Philippe Champigneulle

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Philippe Champigneulle

„Auch als Fondsmanager ist man nicht vor Betrug gefeit“

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DER FONDS: Der DNCA Invest Eurose gehörte in den vergangenen Jahren zu den besten defensiven Mischfonds. Doch seit dem Sommer schwächelt die Performance. Woran liegt’s?

Philippe Champigneulle: Unser aktueller Aktienanteil ist mit 25 Prozent recht hoch. Das hat sich vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise und der wachsenden Deflationsangst in Europa in der Performance niedergeschlagen. Zudem haben wir sehr stark auf zyklische Titel gesetzt, das war in diesem Zusammenhang vielleicht etwas optimistisch. Mit Sicht auf die nächsten Monate dürfte sich dies jedoch wieder auszahlen. Mit Blick auf das ganze Jahr hat der Fonds im Oktober 1,3 Prozent Verlust gemacht und ist per Ende Oktober im Vergleich zum Jahresbeginn mit 2,18 Prozent im Plus.

Ende 2013 haben Sie in Ihrem Portfolio lediglich eine einzige Bankaktie gehalten, das war ausgerechnet die später kollabierte Espirito Santo Financial Group.

Von diesem Bankrott wurden wir genauso überrascht wie BNP Paribas, Credit Agricole und verschiedene spanische Banken. Das Beispiel zeigt, dass man auch als Fondsmanager nicht vor Betrug gefeit ist.

Wie viel Performance hat Sie das gekostet?

Wir haben die Position im August abgeschrieben und dadurch lediglich 0,23 Prozent an Wert verloren. Das ist unserer sehr breiten Streuung zu verdanken: Wir gewichten jeden Einzeltitel mit maximal 3 Prozent.

An Ihrer aktuellen Aktienquote von 25 Prozent halten Sie bis auf weiteres fest?

Ja, denn wir sind der Meinung, dass wir damit auch unter Risikogesichtspunkten richtig aufgestellt sind. Wenn die derzeitige Volatilität an den Aktienmärkten passende Gelegenheiten bietet, könnte es sogar noch etwas mehr werden. Die Konjunktur dürfte sich zwar später beleben als ursprünglich erwartet. Aber das wird unseres Erachtens automatisch und schnell zu einer deutlichen Verbesserung der Unternehmensergebnisse führen. Deshalb denken wir, dass wir mit Titeln wie Michelin, Vinci oder Daimler für die nächsten sechs Monate goldrichtig liegen.

Wie sind Sie auf der Rentenseite aufgestellt?


Wir haben den Anteil der Staatsanleihen deutlich erhöht – von 7 Prozent Ende 2013 auf 19 Prozent. Darunter sind insbesondere Titel aus Südeuropa, da wir damit von der Zinskonvergenz im Euroraum profitieren können.

Sind diese Märkte nach den jüngsten Kurssteigerungen nicht etwas riskant geworden?

Unser Engagement fußt auf der Überzeugung, dass der Euroraum politisch nicht auseinanderbrechen wird und dass es infolge dessen bei den Zinsen in Spanien und Italien noch weiteren Spielraum nach unten gibt. Nordeuropäische Staatsanleihen sind dagegen eindeutig zu teuer, damit machen Investoren nicht einmal die niedrige Inflation wett. Das Risiko, das man mit diesen Papieren eingeht, wird nicht adäquat entlohnt.

Wann rechnen Sie mit einer Zinserhöhung in den USA, und welche Folgen hätte das für die Aktien- und Rentenmärkte in Europa?

Die Wirtschaftslage beider Wirtschaftsräume ist so unterschiedlich, dass wir uns zwar höhere kurze Zinsen in den USA vorstellen können. Allerdings wird die EZB die Zinsen im Euroraum noch eine ganze Zeit lang niedrig halten. Ob die längeren Zinsen in den USA steigen, ist schwierig zu beurteilen – schließlich ist der Wirtschaftsaufschwung bisher noch nicht in der Mittelklasse angekommen. Sollte dies passieren, kann es durchaus auch zu höheren langen Zinsen in Europa kommen. Aus diesem Grund sind wir im Fonds bei den Laufzeiten sehr kurz aufgestellt.

Wie lauten Ihre Renditeziele für 2015?

Letztlich hängt die Performance des DNCA Invest Eurose von der Entwicklung der Aktien im Portfolio ab. Der Beitrag der Zinswerte wird demgegenüber überschaubar bleiben.

Andere Misch- und Total-Return-Fonds erwirtschaften in Zeiten wie diesen Zusatzerträge mit alternativen Alpha-Strategien. Dafür bedarf es allerdings Derivate, die Sie bislang überhaupt nicht einsetzen. Wird das vielleicht 2015 doch noch zu einer Option?


Das ist ein Ansatz, der unserem eigenen Konzept diametral entgegensteht. Wir sind davon überzeugt, dass jeder Fonds einen eigenen Investmentstil hat und diesen langfristig verfolgen sollte. Das entspricht auch unser hauseigenen Devise: Vorsicht, Geduld und Ausdauer.

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