No Charts, Just Personality – Teil 1 Philipp Vorndran von Flossbach von Storch: „Ich wollte nie Banker werden“
Von Frankfurt nach Scharbeutz – das klingt für die meisten nach einem entspannten Wochenend-Trip. Ein paar Tage Sand und Wellenrauschen an der Ostsee, dann zurück in die Großstadt. Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei der Kölner Fonds-Boutique Flossbach von Storch, machte Scharbeutz jedoch vor Kurzem zum Mittelpunkt seines Lebens.
Doch warum zieht es einen Wirtschaftsexperten aus der Bankenhauptstadt Deutschlands in ein Städtchen im Süden der Lübecker Bucht? Darüber und noch viel mehr sprechen Peter Ehlers und Malte Dreher, Gründer und Herausgeber des private banking magazin und von DAS INVESTMENT, in der Auftaktfolge des neuen Video-Formats „No Charts, Just Personality“.
Philipp Vorndran: „Ich wollte nie Banker werden“
Den Auftakt macht ein sechsteiliges Video-Interview mit Philipp Vorndran. Er ist seit 2009 Kapitalmarktstratege bei der Kölner Fondsboutique Flossbach von Storch, zuvor arbeitete er bei Credit Suisse Asset Management und Julius Bär. Vorndran gilt als einer der führenden Wirtschaftsexperten Deutschlands, er spricht auf Panels und nimmt kein Blatt vor dem Mund – egal ob es um die Entwicklung der Finanzmärkte oder die deutsche Politik geht.
Sein Weg in die Finanzwelt war alles andere als vorgezeichnet. Als ältester von vier Brüdern hätte er eigentlich das Sägewerk des Vaters übernehmen sollen. Doch er verzichtete auf die Nachfolge. „Das war super für mich. Weil ich wusste, ich habe alle Freiheiten mir den Beruf auszusuchen, der mir wirklich Spaß macht.“ Was er machen wolle, wusste er nicht. Nur eines war ihm früh klar: „Ich habe damals gesagt: Eins werde ich nie – Banker. Und ich sage heute, ich bin auch nie Banker geworden. Nur in Deutschland werden Asset Management und Vermögensverwaltung mit Banken in Verbindung gebracht. Überall sonst weiß man, das ist ein ganz selbstständiger Berufsstand.“
Seinen beruflichen Werdegang begann Vorndran bei Julius Bär, wo er unter anderem den Bereich Derivate verantwortete. Dort lernte er auch Kurt von Storch kennen, einem der späteren Mitgründer von Flossbach von Storch. „Das war ein sehr illustrer Kreis, viele der jungen Wilden damals von Julius Bär haben es in der Finanzwelt zu Ruhm gebracht.“ Hier geht's zum Flaggschifffonds der Kölner Fondsboutique, dem FvS Multiple Opportunities (ISIN: LU0323578657).
Über seine Beweggründe, der Großstadt den Rücken zu kehren und nach Scharbeutz zu ziehen, sagt Vorndran: „Meine Frau und ich haben uns vor 7 Jahren überlegt, wo wir in Zukunft leben wollen. Und uns war klar, es muss am Meer sein.“ Von den vielen Optionen sei Scharbeutz die beste gewesen: „Für Menschen, die weiter im Beruf stehen wollen, wie meine Frau und ich, ist es wichtig, dass die Infrastruktur klappt. Sylt ist schön, aber weit weg vom Schuss.“
Bevor Philipp Vorndran Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch wurde, war er bei Credit Suisse Asset Management als globaler Chefstratege tätig. „Eine prägende Zeit“, sagt er im Gespräch mit Peter Ehlers und Malte Dreher. „Das war der internationale Fußabdruck, den ich ausfüllen konnte als globaler Chefstratege. Und das war damals wirklich global! Ich hatte Kunden in 70 Ländern.“
Vorndran sieht deutsche Denkmuster kritisch
Mitgenommen hat er aus dieser Zeit vor allem einen breiten Blick auf Herausforderungen. „Man hat Probleme damals ganz anders angepackt, als wir das in Deutschland gewöhnt waren. Hier ist die Richtung im Kopf eigentlich vorgegeben.“ Dabei gebe es viele Ungereimtheiten: „Warum ist eine Krankenversicherung in irgendeiner Art lohnabhängig, die PKW-Versicherung aber nicht? Warum sind Unternehmen verantwortlich für die Themen Elternzeit, Schwangerschaftsurlaub und nicht der Staat? Jeder hier schüttelt mit dem Kopf, wenn man das anspricht. Woanders schütteln sie den Kopf, wenn man die deutschen Modelle anspricht.
Zur aktuellen Situation in Deutschland mahnt Vorndran: „Wir sehen in Deutschland gerade sehr drastisch, wie wir uns durch unsere sehr eingeengten Denkmuster in eine Sackgasse hineinmanövriert haben, die die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes strukturell nicht wirklich nach vorne bringt.“
In der Auftaktfolge von „No Charts, Just Personality“ erzählt Philipp Vorndran außerdem noch
- Welches Studienfach er interessanter fand als BWL
- Was sein bestes Investment aller Zeiten war
- Und welches seiner Investments komplett den Bach runterging
Am Freitag, 07. Oktober, folgt Episode 2 von „No Charts, Just Personality“ mit Philipp Vorndran.