Das Insurlab Germany hat am 20. Januar 2026 seine strategische Neuausrichtung bekannt gegeben. Die Brancheninitiative konzentriert sich künftig auf drei zentrale Handlungsfelder: Zusammenarbeit zwischen etablierten Versicherern und Start-Ups, KI-Skalierung in der Versicherungsbranche sowie Zukunft der Versicherung. Aus diesem Anlass hat Insurlab ein Interview mit Peter Stockhorst, Vorstandsvorsitzender des Insurlab Germany sowie Vorstand der Zurich Gruppe Deutschland und Chef der DA Direkt veröffentlicht. DAS INVESTMENT Versicherungen fasst zusammen.
„Mit KI gewinnt die digitale Transformation der Versicherungsbranche eine völlig neue Dynamik", sagt Stockhorst. „KI ist kein Experiment mehr. Jetzt geht es darum, nach ersten Erfahrungen konkrete Schritte zu machen und zu skalieren.“
Klarer Fokus und Mut zu Entscheidungen
Auf die Frage, was Organisationen konkret fehlt, um Künstliche Intelligenz konsequent zu skalieren, nennt Stockhorst zwei zentrale Punkte: „Erstens ein klarer Fokus. KI muss oben auf die Agenda. Es geht nicht um isolierte IT-Projekte, wir sprechen über Change. Die Frage ist: Wie nutze ich Technologie für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit meines Unternehmens?“
Zweitens brauche es den Mut, Entscheidungen auch unter Unsicherheit zu treffen. „Wir erleben mit KI eine völlig neue Dynamik. Man lernt mit jeder Anwendung dazu“, erklärt Stockhorst. Das setze voraus, dass Organisationen akzeptieren, dass nicht alles von Anfang an perfekt ist. „Entscheidend ist, dass man Prioritäten definiert, dann auch Rückendeckung gibt und konsequent voran geht.“
Viele Initiativen, aber mangelnde Konsequenz
An Themen mangelt es der Branche nach Stockhorsts Einschätzung nicht. Viele Versicherer stünden vor der Situation, dass sehr viel gleichzeitig passiert: Digitalisierung, neue regulatorische Anforderungen, steigender Kostendruck, veränderte Kundenerwartungen. „In dieser Gemengelage fällt es manchen schwer, die richtigen Prioritäten zu setzen. Das führt dazu, dass Initiativen zwar gestartet, aber nicht konsequent umgesetzt werden.“
Das Problem liege nicht darin, dass Versicherer keine Einsatzmöglichkeiten für KI entwickeln können. „Die Frage ist vielmehr, was danach passiert“, sagt Stockhorst. KI entfalte ihren Wert nicht in einzelnen Projekten, sondern dann, wenn sie als Teil eines umfassenden Veränderungsprozesses verstanden wird. „Genau an dieser Stelle wird es anspruchsvoll.“ Es bedeute, klare Entscheidungen zu treffen: Wo setzen wir in unserer Organisation KI gezielt ein? Welche Anwendungsfälle haben Vorrang? Und was lassen wir bewusst sein?
Man sollte nicht darauf warten, dass alle Fragen geklärt sind, rät Stockhorst. „Man testet, beobachtet, sammelt Erfahrungen. Und man geht dabei ganz bewusst Schritt für Schritt vor, auch wenn nicht von Beginn an alle Fragen geklärt sind.“
