energiebelastung. In März kommt das erste LNG-Projekt ins Land, das den Gaspreis von 15 auf 10 US-Dollar senkt. Außerdem ist der niedrige Ölpreis ein Segen für Japan. Die Notwenigkeit, jetzt noch Kernkraftwerke anzuwerfen, ist somit nicht mehr vorhanden.

Was ist mit Europa?

Obwohl der Ausbau der Energie-Infrastruktur stillsteht, gibt es auch hier ein paar interessante Projekte. So wird zum Beispiel ein 3.000 Kilometer langes Stromnetz von Norwegen über England nach Belgien gebaut. In Skandinavien gibt es einen Überschuss an Strom, weiter südlich fehlt er. Da sind wir dabei, ebenfalls bei einem vergleichbaren Projekt in Frankreich.

Wie sieht Ihr Szenario für 2015 aus?

Wir erwarten ein gutes Aktienjahr – prinzipiell. Deshalb glauben wir auch, dass sich der Fonds überdurchschnittlich entwickeln wird. Es sei denn, es gibt einen neuen Schock. Ich sehe eine gute Chance, dass die Aktienmärkte bis zum Jahresende zwischen 10 und 20 Prozent zulegen und dass der 4Q-Smart Power darüber liegen wird.

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