Physiker Harald Lesch über den Klimawandel „Raus aus der Kohle, aus dem Öl und aus zu viel Mobilität“

Harald Lesch ist Physiker, Astronom und Naturphilosoph. Er lehrt an der Ludwig-Maximilians-Universität München. | © Gerald von Foris

Harald Lesch ist Physiker, Astronom und Naturphilosoph. Er lehrt an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Foto: Gerald von Foris

Harald Lesch, Physiker, Astronom und Naturphilosoph, sieht einem in den aktuellen „Bafin-Perspektiven“ veröffentlichten Interview zufolge dringenden Bedarf für schnelles Handeln in Sachen Klimawandel. „Es geht noch was, aber viel Zeit haben wir nicht mehr. 2018 stieg der Kohlendioxid-Ausstoß auf 33,1 Milliarden Tonnen, ein neuer ‚Negativrekord’. Wir müssen überhaupt erst mal anfangen und zwar jetzt“, so der Wissenschaftler, der an der Ludwigs-Maximilians-Universität München (LMU) lehrt.

Finanzsektor kommt Schlüsselrolle zu

Er sieht laut Interview im Klimawandel die größte Bedrohung für die Menschheit und plädiert für eine deutlich genossenschaftlicher organisierte soziale Marktwirtschaft. Dem Finanzsektor komme eine wichtige Rolle bei der Transformation hin zu einer ökologischen, nachhaltigen, dekarbonisierten Gesellschaft zu, so der Forscher. So erfordere der Ausbau der erneuerbaren Energien, inklusive Netz- und Speicherkapazitäten sehr viel Geld und dies müsse jetzt und nicht erst demnächst investiert werden. „Also hinein in ethisch saubere, ökologisch anständige Projekte. Raus aus der Kohle, aus dem Öl und aus zu viel Mobilität“, so seine Forderung an die Branche. Anders werde es nicht gehen.

Lesch räumt jedoch auch ein, dass dieser Weg auch Gefahren für die Investitionen berge, aber es gebe leider keine andere Welt, in der etwas ausprobiert werden könne. Ein Business as usual mit dem Business as usual-Risikomanagement werden versagen, denn das Risiko einer Wellt mit globaler Erwärmung sei völlig unberecher, so der Professor.