Hätte man Philip Wobst vor drei Jahren gefragt, welche Aktien die Krisen am besten überstehen, seine Antwort wäre eindeutig gewesen: profitable, defensive Qualitätswerte. Dann kamen Zinsschock, Trumps Zölle, die Eskalation im Iran. Im Grunde ein Bilderbuch-Szenario für stabile Geschäftsmodelle. Genau die enttäuschten.

Wobst verantwortet das Portfolio-Management der Bauer-Vermögensverwaltung, mit Wurzeln im Münsterland. Sein Handwerk sind Faktoren: Kennzahlen, die Aktienrenditen erklären. In der Forschung tummeln sich hunderte davon, ein ganzer „Faktor-Zoo“. In der Praxis zählt eine Handvoll: Markt, Value, Size, Momentum. Value – günstig bewertete Aktien – galt in der Niedrigzinsphase als totes Pferd, verdrängt von den Magnificent Seven. Nun der Umschwung: Steigende Zinsen stützen den Faktor, die KI-Rallye rollt weiter in Infrastruktur und Industrie. Das ist Terrain, auf dem Value punktet. Die krisenfeste Qualität dagegen geriet unter Druck, getrieben von der Angst vor KI-Disruption.

Und Momentum? Der Faktor läuft heiß durch Gold, Energie, KI, dreht aber schnell. Wobst mischt ihn bei, wettet nie allein darauf.

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Die größte Überraschung liegt in den Depots der Neukunden. Viele halten breite ETFs und fühlen sich gestreut. Ein Trugschluss. „Selbst ein marktgewichteter Index bildet nicht unbedingt einen diversifizierten Faktormix ab“, sagt Wobst. So ein Index gewichtet hoch, was gerade läuft und schafft Klumpenrisiken, die kaum jemand auf dem Schirm hat.

Beim Buzzword der Stunde, der „Demokratisierung“ der Private Markets über Eltif-Fonds, bleibt Wobst skeptisch. Günstiger Zugang für Privatanleger heiße oft vor allem eins: Qualitätsabstriche, die den Kostenvorteil wieder auffressen. „Es gibt gute Produkte, aber die muss man finden.“ Bei aktiven ETFs bremst er ebenfalls: Ihr Tracking Error ist zu niedrig, um genug Faktor ins Portfolio zu holen.

Einen Wunsch hat Wobst trotzdem: einen Faktor-ETF, den der Markt so kaum bietet. Welchen, verrät er selbst.

Warum die sichere Wette danebenging, welche Faktoren wirklich zählen und worauf Wobst jetzt setzt, darüber spricht er im Podcast.