Philipp Vorndran zur Lage an den Märkten Handelskonflikt? Mut und Beständigkeit zahlen sich aus

Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege von Flossbach von Storch: „Der Markt muss die Kursanstiege der vergangenen Jahre nun wohl erst einmal verdauen.“ | © FvS

Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege von Flossbach von Storch: „Der Markt muss die Kursanstiege der vergangenen Jahre nun wohl erst einmal verdauen.“ Foto: FvS

Wie schädlich ein von den USA ausgelöster Handelskrieg für die Finanzmärkte der Welt sein kann – das zeigt sich aktuell vor allem in China. Obwohl die bisher erlassenen US-Zölle von 50 Milliarden US-Dollar nur knapp zwei Prozent der weltweiten Warenexporte Chinas in Höhe von 2,26 Billionen US-Dollar ausmachen, spiegeln die Börsen bereits die Ängste vieler Anleger.

Schwache Landeswährung Yuan hat mehrere Gründe

So verlor die Landeswährung Yuan nach einem starken Jahresstart in den vergangenen Wochen nicht nur zum starken US-Dollar. Selbst im Vergleich zu einem handelsgewichteten Währungskorb („CFETS Renminbi Index“), der die weltweiten Wirtschaftsbeziehungen des Landes widerspiegelt, wertete die chinesische Währung in den vergangenen Wochen in der Spitze um gut drei Prozent ab. Sicher ist der schwache Yuan auch ein Signal der chinesischen Regierung an Donald Trump: „Sollte der Handelskonflikt eskalieren, stehen wir nicht wehrlos da. Sobald die Zölle steigen, lassen wir einfach den Wert unserer Währung sinken“. Einerseits. Andererseits ist der schwächere Yuan auch ein Zeichen dafür, dass es in Chinas Ökonomie – trotz Wachstumsraten von knapp unter sieben Prozent – zuletzt nicht ganz so rund lief. Der Handelsüberschuss im ersten Halbjahr fällt das dritte Jahr in Folge. Die Einzelhandelsumsätze wuchsen im Mai so schwach wie seit dem Jahr 2003 nicht mehr.

Hausgemachte Probleme verschärfen sich

Eine Eskalation des Handelskonfliktes würde sich nicht nur direkt auf die Exporte und Investitionen im Land auswirken, sondern hausgemachte Probleme aufdecken. Während in Europa vor allem die hohe Staatsverschuldung immer weiter steigen dürfte, könnte in China wohl auch der Immobilienmarkt leiden. Neben der Entwicklung der Devisenreserven ist der Zustand des Immobiliensektors der wohl wichtigste Indikator für die Stabilität des Landes. Die Bevölkerung investiert im großen Stil in Immobilien, die Banken vergeben Kredite. Um das Platzen der Kreditblase zu verhindern, wollte die Regierung die Risiken in dem Segment zuletzt runterfahren. Der Aktienindex „CSI 300 Real Estate“, der Titel von Unternehmen aus dem chinesischen Immobiliensektor abbildet, verlor seit Jahresbeginn in der Spitze gut 30 Prozent.

Finanzprofis werden vorsichtiger

Auch in Deutschland wuchs zuletzt die Verunsicherung über einen möglichen Handelskonflikt. Darauf deutet beispielsweise unser FvS Investment Sentiment Index hin, der zuletzt auf den tiefsten Stand seit Auflage Anfang vergangenen Jahres fiel. Flossbach von Storch befragt regelmäßig mehr als 1.200 Investoren und Finanzberater, welche Aktienquote sie für die nächsten 12 Monate empfehlen. Mit durchschnittlich 57 Prozent Aktienquote mögen die Antworten auf den ersten Blick noch recht hoch erscheinen. Anfang des Jahres lag die Aktienquote jedoch noch rund vier Prozentpunkte höher.