Es gibt Bausteine im Depot, über die spricht niemand mehr. Der Kern ist so einer: das breite globale Aktienzeug, ein günstiges Beta-Produkt reingepackt, fertig. Das Alpha holt man sich längst woanders, etwa bei den Nebenwerten, den Satelliten, den Spezialitäten. Beta ist längst Commodity, so die Theorie. Philipp von Königsmarck stellt sie auf den Kopf.

Königsmarck hat den deutschen Markt für L&G aufgebaut, 2018 als erster Mann vor Ort, heute verantwortet er Nordeuropa. Bekannt wurde das Haus über Themen-ETFs – Wasserstoff, Wasser und mehr – und später über den Gerd-Kommer-ETF, der Faktor-Investing bei Privatanlegern groß machte. Jetzt zielt er mitten ins Herz der professionellen Allokation.

Sein neuer L&G WTW Global Equity Diversified Ucits ETF bildet einen Index ab, den Willis Towers Watson gebaut hat, einer der größten institutionellen Consultants der Welt. Das erklärte Ziel: den MSCI All Country World Index schlagen. Um 0,75 Prozent pro Jahr, nach Kosten. In zweieinhalb Jahren echter Historie waren es dagegen rund drei Prozentpunkte pro Jahr. Das Drei- bis Vierfache des Versprechens.

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Wie das geht? Drei Faktoren, gleich gewichtet: Value, Quality, Momentum, je ein Drittel. „Der zielt ordentlich nach oben“, sagt Königsmarck im Podcast „For Professional Investors Only“. Man könne die Faktoren nicht perfekt timen, also gewichte man sie stur gleich und steuere das Risiko hart nach. Der Tracking Error liegt bei zwei Prozent, es gibt also keine heißen Wetten auf Einzeltitel.

Interessant wird es beim Preis. 19 Basispunkte kostet der ETF. Fast Beta-Niveau für etwas, das aktiv arbeitet. Ist das nicht der eigentliche Trick, nicht die Outperformance, sondern dass sie zum Kampfpreis kommt? Königsmarck schiebt die Kostenfrage weg. Ihm ist die Netto-Performance wichtiger: 75 Basispunkte Mehrertrag gegen 19 Basispunkte Gebühr, „das ist ja wirklich ein deutlicher Mehrwert“.

Dahinter steht eine größere Bewegung. Der Core ist über Jahre immer passiver und billiger geworden, und jetzt drängen ausgerechnet dort wieder aktive Häuser hinein, verpackt in die ETF-Hülle. Rückenwind kommt vom Selbstentscheider am Online-Broker und vom Altersvorsorge-Depot, das zum 1. Januar startet. Königsmarck ist überzeugt: Die Zukunft gehört der ETF-Hülle.

Bleibt das Risiko, das er selbst nicht wegredet: Momentum kann drehen, und zwar schnell. Die Rückrechnung über 20 Jahre zeigt 1,3 Prozent Mehrertrag pro Jahr – immer noch ordentlich, aber die fetten Zahlen der letzten Jahre stammen aus einem sehr faktorfreundlichen Umfeld. Was passiert, wenn dieses Umfeld kippt?

Ob der billigste Baustein im Depot wirklich zur dauerhaften Alpha-Quelle taugt, wie genau die Strategie arbeitet und worauf Königsmarck jetzt setzt, darüber spricht er im Podcast.