Die aktuellen Zahlen des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV) sind alarmierend: Obwohl die Zahl der Pflegebedürftigen rasant ansteigt, wächst die Nachfrage nach Pflegezusatzversicherungen kaum. Schnell übersehen wird, dass sich auch die Zahl der Pflegebedürftigen unter fünf Jahren zwischen 2015 und 2021 verdoppelt hat.
Einige Vermittler haben bereits das Potenzial der Pflegezusatzversicherung für werdende Eltern erkannt, die wegen der enormen Herausforderungen im Fall von Einschränkungen ihrer Kinder diese Absicherung, neben der gesetzlichen Pflegeversicherung, in Betracht ziehen sollten. Doch müssen wir Versicherungsvermittler weiterhin Bewusstsein schaffen und unsere Kunden über die Bedeutung aufklären.
Auffälligkeiten werden oft zu spät entdeckt
Eine Aussage, die wir häufig in Gesprächen mit Eltern hören, lautet: „Mein Kind ist gesund.“ Die menschliche Natur hat uns mit einer Art rosaroter Brille ausgestattet, die uns hilft, die Herausforderungen der Kindeserziehung zu meistern. Doch dies führt auch dazu, dass Eltern Auffälligkeiten bei ihrem Nachwuchs oft nicht wahrnehmen. Solche Auffälligkeiten, wie Fehlbildungen oder Entwicklungsverzögerungen, werden daher häufig erst bei U-Untersuchungen entdeckt. Ärzte versuchen, Eltern in solchen Situationen zu helfen, sind aber nach meiner Erkenntnis in Versicherungsfragen oft schlecht informiert.
Praxisfälle zeigen Handlungsbedarf und Sinn der Vorsorge
Ein Fall aus dem Bekanntenkreis zeigt dies deutlich: Eine Mutter war verzweifelt, als bei ihrem Kind ein Gendefekt diagnostiziert wurde. Keiner der Behandler hatte sie über die Möglichkeiten der gesetzlichen Pflegekasse informiert. Da der Betreuungs- und Versorgungsaufwand bei Kleinkindern besonders hoch ist, erhielt es am Ende Pflegegrad 3, doch erst nach eigener Recherche.
Ein weiteres Beispiel: Die Eltern eines 4-jährigen Mädchens bemerkten erst nach unzähligen Besuchen im Sozialpädiatrischen Zentrum Berlin, dass ihre Tochter eine Entwicklungsverzögerung hat. Sie lernte erst spät laufen, sprechen und springt erst seit Kurzem. Dank intensiver Förderung durch Ergotherapie, Musiktherapie und Logopädie wird das Kind jetzt optimal unterstützt.
Durch unsere Beratung haben die Eltern eine gute Pflegeabsicherung abgeschlossen:
• Pflegegrad 1: 990 Euro monatliche Leistung
• Pflegegrad 2: 2.500 Euro monatliche Leistung
• Pflegegrad 3 bis 5: 2.500 Euro monatliche Leistung
Diese Absicherung kostet die Familie 26,25 Euro im Monat. Der medizinische Dienst der Krankenkasse hat in diesem Fall mittlerweile Pflegegrad 2 genehmigt, und die Familie erhält Leistungen bis 2028.
Rückzug von PKV-Versicherern aus dem Markt
Viele private Krankenversicherer beobachten ebenfalls die steigenden Leistungsfälle. Bisher war dieser Markt wenig reguliert, und Gesundheitsfragen zu Fehlbildungen oder Entwicklungsverzögerungen, die besonders bei Kindern relevant sind, wurden oft gar nicht gestellt. In den letzten Monaten haben viele Versicherer jedoch ihre Annahmerichtlinien verschärft, Tarife geschlossen, Leistungen gekürzt und die Preise erhöht. Vermittler fragen sich nun: Wo können die Kinder der Mandanten noch gut und sicher versichert werden?
Pflegetagegeldabsicherung für Kinder – ein Marktüberblick
Zum Stichtag 30. September haben wir einen aktuellen Marktüberblick über Pflegetagegeldversicherungen erstellt. Wir haben Versicherer zu folgenden Parametern befragt:
• In welchem Tarif können Kinder allein versichert werden?
• Wie hoch sind die Leistungen in den Pflegegraden 1 bis 3?
• Zu welchen Preisen sind die Tarife erhältlich?
Eine entscheidende Rolle spielen auch die gestellten Gesundheitsfragen. Aus unserer Sicht hat die SDK ein hervorragendes Produkt mit fairen Preisen und einfacher Gesundheitsprüfung entwickelt. Auch Versicherer wie die R+V und DKV bieten aktuell noch eine gute Versicherbarkeit für Kinder an. Nachfolgend eine Übersicht:
| Versicherung | Prämie | Kinder allein versicherbar? | Tarifname | Höchstsatz pro Tag | Leistungen in Pflegegrad 1 | Leistungen in Pflegegrad 2 |
| Allianz | 20,44 € | Ja | PZTA03, PTZBest03 | 70,00 € | 420,00 € | 2.100,00 € |
| Alte Oldenburger | 36,20 € | Ja | PS1, PS2, PS3, PS4, PS5 | 100,00 € | 600,00 € | 3.000,00 € |
| ARAG | 33,20 € | Ja, ab 13 | PIN1, PIN2, PIN3, PIN4, PIN 5 | 100,00 € | 3.000,00 € | 3.000,00 € |
| Axa | 26,36 € | Ja | Vario | 41,00 € (PG 1) und 75 (PG 2) | 1.250,00 € | 2.250,00 € |
| Barmenia | 15,00 € | Ja | MPA,MPS | 50,00 € | 300,00 € | 750,00 € |
| BBKK | 46,20 € | Ja, ab 1 | PflegePRIVAT Premium | 150,00 € | 450,00 € | 1.350,00 € |
| Concordia | 16,80 € | Ja, ab 6 | PG1 und PG2 | 25,00 € (PG1) / 120,00 € (PG2) | 750,00 € | 1.875,00 € |
| Continentale | 52,50 € | Ja | PG-K-PLUS | 150,00 € | 2.250,00 € | 4.500,00 € |
| DKV | 42,56 € | Ja | PTG | 160,00 € | 1.440,00 € | 1.920,00 € |
| Hallesche | 70,50 € | Ja, ab 6 | Olga.Flex | 150,00 € | 450,00 € | 1.350,00 € |
| Hanse Merkur | 23,67 € | Ja | PGA, PGS | 133,00 € | 399,00 € | 1.197,00 € |
| Inter | 102,00 € | Ja, (Leistung aber nur bei Unfall und fest definierten Erkrankungen) | QC1 - Leistung nur für eine Liste von Erkrankungen | 300,00 € | 9.000,00 € | 9.000,00 € |
| Nürnberger | 19,70 € | Ja | PAS | 100,00 € | 300,00 € | 900,00 € |
| R+V | 23,16 € | Ja | PM1 | 83,00 € | 250,00 € | 2.500,00 € |
| SDK | 36,34 € | Ja, aber nur mit Zusatztarif | PG1-PG5 | 116,00 € | 990,00 € | 3.480,00 € |
| Signal Iduna | 29,00 € | Ja | PflegeTOP | 145,00 € | 435,00 € | 1.523,00 € |
| Universa | 26,60 € | Ja | uni PT Premium | 100,00 € | 300,00 € | 900,00 € |
| Württembergische | 13,30 € | Ja | Paket Premium (auch Kompakt und Komfort möglich) | 50,00 € | 200,00 € | 750,00 € |
Mein Fazit
Die steigende Zahl an sehr jungen Pflegebedürftigen und die große Dunkelziffer von Familien, die nicht wissen, welche Ansprüche sie haben, zeigt klar: Eine Pflegetagegeldversicherung sollte Teil einer umfassenden Kinderabsicherung sein. Diese Leistung bedeuten eine finanzielle Entlastung, die Eltern mehr Zeit und Freiraum für die bestmögliche Förderung ihres Kindes ermöglicht. Vermittler sollten das Thema aktiv ansprechen.
Über die Autorin
Anja Glorius, geboren 1985, ist ausgebildete Versicherungsfachfrau und studierte Versicherungsfachwirtin. Sie ist seit 20 Jahren im Versicherungsbereich zu Hause und spezialisiert auf die private Kranken- und Pflegezusatzversicherung. Als Geschäftsführerin betreibt sie das PKV-Beratungshaus KVoptimal.de in Berlin.
