Biotechnologie zählt seit jeher zu den anspruchsvollsten und zugleich chancenreichsten Segmenten am Kapitalmarkt. Über Jahrzehnte hinweg schwankten Euphorie und Ernüchterung im Takt klinischer Studien, regulatorischer Entscheidungen und technologischer Durchbrüche. Doch nach einer Phase der Konsolidierung mehren sich die Anzeichen, dass der Innovationsvorreiter wieder Tritt fasst.
Im Webinar „Pictet-Biotech: das Comeback des Außenseiters“ zeichneten Lara Lorenz, Investment Advisor, und Lydia Haueter, Senior Investmentmanagerin, die Entwicklung der vergangenen Jahre nach – und skizzierten, warum der Sektor vor einer neuen Phase strukturellen Wachstums stehen könnte.
Von der Entschlüsselung des Genoms zur Welle innovativer Therapieansätze
Wenige Jahrzehnte nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms zeigen sich die langfristigen Folgen dieses Quantensprungs in immer konkreteren Anwendungen. Präzisere Diagnostik, neue Therapieformen und individualisierte Behandlungsstrategien haben das medizinische Arsenal substanziell erweitert.
Der biotechnologische Werkzeugkasten wächst rasant: Gen-Editierungstechnologien ermöglichen gezieltere Eingriffe ins Erbgut, Automatisierung beschleunigt Laborprozesse, und künstliche Intelligenz hilft, riesige Datenmengen effizient zu analysieren.
Mit dieser Dynamik steigt allerdings auch die Komplexität in den biomedizinischen Wissenschaften. Parallel dazu nimmt die Zahl potenzieller Therapieoptionen zu. Gerade dort, wo bislang ungedeckter medizinischer Bedarf besteht, treffen wissenschaftlicher Fortschritt und ökonomisches Potenzial aufeinander – ein fruchtbarer Boden für Innovation.
Biotech als Innovationsmotor der Pharmaindustrie
Längst ist Biotechnologie mehr als eine Nische. Sie fungiert zunehmend als externe Forschungs- und Entwicklungsplattform für große Biopharma-Unternehmen.
„Bemerkenswert ist, dass rund 70 Prozent der FDA-Zulassungen von Biotech-Unternehmen stammen“, führte Lydia Haueter aus. „Große Pharmakonzerne greifen verstärkt auf die Pipeline spezialisierter Biotech-Firmen zurück, um eigene Produktlücken zu schließen.“
Die Produktivität in Forschung und Entwicklung ist dabei ein entscheidender Hebel. „Fortschritte in der Technologie ermöglichen effizientere Entwicklungsprozesse – und erhöhen die Attraktivität vielversprechender Targets für strategische Käufer“, so Haueter.
M&A nehmen Fahrt auf
Nach einer Phase relativer Zurückhaltung kam der Markt für Fusionen und Übernahmen im Jahr 2025 wieder spürbar in Bewegung. Der Markt wurde von mehreren sehr großen strategischen Übernahmen bestimmt, darunter einige milliardenschwere Transaktionen: So investierte Johnson & Johnson rund 14,6 Milliarden US-Dollar in Zukäufe, Merck & Co. etwa 10 Milliarden US-Dollar und Sanofi rund 9,5 Milliarden US-Dollar.
Die strukturellen Treiber für M&A bleiben intakt:
- Große Biopharma-Unternehmen verfügen über solide Bilanzen und hohe Liquiditätsreserven.
- In den kommenden zehn Jahren drohen Patentabläufe, die Umsatzverluste von rund 400 Milliarden US-Dollar bei Arzneimitteln nach sich ziehen könnten.
- Akquisitionen konzentrieren sich verstärkt auf kommerziell reife und risikoärmere Assets.
- Die Bewertungen von Biotech-Unternehmen bewegen sich auf EV/Cash-Basis weiterhin im Bereich ihres historischen Medians – von Überhitzung kann keine Rede sein.
Vor diesem Hintergrund erscheint M&A als struktureller Trend mit mehrjährigem Potenzial.
Grafik: Wertentwicklung Pictet-Biotech-I EUR vs. MSCI ACWI seit Auflage (in EUR)
Künstliche Intelligenz beschleunigt die Arzneimittelentwicklung
Ein weiterer Paradigmenwechsel zeichnet sich durch den Einsatz von KI-Tools ab. Die Kosten für Rechenleistung und digitale Infrastruktur sinken, während ihre Leistungsfähigkeit steigt. Damit werden Teile der Medikamentenentwicklung zugänglicher – auch für kleinere Unternehmen. Die Eintrittsbarrieren verringern sich, Kapital wird effizienter eingesetzt.
„Entscheidend sind nun biomedizinische Spezialisierung, proprietäre Datensätze und erfahrene Teams, die technologische Werkzeuge zielgerichtet nutzen können“, sagt Haueter. „Technologie allein ist kein Wettbewerbsvorteil – ihre intelligente Anwendung ist es.“
Diversifikation mit geringer Korrelation
Aus Portfoliosicht bietet Biotechnologie eine Besonderheit: eine vergleichsweise geringe Korrelation zu breiten Aktienmärkten. Über einen Fünfjahreszeitraum weist der Sektor eigenständige Renditetreiber auf.
Die Strategie Pictet-Biotech verwaltet ein Fondsvolumen von rund 1,49 Milliarden US-Dollar. Seit Auflage entwickelte sich der Fonds Pictet-Biotech-I EUR im Vergleich zum MSCI ACWI in Euro mit einem eigenständigen Profil – geprägt von innovationsgetriebenen Wertbeiträgen statt rein makroökonomischer Impulse.
Ausblick: Medizinische Spitzentechnologie als struktureller Wachstumstreiber
Die Biotech-Branche steht an einer neuen Schwelle. Technologischer Fortschritt, steigender medizinischer Bedarf, strategische Käufer mit gefüllten Kassen und neue digitale Werkzeuge bilden ein Umfeld, das Innovationszyklen beschleunigen und die Aktienkurse der Unternehmen anschieben dürfte.
Investment Advisor Lara Lorenz fasste zusammen: „Biotechnologie bleibt volatil – doch gerade diese Dynamik schafft selektive Chancen. Für Investoren mit langfristigem Horizont kann der Sektor eine Kombination aus strukturellem Wachstum, Diversifikation und Übernahmefantasie bieten.“
Lydia Haueter pflichtete bei: „Der Außenseiter ist zurück auf der Bühne – und die nächste Innovationswelle könnte größer sein als die letzte.“
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