PGIM Investments zu Megatrends Wie Disruption unser Anlageverhalten ändert

Prinz Charles trägt Google Glass: Die Augmented-Reality-Brille  kann jetzt Sprachbefehle mittels Künstlicher Intelligenz (KI) auswerten. | © Getty Images

Prinz Charles trägt Google Glass: Die Augmented-Reality-Brille kann jetzt Sprachbefehle mittels Künstlicher Intelligenz (KI) auswerten. Foto: Getty Images

Wir leben in einer Zeit des rasanten technologischen Wandels. Während die Welt sich gerade erst mit dem Einfluss disruptiver Technologien wie künstliche Intelligenz, autonome Fahrzeuge oder erweiterte Realität vertraut zu machen beginnt, sind die Auswirkungen auf die Anlegerportfolios tiefgreifend. Aufgrund der immer engeren Verzahnung des technologischen Wandels mit der globalen Wirtschaft sollten Investoren folgende Aspekte sorgfältig prüfen:

  • Ökonomisches Wachstum
  • Branchenkonzentration
  • Chancen und Risiken digitaler und traditioneller Industrien
  • Gesamtrisiko des Portfolios gegenüber Unternehmen, die vom technologischen Wandel profitieren oder davon fundamental bedroht sind

Langfristig besitzen disruptive Technologien das Potential, enorme gesellschaftliche Veränderungen in Gang zu setzen.

Wie wirkt sich technologischer Wandel auf die Kapitalanlage aus?

Bis heute hat sich der Blick der Anleger etwas zu einseitig auf den Technologie-Sektor sowie Start-up-Unternehmen gerichtet, die auf Risikokapital gründen. Wir glauben, dass institutionelle Investoren ihre Perspektive erweitern sollten, um sowohl die makroökonomischen Auswirkungen des technologischen Wandels als auch seine Implikationen auf das Portfolio zu erfassen.

Technologie und das Produktivitäts-Paradoxon

Wie ist es möglich, dass Technologie unsere Welt bis ins Kleinste verändert, sich aber nicht in den Produktivitätsstatistiken zeigt? Nach unserer Einschätzung sind vier Gründe dafür verantwortlich:

1. Langsame Technologiediffusion in einzelne Branchen

Die Übernahme neuer Technologien in Branchen außerhalb des IT-Sektors ist nach wie vor sehr unausgeglichen. Während einige Sektoren bei der Digitalisierung vorne liegen (zum Beispiel die Bereiche Informations- und Kommunikationstechnik, fortgeschrittene Fertigungstechnologien), liegen andere Schlüsselindustrien weit zurück (zum Beispiel Bau, Landwirtschaft, Gesundheitswesen). In den Jahren 1995 bis 2000 steuerten die IT-Hersteller durch die Entwicklung internetbasierter Spitzentechnologie fast 60 Prozent des gesamten Produktivitätswachstums bei.

In der gegenwärtigen Phase immer neuer Innovationen lässt sich ein ähnliches Muster erkennen: Technologie wird im IT-Sektor entwickelt und erst mit Verzögerung profitieren Unternehmen aus anderen Sektoren von deren Übernahme.

2. Das „Winner-takes-all“-Prinzip

Produktivitätssteigerungen aufgrund innovativer Technologien konzentrieren sich auf eine kleine Gruppe von Unternehmen, während die restlichen Unternehmen aus den jeweiligen Sektoren sich der Digitalisierung noch verschließen oder gegenüber den Superstar-Firmen nicht wettbewerbsfähig sind. So erzielte zum Beispiel Amazon 2017 einen 2,3-fach höheren Umsatz als die US-Handelskonzerne Walmart, Target, Best Buy, Nordstrom, Home Depot, Macy’s, Kohl’s und Costco zusammen. Der Amazon-Umsatz entsprach damit einem Marktanteil von 43 Prozent am gesamten US-amerikanischen Online-Handel.

3. Produktivität als Spätindikator

Um mittels neuer Technologien Produktionssteigerungen zu erreichen, sind nicht nur Investitionen in Betriebsmittel erforderlich. Angepasst werden müssen auch innerbetriebliche Prozesse. Zugleich müssen die Mitarbeiter geschult werden. In der Regel dauert diese Transformation länger als erwartet.

4. Die globale digitale Spaltung

Rund um die Welt ist die Verfügbarkeit eines Internetzugangs nicht selbstverständlich. Dadurch sind der Verbreitung neuer digitaler Technologien und dem damit möglichen Produktivitätswachstum Grenzen auferlegt. Mangels Internetzugangs haben 60 Prozent der Weltbevölkerung keine Teilhabe an der Digitalwirtschaft.