Krankheitsbedingte Kosten senken

Für Aon-Mann Jüttner ist bei der betrieblichen Krankenversicherung noch ein weiterer Aspekt entscheidend: die Kosten, die den Unternehmen durch den krankheitsbedingten Ausfall von Mitarbeitern entstehen.

Durch das Angebot einer besseren Krankenversicherung können sie aktiv gegensteuern. „Wenn ein Mitarbeiter als gesetzlich Versicherter lange auf einen Operationstermin warten muss, entstehen dem Arbeitgeber direkte Kosten.“ Von der früheren Erkennung von Krankheiten durch zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen profitieren Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Für welche Policen sich die Unternehmen entscheiden, hängt von ihren Präferenzen und dem Budget ab, sagt Jüttner. Die Firmen sollten sich auf jeden Fall professionelle Unterstützung von Versicherungsvermittlern holen, die auf diesem Spezialgebiet Expertise vorweisen können, empfiehlt er. Der Markt sei schwer zu überblicken.

Wenn ein Versicherer Policen anbietet, die deutlich preisgünstiger sind als die der Wettbewerber, ist Vorsicht geboten. Entweder sind die Prämien zu knapp kalkuliert, und es drohen schon bald starke Erhöhungen – was sowohl bei den arbeitgeber- als auch bei den arbeitnehmerfinanzierten Varianten zu Unmut bei den Mitarbeitern führt –, oder das Leistungsniveau ist deutlich schlechter, was Firmen nur im Kleingedruckten erkennen können. „Auch hier können Makler die Firmen entsprechend beraten“, sagt Jüttner.

Zahnzusatz führt die Hitliste an

Wie bei den Einzelversicherungen werden in der bKV am häufigsten Zahnzusatzversicherungen abgeschlossen. Beliebt sind auch Angebote für die bessere Versorgung im Krankenhaus und für Vorsorgemaßnahmen, die von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt werden. Viele Arbeitgeber entscheiden sich für Kombiprodukte.

Die Gothaer Krankenversicherung verzeichnet in der betrieblichen Krankenversicherung doppelt so hohe Zuwächse wie beim Verkauf von Zusatzversicherungen an Einzelpersonen, berichtet Vorstandschef Michael Kurtenbach. „Es ist ein Geschäftsfeld mit einem großen Potenzial“, sagt er. Die Nachfrage nach diesen Policen nimmt nach seinen Angaben insbesondere im Mittelstand zu. „Die betriebliche Krankenversicherung ist ein Signal an die Mitarbeiter: Wir kümmern uns auch um die gesundheitliche Versorgung.“

Außerdem sei sie bei arbeitgeberfinanzierten Leistungen ein deutlich günstigerer Einstieg als die betriebliche Altersvorsorge. Das steigende Interesse führt dazu, dass immer mehr PKV-Unternehmen in den Bereich vorstoßen.

Nach einer Erhebung des „Versicherungsjournals” bieten zurzeit 15 Versicherer in den unterschiedlichsten Varianten Policen für Firmen an. „Für uns ist die betriebliche Krankenversicherung ein interessantes Wachstumsfeld, das das bisherige Gebiet der Vollversicherung und der klassischen Zusatzversicherung ergänzt“, erklärt Clemens Muth, Vorstandsvorsitzender der DKV.

Er schätzt den Markt der arbeitgeberfinanzierten betrieblichen Krankenversicherung auf 50 Millionen Euro. Sie ist angesichts der branchenweiten Beitragseinnahmen von 34,7 Milliarden Euro 2011 damit noch ein zartes Pflänzchen.

Nach Angaben von Muth laufen die Verträge bei der DKV grundsätzlich nur ein Jahr, danach können Arbeitgeber oder Versicherer kündigen – das ist eine Besonderheit im Markt. Die DKV bietet zurzeit Zahn- und Krankenhauspolicen an, will das Portfolio aber erweitern.

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