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Assekurata-Analyse Was 15 Krankenversicherer über KI und die elektronische Patientenakte denken

Arzt und Krankenschwester in Gespräch
Digitale Transformation im Gesundheitswesen: Das Thema ist, unter anderem durch die baldige flächendeckende Einführung der elektronischen Patientenakte in der privaten Krankenversicherung in aller Munde. | Foto: Imnago images / Westend61

Die Ratingagentur Assekurata hat weitere Ergebnisse einer eigenen Befragung unter 15 Krankenversicherern zur aktuellen Markteinschätzung, Produkten und zukünftigen Entwicklungen der Sparte veröffentlicht. Diese bestätigten die durchaus optimistischen Beurteilungen des ersten Teils, die die Kölner bereits in ihrem Blog veröffentlicht hatten.

Inflation trifft PKV derzeit nur unterdurchschnittlich

Ein Problem vieler Branchen, das die Krankenversicherer vergleichsweise wenig umtreibt, ist die Inflation. Im Jahr 2023 sagten nur 13 Prozent der befragten Unternehmen, dass ihre Leistungsausgaben wegen der hohen Inflation überdurchschnittlich steigen. Dass die Aussage „vollkommen zutrifft“ äußerte keiner der befragten Anbieter. Stattdessen gaben 33 Prozent an, dass diese Aussage „weniger zutrifft“. Die Mehrheit der Unternehmen (47 Prozent) versammelte sich hinter der Aussage „trifft weitgehend zu“. Laut Alexander Kraus von der Assekurata Rating-Agentur sind die Kostensteigerungen wegen der Inflation geringer als in anderen Bereichen, wie etwa der Schadenversicherung.

Das zeige sich auch in den Verbraucherpreisindizes des Statistischen Bundesamtes. Im Mai 2023 lag der Index bei 116,5, und seit Anfang 2022 ist er stark gestiegen. Im Bereich „Gesundheit“ lag der Index jedoch nur bei 104,8 und verzeichnete einen deutlich flacheren Verlauf. „Die Ausgaben im Gesundheitssektor sind also im beobachteten Zeitraum nicht so stark gestiegen wie in den anderen Bereichen“, stellt Kraus fest.

 

Zeitversetzter Anstieg durch hohe Personalkosten zu erwarten

Ohnehin spiele für die PKV die sogenannte medizinische Inflation, also die Leistungsausgabensteigerung im Gesundheitswesen, mit der die Anbieter schon früher kalkuliert haben, eine stärkere Rolle. Als personalintensive Branche sei die Lohn- und Gehaltsentwicklung jedoch ein wichtiger Preistreiber im Gesundheitswesen, der sich hier auch noch niederschlagen wird, so die Assekurata-Prognose. In den kommenden Jahren könne sich ein zeitversetzter Anstieg zeigen.

Laut Kraus könnten sich die gestiegenen Zinsen sogar stabilisierend auf die Beitragsentwicklung auswirken, sobald sich diese erst in den Kapitalanlagen und dann auch über den Rechnungszins in den Tarifen wiederfinden. Dass dies per se sogar zu niedrigeren Beiträgen führen wird, erscheine dagegen unwahrscheinlich, da die gesteigerten Leistungsausgaben dagegenwirken. „Eine einheitliche Meinung hierüber herrscht aktuell jedoch (noch) nicht, wie die Antworten der Unternehmen zeigen.“ Das Verhältnis beträgt 53 zu 47 Prozent (siehe Grafik).

Quelle: Assekurata

Elektronische Patientenakte steht vor dem Durchbruch

Als weiteres wichtiges Zukunftsthema nennt Assekurata die elektronische Patientenakte (ePA) als Teil der digitalen Transformation und eines Imagewechsels vom Kostenerstatter zum Gesundheitsdienstleister. Dessen freiwillige Einführung in der gesetzlichen Krankenversicherung seit 2021 läuft mehr als schleppend. Unlängst teilte Bundesgesundheitsminister Lauterbach mit, dass alle Krankenversicherten ab 2024 eine elektronische Akte erhalten und sich nur selbst kümmern müssen, wenn sie diese nicht wollen. 

Der PKV, die sich laut Kraus schon länger in der digitalen Vorreiterrolle sieht, bietet das Thema neue Chancen, glaubt Analyst Kraus. Durch die gezielte Einbettung der ePA in die bereits größtenteils sehr guten digitalen Services könne zukünftig ein Mehrwert sowohl für Kunden als auch Unternehmen entstehen. 87 Prozent stimmen der Aussage eines hohen Kundennutzens von „weitgehend“ bis „voll“ zu. „Ein Indiz, dass man sich nicht nur mit dem Thema beschäftigt, sondern die ePA zukünftig doch eine größere Rolle spielen könnte, als zunächst vielleicht angenommen“, so Kraus. Ebenfalls 87 Prozent sehen verteilt auch einen Nutzen auf Unternehmensseite.

 

KI: Erst Investitionen, dann Kosteneinsparungen

Mit dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) kommt ein weiterer Punkt verstärkt auf die Agenda, so die Assekurata-Analyse. Rund 60 Prozent stimmten der Aussage zu, dass KI perspektivisch verstärkt in ihrem Unternehmen zum Einsatz kommen wird. Obwohl der Einsatz von KI als vielversprechend betrachtet werde, sehen die Unternehmen derzeit noch keine unmittelbaren Kosteneinsparungen durch deren Nutzung, schreibt Kraus. „Die Thematik ist insgesamt sehr komplex und erfordert erhebliche Investitionen in die Entwicklung und Umsetzung von KI-Technologien“.

Inwiefern die Kunden hieran partizipieren können, werde die Zukunft zeigen. Kundenorientierte Einsatzmöglichkeiten seien nicht nur denkbar, sondern auch wünschenswert.

Quelle: Assekurata

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