Die Unternehmenszentrale von Franklin Templeton in San Mateo.

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Philippe Brugere-Trelat

Mehr Möglichkeiten in Europa in 2014

Europäische Aktien verzeichneten 2013 eine beeindruckende Entwicklung. Wir glauben aber, es besteht für 2014 noch erhebliches Aufwärtspotenzial. Europäische Aktien begannen 2014 unserer Meinung nach mit attraktiven Bewertungen. Dies trotz der Rally im vergangenen Jahr, insbesondere im Vergleich zu US-Aktien. Wir glauben, die Wirtschafts- und Finanzbedingungen haben sich stetig in die richtige Richtung entwickelt. Sie scheinen Aktien nicht einfach nur mehr zu belasten, sondern ihnen sogar günstige Bedingungen zu bieten. Während die Aussichten für Europa sich zum Positiven wenden, haben sich auch die Anlagegelegenheiten in diese Richtung entwickelt.

Als Anleger, die einen Bottom-up Ansatz verfolgen, erkennen wir unter Unternehmen, die enger mit dem europäischen Festland verbunden sind, bessere Risiko-Ertragsprofile. Dies insbesondere bei derzeit unpopulären Unternehmen, die mit der Lösung ihrer eigenen strukturellen Herausforderungen befasst sind.

Der Punkt maximalen wirtschaftlichen Leids liegt hinter uns

Selbst nach einer Rally von mehr als 25% (in US-Dollar) des MSCI Europe Index in 2013, halten wir die Rahmenbedingungen für die Aktien der Region nach wie vor für attraktiv. Unsere Analysen des europäischen Aktienmarkts zeigen, das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist erst wieder zu seinem langfristigen Durchschnitt zurückgekehrt. Dabei schloss der MSCI Europe Index das Jahr immer noch beinahe 20% unter seinem historischen Höchstwert ab. Auch die Unternehmensrentabilität bleibt, allgemein gesprochen, schlecht. Die Gewinnspannen liegen immer noch unter unserer Schätzung ihrer historischen Durchschnittswerte. Dieses Profil unterscheidet sich von dem in den USA. Hier schloss der S&P 500 Index 2013 auf Rekordhöhe ab. Die Gewinnspannen lagen auf historischen Höchstständen.

Ständige Hinweise auf eine Konjunkturerholung in Europa lassen uns glauben, der Punkt maximalen wirtschaftlichen Leids liegt hinter uns. Die Europäische Zentralbank ist bemüht, das Zinsklima freundlich zu halten. Die schlimmsten Sparmaßnahmen sind vorüber und die Messlatten für die Unternehmensaktivität in der Region - nämlich die Einkaufsmanagerindizes und das Verbrauchervertrauen - weisen auf eine Erholung hin.

Tempo der Erholung in südeuropäischen Ländern höher

In der Tat können wir unter Wirtschaftsexperten und Anlegern einen zunehmenden Optimismus dahin gehend feststellen, dass Europa sich möglicherweise, was das Wirtschaftswachstum betrifft, an einem Wendepunkt befindet. Während viele Beobachter nicht davon ausgehen, dass das Bruttoinlandsprodukt in Europa so stark steigen wird wie in den USA, würde ein Wachstum unserer Meinung nach nichtsdestotrotz einen willkommenen Rückenwind bieten. Dies insbesondere angesichts der Tatsache, dass die Region sich noch vor einem Jahr in der Rezession befand.

Wir sehen auch Gründe für die Annahme, das Wachstum in einigen Bereichen der europäischen Wirtschaft habe großes Potenzial positiv zu überraschen. Allerdings geben wir zu, dass immer noch Risiken bestehen.

Bestrebungen bei vielen europäischen Unternehmen Kosten zu kontrollieren und die Rentabilität zu verbessern haben generell zu niedrigeren Lohnkosten und höherer Produktivität geführt. Außerdem haben die reduzierten Sparmaßnahmen die finanzielle Belastung verringert. Wir beginnen Hinweise auf eine potenziell breitere Erholung des Wachstums in der ganzen Region zu beobachten. Dabei dürfte das Tempo der Erholung in südeuropäischen Ländern höher sein als im vergangenen Jahr. Ein früher Hinweis auf diesen potenziellen Trend waren die Leistungsbilanzüberschüsse, die gegen Ende 2013 in Italien und Spanien erzielt werden konnten.

Positiven Trends gegen die drohenden Risiken

Allerdings stellt der beispiellose Versuch der US-Notenbank Federal Reserve einer Drosselung ihrer lockeren Geldpolitik und das damit verbundene Potenzial für Zinsanstiege ein unbekanntes Risiko für die globalen Aktienmärkte dar. Wir sind uns auch der Tatsache bewusst, dass die Unternehmensumsätze in Europa sich möglicherweise nicht so schnell verbessern, wie einige Beobachter dies erwarten.

Bei Abwägung der positiven Trends gegen die drohenden Risiken, scheint es uns, die Entwicklungen in Europa bieten neue, wirklich attraktive Anlagegelegenheiten. Wir konnten unter den stärker regional ausgerichteten Unternehmen bemerkenswerte Risiko-/Ertragsprofile feststellen. Diese Unternehmen scheinen uns gut aufgestellt, um von einer Konjunkturerholung profitieren zu können. Wir interessieren uns insbesondere für Unternehmen, die übersehen werden oder ungeliebt sind, aber derzeit umstrukturiert werden. Diese dürften eine höhere Hebelwirkung bei der Partizipation an der Konjunkturerholung in Europa bieten.

Unser auf Fundamentaldaten beruhender Bottom-up Investmentprozess führt uns zu Versicherern im Finanzsektor. Wir halten Versicherer für attraktiver als Banken, da die immer noch mit aufsichtsrechtlichen Herausforderungen zu kämpfen haben. Wir konnten auch unter Industriewerten Chancen finden sowie bei Betreibern von Hotels und Freizeitaktivitäten, die im Allgemeinen stärker mit den regionalen Wirtschaftsbedingungen verknüpft sind. Aus unserer Sicht bieten Unternehmen, die sich in einer Umstrukturierung befinden, Anlegern eine Kombination aus Hebelwirkung aufgrund der möglichen Verbesserung der wirtschaftlichen, politischen und finanziellen Gesamtlage und zum Anderen aufgrund des Selbsthilfepotenzials. Wir sehen Möglichkeiten Aktien mit erheblichen, positiven Katalysatoren zu relativ niedrigen Bewertungen in einer Region, die am Rande eines Aufschwungs zu stehen scheint, zu erwerben.


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