Pflege-Riester: Bahr-Geld für Bedürftige

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Die verstärkte öffentliche Debatte über die finanziellen Folgen der Pflegebedürftigkeit und die neuen geförderten Policen haben das Interesse von Kunden geweckt, berichtet dagegen Clemens Keller, Leiter Krankenversicherung beim Finanzdienstleister MLP.

„Wir spüren eine wachsende Nachfrage nach Pflege-Bahr-Policen und Pflegevorsorge-Produkten insgesamt.“ Die geförderten Policen sieht er als guten Gesprächseinstieg. „Der Pflege-Bahr bietet oft eine gute Basis für eine umfassende Pflegeabsicherung des Kunden.“

Gutes Einstiegsthema

Gerade für jüngere Kunden sei es ein gutes Einstiegsprodukt. „Wenn sie die entsprechende Liquidität zur Verfügung haben, können die Versicherten dann ab dem Alter 40 überlegen, die geförderte Police aufzustocken oder zusätzlich eine klassische Pflege-Zusatzversicherung abzuschließen.“

Viele Versicherer bieten Aufbautarife zum Pflege-Bahr an, mit denen Kunden den Leistungsumfang aus- weiten können. „Der Markt war in der Pflegeabsicherung noch nie so gut aufge- stellt“, sagt Keller. „Die Produkte in diesem Feld sind gereift.“

Allianz-Vermittler Gerald Archangeli, Vizepräsident des Bundesverbands Deut- scher Versicherungskaufleute (BVK), ist deutlich skeptischer. Zwar sieht auch er eine größere Aufgeschlossenheit der Kunden dem Thema gegenüber. Dem BVK sind allerdings die vielen staatlichen Vorgaben für die Policen und die Provisionsdeckelung ein Dorn im Auge.

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Hier mische sich der Staat erneut in Dinge ein, die ihn eigentlich nichts angehen, sagt Archangeli. Genau deshalb könnte Pflege-Bahr ähnlich schleppend anlaufen wie die Riester-Angebote, erwartet er. „Riester wurde am Anfang wegen der niedrigen Provisionen schlecht verkauft.“

Bislang unterscheiden sich die Preise für ungeförderte und geförderte Policen kaum. Das wird nach Einschätzung von Archangeli aber nicht so bleiben. Wenn sich in einigen Jahren zeigt, dass in den Pflege-Bahr-Tarifen tatsächlich überdurchschnittlich viele sogenannte schlechte Risiken sind, werden die Prämien deutlich steigen. „Die nicht geförderten Policen werden sich auf Dauer stabiler entwickeln.“

Keine Rosinenpickerei

Bei der Barmenia und der Debeka können Kunden die ungeförderten klassischen Pflegetagegeld-Policen nur noch abschließen, wenn sie zuvor eine Pflege- Bahr-Versicherung gekauft haben. Diese Entscheidung hatte bei der Debeka nach Angaben von Vorstand Roland Weber zwei Gründe. Zum einen will man der Gefahr der Rosinenpickerei auf Kunden- und Vermittlerseite begegnen.

„Wir wollen zeigen, dass man sich auch in einem marktwirtschaftlichen Umfeld sozialpolitisch verantwortlich verhalten kann“, sagt Weber. Zudem ergebe die Kombination auch kalkulatorisch Sinn. „Ich hoffe, dass ich auf diesem Weg für die Pflege-Bahr-Policen eine Fülle guter Risiken bekomme.“

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